Umverteilung

Ein Fensterputzer, ein Handy und der Bugatti Veyron

Einschlägige Magazine in Presse und Fernsehen führen uns das Leben der Reichen und Schönen vor, in all ihrer Dekadenz, ihrer Verschwendung und ihrem Glanz. Die Reaktionen sind gemischt. Tief drinnen bewundern und beneiden wir die oberen Zehntausend, aber wenn wir so darüber nachdenken, vor allem wenn der Fernseher wieder aus ist und wir unser Leben betrachten, dann ist es doch verdammt ungerecht. Wir zählen am Ende des Monats das Geld, gönnen uns als Luxus vielleicht mal einen Kinobesuch und die Schnösel im Fernsehen wissen wahrscheinlich nicht mal, dass es einstellige Euroscheine gibt. Die berühmte Einkommensschere wird gerne bedient. Die allermeisten haben wenig, die allerwenigsten haben sehr sehr viel und auch wenn eine richtige Umverteilung ziemlich sicher nicht viel bringt, dann muss man doch mal fragen, ob man mit dem vielen gehorteten und verschwendeten Reichtum nicht doch etwas sinnvolles machen könnte. Nehmen wir mal als Beispiel den Bugatti Veyron. Eine halbe Millionen pro Stück (in Sonderausfertigungen deutlich mehr) für ein Auto, das eigentlich unnötig ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf öffentlichen Straßen und auch Rennstrecken eigentlich nicht zu erreichen. Der Verbrauch ist enorm, die Reifen nutzen sich schnell ab, wer braucht so ein Auto? Könnten wir nicht das ganze Geld nehmen und etwas wirklich nützliches für die Welt tun? Nun… betrachten wir ein etwas billigeres Beispiel:

Im Bild: Ein überraschend großer Nutzen für die kleinen Leute

Foto: Wikipedia User M93

Das Jahr 1983:
Sie sind Fensterputzer in Manhattan. Ihr Job ist es die riesigen Glasfenster der Wolkenkratzer zu putzen. Ein schwieriger und vor allem sehr gefährlicher Beruf. Auf Grund der Gefahr verdienen Sie gar nicht mal so schlecht, aber reich werden Sie sicherlich nicht. Tagtäglich sehen Sie bei Ihrer Arbeit die neureichen Banker und Yuppies in ihren riesigen Büros, nicht selten ziehen sie die Vorhänge zu, wenn Sie sich an die Arbeit machen. Ab und zu erwischen sie sogar jemanden der mit der Sekretärin fremd geht. Sie alle verdienen am Tag mehr als Sie im Monat. Es kotzt Sie an!

Eines Tages gehen Sie von der Arbeit nach Hause, Richtung U-Bahn und sie sehen gerade wie einer dieser verwöhnten Schnösel aus dem Gebäude kommt und auf dem Weg zu seiner Limousine in etwas spricht, was wie ein Funkgerät aussieht. Könnte eine Art Telefon sein, tragbar, sieht aus wie ein grauer Backstein mit Antenne. Als technisch interessierter Mensch wollen Sie etwas darüber herausfinden. Also gehen Sie bei einem Zeitschriftenladen vorbei. Jeden Donnerstag kommt da ein neues Technikmagazin raus, vielleicht finden Sie da was. Blöderweise steht nichts über das Telefon in dieser Ausgabe, auch nicht in den anderen Magazinen im Laden. Zu Hause fragen Sie ihre Frau, die weiß nichts davon, auch Ihr Sohn nicht, Ihre Arbeitskollegen am nächsten Tag haben das auch schon gesehen, aber wissen nichts genaues darüber.

Drei Wochen später finden Sie endlich einen Artikel. Sie zahlen ein paar Dollar für die Zeitung und lesen in der U-Bahn. Sie erfahren folgendes: Es handelt sich um ein Mobiltelefon, quasi ein tragbares Autotelefon mit Satellitenverbindung, oder einer Verbindung zu einem von einer Hand voll Funktürmen in den großen Städten. Es kostet 5000$, dazu 50$ pro Monat Grundgebühr und dann nochmal 24cent Gebühren pro Minute. 

Jetzt sind sie richtig sauer. Was zur Hölle wollen diese arroganten Typen mit den Telefonen? Sie haben im Büro und zu Hause einen Festnetzanschluss, im Auto ein Autotelefon. Halten die sich für so wichtig, dass sie auf den paar Metern zum und vom Auto unbedingt erreichbar sein müssen? Dann auch noch 5000$? Das ist das durchschnittliche Quartalseinkommen einer amerikanischen Familie! Was könnte man damit alles Gutes tun. Sie entschließen sich Sozialist zu werden.

Das Jahr 2015:

Sie sind Fensterputzer in Manhattan. Ihr Job ist es die riesigen Glasfenster der Wolkenkratzer zu putzen. Ein schwieriger und vor allem sehr gefährlicher Beruf. Auf Grund der Gefahr verdienen Sie gar nicht mal so schlecht, aber reich werden Sie sicherlich nicht. Tagtäglich sehen Sie bei Ihrer Arbeit die neureichen Banker und Yuppies in ihren riesigen Büros, nicht selten ziehen sie die Vorhänge zu, wenn Sie sich an die Arbeit machen. Ab und zu erwischen sie sogar jemanden der mit der Sekretärin fremd geht. Sie alle verdienen am Tag mehr als Sie im Monat. Es kotzt Sie an!

Eines Tages gehen Sie von der Arbeit nach Hause, Richtung U-Bahn und sie sehen gerade wie einer dieser verwöhnten Schnösel aus dem Gebäude kommt und in ein Auto einsteigt, dass wie ein Raumschiff mit Reifen aussieht. Sie erkennen das Bugatti-Symbol, aber dann ist das Auto schon weg. Sie würden gerne wissen, was es damit auf sich hat.

Seit 1983 haben zahlreiche Telekommunikationsunternehmen das Geld von den reichen Schnöseln, dass sie für ein ziemlich nutzloses, aber teures Spielzeug, das Handy, ausgegeben haben, in immer weiter reichendere Netze investiert, sowie in die Entwicklung und Produktion neuer Modelle. Jedes Mal wurden sie ein klein wenig besser und billiger. Mit jeder noch so kleinen Preisreduktion öffnete sich der Markt für ein paar neue Kunden mehr. Da diese Kunden immer noch das selbe Netz verwenden, lassen sich die Kosten auf mehr Kunden umlegen, sie sinken für die Einzelperson. Auch die Gewinnmarge der einzelnen Geräte kann sich verringern, da mehr gekauft werden und die Produktion immer größerer Mengen die Kosten senkt. So werden Handy, Grundgebühr und Minutenpreis stetig ein wenig billiger. Mit der steigenden Verbreitung finden sich auch immer mehr Anwendungsmöglichkeiten. Schließlich entdecken Unternehmen wie Motorola und Nokia das Marktpotential in der breiten Masse. Sie bringen noch billigere Geräte heraus, kooperieren mit Unternehmen wie der Telekom oder AT&T um die Nutzungsgebühren erschwinglich zu machen. Immer mehr Menschen teilen sich eine Infrastruktur, alles wird wiederum billiger. Schließlich kommen ein paar schlaue Leute auf die Idee das Handy mit dem Internet zu verbinden, einen Touchscreen einzubauen und andere schlaue Leute entwickeln im Minutentakt (meist kostenlose) Programme um die Geräte immer nützlicher zu machen.

Kaum ist der Bugatti weggefahren, nehmen Sie ihr iPhone heraus, dass Sie für ungefähr 35$ im Monat nahezu unbegrenzt benutzen können. Es beinhaltet neben dem Telefon einen Kalender, Internet, ihren MP3-Player, eine hochauflösende Kamera, Emaiprogramme, einen persönlichen Assistenten, Taschenrechner, ein Navigationssystem, eine Taschenlampe, einen Anrufbeantworter und eine Spielekonsole. Das sind nur die Werkseinstellungen. Sie tippen „Bugatti“ ins Suchfenster und finden schnell ein Bild, dass zum Auto passt, das Sie gerade gesehen haben. Sie lesen Wikipedia, stellen fest es ist ein Bugatti Veyron, das schnellste Auto der Welt und es ist schweineteuer. Sie klicken ein paar Links weiter und finden heraus, dass Volkswagen bei der Entwicklung des Bugatti Veyron einen Motor, ein Getriebe, einen Reifensatz etc. nach dem anderen verschlissen hat und stetig neue Systeme entwickeln musste. Sie lesen auch, dass diese Erkenntnisse aus den letzten 15 Jahren nun bereits in vielen Standard-PKW von Volkswagen stecken. Sie machen Motoren langlebiger, effizienter und stärker. Sie sorgen dafür, dass Sie weniger für Reparaturen ausgeben müssen, weniger Ärger mit ihrem Auto haben und mehr Auto für das selbe, teilweise weniger Geld kriegen. All das mit dem Geld reicher Schnösel. Sie bewundern den freien Markt, Sie bewundern den technischen Fortschritt, Sie entscheiden sich dafür, dass Sie beim nächsten Mal libertär wählen. Und all das bevor Sie auch nur in die U-Bahn eingestiegen sind (wo sie inzwischen auch Empfang haben).

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Eat the Rich, die Umverteilung durchgerechnet

Deutschland ist ein reiches Land. Unsere Unternehmen sind erfolgreich, knapp jeder 82. Bürger ist Millionär, nur wenige Länder können mit unserem Lebensstandard mithalten und selbst die Leute, die in den sozialen Sicherungssystemen ihr Auskommen finden müssen, leben ohne akute Bedrohung zu verhungern, zu erfrieren oder ohne ärztliche Behandlung zu leiden. Es scheint also absolut nachvollziehbar zu sein, dass der deutsche Staat von dieser reichen Bevölkerung einen nicht unerheblichen Beitrag verlangt, um diesen Wohlstand z.B. gegen äußere Feinde zu verteidigen, durch Diplomatie zu verbessern und ihn natürlich nach unten zu verteilen, wo er am dringendsten benötigt wird. Dabei wird immer wieder der Ruf laut, dass es in Deutschland trotz allem doch sehr sozial ungerecht zugehen würde. Die Reichen werden immer reicher, und das auf Kosten der Ärmeren. Eine Reichensteuer muss her, vielleicht gleich eine Beschlagnahmung, vielleicht auch eine 100% Erbschaftssteuer, so lange man die Kohle, die da oben festsitzt endlich für sinnvolleres als Hummer, Champagner und teure Autos einsetzen kann. Wie sähe das in der Praxis aus? Ein Gedankenexperiment:

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Der Bundeshaushalt 2014 beträgt rund 296,5 Milliarden Euro, dazu kommen die Haushalte der Länder, die zusammen 323,785 Mrd Euro ausmachen, sowie die kommunalen Haushalte, die mit knapp 183,8 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Das sind an Gesamthaushalten zusammen 804,08 Mrd Euro pro Jahr, das sind 2,202 Milliarden Euro am Tag, 91,789 Millionen Euro pro Stunde, 1,5 Millionen Euro pro Minute. Diese große, gierige Maschine muss gefüttert werden, mit unseren Steuergeldern und mit Schulden. Wie viel einfacher wäre es, wenn wir einfach mal drauf los beschlagnahmen und uns das Geld da holen wo es sitzt, bei den fetten Geldsäcken da oben. Wir beginnen bei den Top 100 der reichsten Deutschen, sie können natürlich große Schnitte verkraften, also nehmen wir Ihnen mit einmal 50% ihres Vermögens. Das sind 199,9 Mrd Euro damit bezahlen wir den Staat bis:

Ja, bis zum 01. April um 18 Uhr. Ok, weiter wir haben ja gerade erst angefangen. Es geht ja noch reicher. Nehmen wir das Geld der Top 500 reichsten Deutschen. Das Vermögen der übrigen 400 halbieren wir auch mit einem Federstrich und das bringt uns 105,97 Milliarden Euro. Die Kasse klingelt:

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Nun sie klingelt bis zum 23. Mai um ziemlich genau 17 Uhr. Nein, es hilft nicht, wir müssen sie ganz enteignen, bzw. lassen wir Ihnen den Millionärsstatus, jeder der aus der Top 500 darf eine Millionen behalten, wir holen uns die restlichen 305,37 Mrd Euro und dann wird verprasst!

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Und zwar bis 9 Uhr morgens am 9. Oktober, aber immerhin, wir haben einen gewaltigen Sprung gemacht. Aber wir können noch Kohle rausholen. Diese ganzen Superreichen haben ja auch Unternehmen, gut diese Unternehmen sind jetzt alle größtenteils liquidiert, da wir sie ja soeben von den ganzen Familien beschlagnahmt haben und dann alles Geld sofort ausgegeben haben, aber noch haben wir ja Jahresgewinne aus dem Geschäftsjahr. Holen wir uns doch einfach mal Aldi, der frisch verstorbene Gründer wird’s uns nicht übel nehmen, und beschlagnahmen den ganzen Jahresgewinn aus Deutschland. Damit kommen wir bis:

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… ja genau, dass ist der selbe Kalender, wir haben es nämlich nur bis 14 Uhr am 9. Oktober geschafft, ganze drei Stunden. Ok, wir wollen ja heute mal links sein und deswegen verachten wir ein wenig Leistung. Nehmen wir diese verdammten Bayern, sie gewinnen sich durch die Bundesliga und kriegen dafür Geld sonstwo reingeblasen. Da steckt die Kohle, die wollen wir haben, wir beschlagnahmen also alle Spielergehälter des FC Bayern aus der 1. Mannschaft (dann hat auch vielleicht jemand anderes eine Chance) und verdienen uns so 146 Millionen Euro. Ok machen wir gleich nen guten Schnitt und nehmen uns den Gewinn der FC Bayern München AG (ein Verein sollte eh nicht an die Börse gehen), dass sind … nun ja das sind 16,5 Millionen Euro, drauf geschissen, wir holen uns die AG , die 658 Millionen Euro wert ist und wir sind bei:

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Ja, immer noch am 9. Oktober, nur ist es jetzt 23 Uhr. Wir kleckern noch, es wird Zeit zu klotzen! Und wo kann man klotzen, wenn nicht bei den verdammten Banken in Deutschland, immerhin waren es die gierigen Banken, die uns in den Ruin getrieben haben. Wir schnappen uns den Gesamtgewinn aller Banken in Deutschland und der ist 14,3 Milliarden Euro, endlich wieder etwas mit Milliarden. Der große Sprung nach vorne endet am:

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16. Oktober, um 11 Uhr vormittags. Ok, es kann nicht so schwer sein, wir schwimmen doch in Geld und es steckt doch nur bei den ganzen Großkopferten in Frankfurt, München etc. Also wie machen wirs? Folgendermaßen: Der durchschnittliche Jahreslohn in Deutschland beträgt 31.089 Euro brutto, da wir ja gerade den Staat durch Enteignungen finanzieren müssen wir ja keine Steuern erheben, wir arbeiten also mit brutto. Sagen wir, dass in unserer schönen neuen Welt jedem Deutschen egal ob Rentner oder Säugling genau diese Summe pro Jahr zusteht, alles was man mehr auf dem Konto hat, wird abgeschöpft. Auf deutschen Konten und in deutschen Geldbeuteln sind derzeit rund 2 Billionen Euro, abzüglich der 2,5 Billionen Euro die jedem also pro Jahr zustehen… oh… ja, verdammt, wir müssen eine halbe Billion draufzahlen. Ok, also schnappen wir uns aus den Geldvermögen der Bürger noch ihre Pensionsrückstellungen (sie kriegen ja ihr gerechtes Jahresgehalt vom Staat) in der Höhe von 351 Milliarden Euro und ihre Investmentzertifikate (451 Mrd) und schon haben wir einen Überschuss für den Staat von rund 303 Milliarden Euro.

Endlich, das dürfte reichen, wir haben sogar am 31. Dezember rund 170 Milliarden Euro übrig, um unsere Staatsschulden zu tilgen. Allerdings betragen diese derzeit 2.146.808.326.178 Euro, wenn Sie das hier lesen schon viel mehr. Wir können damit also rund 8% unserer Staatsschulden tilgen.

Und jetzt? Es ist der 1. Januar 2016. Wir haben Firmen, Vermögen, Bankkonten und ein paar Gehälter liquidiert und ihr Geld wieder ausgegeben. Der Staat ist finanziert und jeder Bürger hat sein Durchschnittsgehalt. Weiter? Der Haushalt 2016 muss gemacht werden. Wieder die reichsten 500 enteignen? Geht höchstens noch einmal, dann ist auch die zweite Hälfte weg. Die Bayerngehälter nochmal holen? Ah, nee es kriegt auch da ja jetzt jeder nur noch 31.089 Euro. Noch ein Unternehmen liquidieren, oder die Gewinne holen? Ach so, die die wir nicht liquidiert haben sind ausgewandert. Warum? Weil wir wie wild angefangen haben Firmen zu liquidieren. Gutes Argument.

Naja, vielleicht nehmen wir ja einfach erstmal Schulden auf und kurbeln die Wirtschaft an. Aber immerhin ist alles jetzt viel gerechter.

Fazit: Das ist natürlich nur ein Gedankenexperiment. Es hat seine (Rundungs-)Fehler und ist natürlich unrealistisch. Man sieht aber gut wie sich unser Staatsapparat aufgebläht hat. Wir können beschlagnahmen, das kann eine Zeit gut gehen. Wir können aber auch einfach mal anfangen zu sparen.

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