Kulturmarxismus

Das bisschen Marx an das jeder glaubt

Wenn Sie regelmäßig diesen Blog lesen und dabei wenigstens ab und zu zustimmend nicken, dann werden Sie wahrscheinlich kein Marxist sein. Ich hab nicht viel für Marx, Kommunismus, etc. übrig, das sollte inzwischen klar geworden sein. Allerdings gibt es ein hochinteressantes Element aus den Lehren des großen Philosophen, an das selbst ich noch bis vor wenigen Jahren geglaubt habe. Es ist nicht mal ein unwichtiger Nebengedanke irgendwo auf der letzten Seite von „Das Kapital“, es ist der entscheidende Punkt des ganzen wissenschaftlichen Sozialismus, die Idee auf der die ganze Autorität fußt die Marx noch heute hat. Dennoch sind wir uns nicht darüber bewusst, dass selbst die harten Konservativen, in und außerhalb der Parlamente, dieses Stückchen Marx fest in ihrem Weltbild stecken haben. Wenn das konservativ-liberale Lager Erfolg haben will, muss es sich davon frei machen.

Mir ist es schon passiert, Ihnen vielleicht auch: Man wird bei bestimmten politischen Haltungen als „Ewiggestriger“ bezeichnet. Ewiggestrig ist ein hochinteressanter Begriff. Weder wird an der Intelligenz der beleidigten Person gezweifelt, noch am Inhalt der gemachten Äußerung. Eine Position wird zurückgewiesen, nur weil sie alt ist, von gestern quasi. Ewiggestrig zu sein bedeutet schlichtweg auf Positionen zu beharren, die in der Vergangenheit (egal wie kürzlich) üblich waren, die teilweise sogar als allgemeingültig und völlig rational galten. Eine Idee zurückzuweisen, nur weil sie gestern aber nicht heute vertreten wurde scheint irrational, dennoch wirkt der Begriff. Wer will schon ewiggestrig, rückständig, von gestern, nicht mit der Zeit etc. sein. Doch woher kommt das eigentlich?

Schon vor Karl Marx gab es Sozialisten. Die waren aber eher utopische Fantasten, die wortwörtlich glaubten, dass in der Welt des Sozialismus Vögel gebraten in den offenen Mund fliegen. Dem setzte Karl Marx den wissenschaftlichen Sozialismus entgegen. Auch er glaubte an ein Paradies der Werktätigen, nur ohne Magie und Wunder. Außerdem fand er einen Mechanismus mit dem dies erreicht werden sollte: der historische Materialismus. Nach dieser Geschichtsauffassung sind die Produktion von Gütern, die Verteilung dieser Güter und die Besitzverteilung der Produktionsmittel, aus denen eine Klassengesellschaft bedingt wird, Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Sie ist eine Abfolge von Revolutionen in denen, einfach formuliert, die Arbeiter gegen die Besitzer der Produktionsmittel sind. Von Sklavenaufständen im Mittelalter, bis zu den Arbeiterkämpfen des Industriezeitalters. Diese Abfolge von Revolutionen würde zwangsläufig zum Sozialismus führen, früher oder später. Es ist wichtig zu bemerken, dass dies nicht eine interessante Idee oder Vermutung war, sondern laut Marx ein ehernes Naturgesetz, nicht weniger statisch als die Schwerkraft. Jede Gesellschaft bewegt sich zwangsläufig, wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Hindernissen, unaufhörlich Richtung Sozialismus, ohne Ausnahme.

Glaubt man also an das marxistische Geschichtsbild, dann macht „ewiggestrig“ Sinn. Wenn sich Gesellschaften (aus sozialistischer Sicht) immer von schlechter zu besser bewegen, dann muss eine Idee gut sein, wenn sie neu ist, und schlecht, wenn sie alt ist. Die Ideen von Marx sind dabei zwangsläufig natürlich ausgenommen… Es mag sein, dass man Rückschritte macht, wenn zum Beispiel eine Regierung bewusst sozialistische Reformen zurücknimmt, dann wird kurzfristig der gestrige Sozialismus wieder gut, aber auf lange Sicht schreitet alles voran. „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“, sagte Erich Honecker und er meinte das auch so.

Noch bis ins 19. Jahrhundert sah man das noch größtenteils umgekehrt. Vom Christentum geprägt, dass sein Wissen zwangsläufig aus der Vergangenheit, der Bibel, zog, war alles gut was althergebracht war. Noch bis 1806 konnte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches theoretisch neues Recht nur „finden“, also aus Traditionen und Gebräuchen ableiten, nicht einfach erschaffen. Das hat sich stark geändert. Spätestens nach der 68er Revolution und dem schweren Trauma des zweiten Weltkriegs, wegen dem man sich erstmals der Vergangenheit explizit schämte und sie verdammte, zog das marxistische Geschichtsbild in die Köpfe der Mehrheitsgesellschaft ein. In Kommentaren von Politikern und Journalisten hört man ständig, dass Länder mit der Zeit gehen, oder nun endlich im 21. Jahrhundert angekommen sind, wenn sie zum Beispiel die Homo-Ehe legalisieren. Andere Länder, zum Beispiel Russland, gelten als gesellschaftlich rückständig, manche Regionen, wie zum Beispiel der amerikanische Süden gelten als nahezu mittelalterlich. Wieder keine inhaltliche Kritik, schlichtweg die Verurteilung von Ideen und Ansichten auf Grund ihres Alters.

Man könnte gute Gründe dafür finden alte Ansichten zu verurteilen und das wird auch gemacht. Es gibt zumeist den Verweis auf den Rassismus, die Unfreiheit, Armut, technologische Rückständigkeit und natürlich Gewalt der Vergangenheit. Aber in der Vergangenheit liegen auch Ideen wie die Menschenrechte, klassischer Liberalismus, unbedingte Meinungsfreiheit, die Freihandel, die doppelte Buchführung, die Dreifelderwirtschaft und so weiter und so fort. Genau genommen liegen alle Ideen zwangsläufig in der Vergangenheit. Weist man zum Beispiel den Rassismus zurück weil Opa noch dran glaubt, aber man selbst nicht mehr, dann hat man sich nicht mit ihm auseinandergesetzt und kann ihn deswegen niemandem ausreden, der den marxschen Determinismus nicht teilt.

Aber wir teilen ihn. Er ist heute, implizit, Teil der Gesellschaft. Jede konservative und viele liberale Positionen werden regelmäßig von konservativen und liberalen Parteien fallen gelassen, weil man halt mit der Zeit gehen muss. Man kann heute einfach nicht mehr für die klassische Ehe stehen, für den freien Markt, für Meinungsfreiheit etc., denn das ist nicht mehr zeitgemäß. Man ist vom gesellschaftlichen Fortschritt (der als Naturgewalt akzeptiert wird) überrollt und fügt sich in sein Schicksal. Damit sind die linken Positionen von heute die konservativen Positionen von morgen und der gesellschaftliche Abschaum von übermorgen. Jeden Tag ein kleiner Schritt mehr, man kann sich drauf verlassen, dass die konservativen Kräfte nie mehr als 2-3 Schritte zurück gehen, oder den nächsten Schritt vielleicht nur hinauszögern wollen.

Die richtige Antwort auf „Du bist ewiggestrig“ ist „und?“. Das Argument ist inhaltslos, absolut leer und schwach. Kein Politiker sollte sich von ihm auch nur ansatzweise antreiben lassen. Eine Idee ist gut oder schlecht, weil sie gut oder schlecht ist, gute oder schlechte Ergebnisse hervorbringt bzw. hervorgebracht hat, mit guten oder schlechten Beweisen untermauert wird, etc. aus keinem anderen Grund. Es gibt an sich keinen Grund nicht zu irgendeiner Gesellschaftsordnungen vom Steinzeit-Clan bis zur Spießer-Republik Westdeutschland zurückzukehren, so lange man das Volk davon mit guten Argumenten überzeugen kann. Die Konservativen können zur Wertewelt der Nachkriegszeit zurück, die Liberalen zur Wirtschaftspolitik des Kaiserreiches. Sie können es, wenn sie nur wollen und aufhören zu glauben, dass politische Zeitreisen nicht möglich sind.

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Cultural Studies – Die Konservativen verpassen da was

Es gehört inzwischen innerhalb der konservativen und liberal-libertären Szene schon zum guten Ton von der akademischen Welt unserer Universitäten angewidert zu sein. Seien es die Wirtschaftsfakultäten, die Keynes und Neoklassizismus statt Österreichischer Schule lehren, seien es die nicht enden wollenden Listen an geisteswissenschaftlichen Veranstaltungen zur Kapitalismuskritik und die ganz allgemein linke, sozialistische Haltung der Professoren und Studenten. So wenden wir uns ab. „Think red, write blue“, sagte einmal der amerikanische Ultrakonservative Ben Shapiro, in Anspielung auf die traditionellen Farben der US-Parteien (Rot=Republikaner, Blau=Demokraten). Das soll heißen, dass wir uns gute Noten durch das Nachbeten des ganzen linken Schwachsinns sichern sollen, ohne sie unkritisch zu übernehmen. An dieser Stelle hört leider zu oft der Diskurs über die Rolle der Konservativen und Liberalen in der akademischen Welt auf. Das hat gute Gründe. Die Liberalen zieht es zumeist in die freie Wirtschaft, die sie als Ideal hoch halten, ganz zu Recht. Die Konservativen, die weiter publizieren wollen, zieht es in die Think-Tanks, wo sie zwar nicht mehr die Pfründe einer staatstragenden Ideologie, aber dafür die durchaus ehrenhafte, und in den eigenen Kreisen prestigeträchtige, Rolle des rebellischen Underdogs einnehmen können. Ich halte diesen Ansatz für falsch.

Wie bereits kürzlich in einem Blogpost beschrieben, bescheinigen zahlreiche Meinungsumfragen und besonders die regelmäßigen Shell-Studien, der Jugend ein zunehmend konservatives Weltbild, in dem Familie und traditionelle Werte sehr hoch stehen. Jedes Mal läuft der Universitätswelt ein kalter Schauer über den Rücken, als hätte man dem Volk soeben eine 50% Analphabetenquote bescheinigt. Auf der anderen Seite wundert man sich darüber, dass die konservativen Werte in der Jugend sich kaum über die Universität retten, bzw. sich nicht entsprechend in Wahlergebnissen und politischen Forderungen niederschlagen. Aber das ist selbstverständlich, wenn man die meinungsmachenden Felder der Geisteswissenschaften wie Literatur, Journalismus, Theater, Film, Politik, Lehramt, etc. ständig der Linken überlässt. Warum sollte z.B. ein Literaturstudent, der zuvor aus seinem Umfeld das traditionelle Familienbild kennen und schätzen gelernt hatte, es nicht ernst nehmen, dass ihm gebildete Autoritätsfiguren mit zahlreichen Titeln und Urkunden erklären, dass das alles nur ein soziales Konstrukt ist? Ein Physikstudent der mal in Dokumentationen irgendwas über Atome gehört hat, nimmt es ja auch ernst, wenn ihm sein Professor von neuen, moderneren Theorien erzählt. Aber wir überlassen der rot-rot-grünen Professorenkaste das Feld, in der Hoffnung, dass ihnen irgendwann mal ein Buch oder ein Flyer in die Hand fällt, der sie von unseren Positionen überzeugt. Wie wahrscheinlich ist das?

Dominant bei all dieser Subversion unserer Werte ist das Feld der Kulturstudien, bzw. der Cultural Studies. Das eigentlich sehr löbliche Ziel ist es die Produkte von Kulturen, seien das Romane, Kleidung, Lieder, Gebäude oder ähnliches, auf die darin vorhandenen kulturellen Elemente hin zu untersuchen um so die Kultur besser zu verstehen. Anders als zum Beispiel Landeskunde wird dabei nicht einfach nur beschrieben und Zusammenhänge verdeutlicht, sondern besonders nach der oft versteckten Repräsentation nicht hinterfragter Elemente gesucht. Zum Beispiel würde man bei Rotkäppchen nicht nur herausstellen, dass es sich ursprünglich um eine Warnung an junge Mädchen vor Vergewaltigern handelte, sondern hinterfragen warum eine Gesellschaft davon ausgeht, dass sich diese Warnung nur an Mädchen und nicht auch Jungs richten soll.

Hervorgegangen ist diese Disziplin aus dem Kulturmarxismus, der die Welt auf einem stetigen, unwiderruflichen Weg zum gesellschaftlichen Paradies sieht. Die Studien sollten dabei helfen im Weg liegenden Hindernisse (wie Klassensystem, Religion, Familie) in ihren Verstecken in der Kultur zu identifizieren und somit leichter auszumerzen. Ein modernes Beispiel ist der wiederholte, krampfhafte und, Gott sei Dank, erfolglose Versuch aus Ernie und Bert ein Schwulenpaar zu machen. Mit der Zeit brachten die, ebenfalls teils auf den Kulturmarxisums rückführbaren, Post-Strukturalisten eine Änderung. Man lehnte den marxschen Determinismus ab und setzte sich das Ziel die Kulturen ganz allgemein auf ihre versteckten Annahmen hin zu untersuchen. Dies führte einerseits zu einem extremen Relativismus, in dem es nicht nur kein Richtig oder Falsch, kein Normal oder Unnormal gab, sondern auch überhaupt keine Wahrheiten, wie zum Beispiel den Zusammenhang von Chromosomen und Geschlecht. Andererseits zur etwas moderateren Analyse von dominanten Kulturen (was als normal gilt) und entweder überkommenen und verschwindenden Kulturen (das Alte, z.B. das Ständesystem) oder neuen, aufsteigenden Kulturen (das Neue, z.B. die Ehe für alle).

So akademisch das noch teilweise klingen mag, auch unter den Moderaten, die sich bewusst vom Marxismus distanzieren, gibt es eine enorme Betriebsblindheit. Man weigert sich strikt anzuerkennen, dass sich unsere Kultur inzwischen grundlegend verschoben hat. Zum Beispiel werden die alljährlich tausendfach stattfindenden CSD-Paraden darauf untersucht, wie sie teils subtil, teils sehr offen, etablierte Ideen über Heterosexualität konterkarieren. Das mag ja noch Sinn machen. Aber zugleich scheint es niemandem in den Sinn zu kommen zu hinterfragen, ob das noch die „neue“ Minderheitenkultur ist, die sich gegen den Mainstream behaupten muss, wenn diese Paraden ohne Übergriffe, Behinderungen, oder Verbote auskommen, wenn von offiziellen Fahnenmasten dazu die Regenbogenfahne weht, wenn jede Kritik an der öffentlichen zur Schau Stellung von nackten Körpern und sexuellen Handlungen im Keim und mit enormer Rufschädigung erstickt  wird. Es ist so, als ob sich seit den 68ern, die die Kulturstudien in ihre heutige Position katapultiert haben, nichts in der Gesellschaft geändert hätte. Es ist weiterhin das dominierende Patriarchat gegen den Feminismus, der schon fast als Untergrundbewegung klassifiziert wird. Es ist die verklemmte Heterosexualität gegen die Schwulenbewegung. Es ist die Horde von Salon- und Glatzennazis, gegen alle und jeden ohne 5 Generationen arische Abstammung.
Lady Gaga hat inzwischen ihre eigene Sparte, die tatsächlich „Gaga-Feminismus“ heißt und sich mit den (eigentlich kein bisschen) subtilen Botschaften in ihren Texten und Videos befasst, ohne darauf einzugehen, dass ihr diese Bühne kalkuliert von den dominanten Meinungsmachern in der Musik- und Fernsehbranche, sowie dem Journalismus, inzwischen auch der Politik, bereit gestellt wird.
Kein Lehrbuch, keine Vorlesung, keine Publikation zur Verschiebung in den Werten unserer Gesellschaft.

Diese Kulturstudien dienen nicht mehr der berechtigten Kritik an Unhinterfragtem, sie dienen dem radikalen Verbot jeder Hinterfragung eines bestehenden Systems von Annahmen über unsere Kultur und geben denen, die ihre Politik damit stützen das Feigenblatt der Zustimmung der Hofgelehrten. Es ist keine Revolution, nichts relevantes für unsere Gesellschaft von dieser Disziplin zu erwarten, so lange sie politisch so einseitig dominiert ist. Und so wenden sich die Konservativen verständlicherweise ab, angewidert von dem rot-rot-grünen Muff unter den Talaren. Jedoch verpassen sie damit eine historische Chance. Viele Studenten interessieren sich sehr für dieses Thema, es ist ja auch spannend und man kann sein Staatsexamen über ein Musikvideo oder eine Cornflakes-Werbung schreiben. Viele Dozenten sind an sich keine Marxisten und durchaus offen für radikal neue Ansätze. Ironischerweise haben sie aber eben die unhinterfragte Annahme ihres kleinen akademischen Kulturkreises, die ihnen im Weg steht. Ein konservativer Gegenentwurf in diesem Gebiet, außerhalb von obskuren Akademien und Verlagen, direkt in den Universitäten ist noch möglich. Die meisten dieser Fakultäten befinden sich in dieser Hinsicht noch im Aufbau. Es wäre weiß Gott kein leichter Weg. Aber wer den leichten Weg sucht und sich Widerständen geschlagen gibt, der kann ja zur CDU.

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Die Homo-Ehe – eine Machtdemonstration

Man konnte es wirklich nicht übersehen. In den USA ist die Homo-Ehe vom Verfassungsgericht legalisiert worden. Die Reaktionen aus der ganzen westlichen Welt waren enorm. Auf Facebook kann man sein Profilbild mit einem Regenbogenfilter ausstatten, das weiße Haus war in Regenbogenfarben angestrahlt, die Facebookseite des Freistaates Thüringen hat ihr Wappen mit Regenbogenfarben unterlegt und während ich hier tippe hat mir auch WordPress ungefragt ein Regenbogenbanner an die Spitze der Seite gesetzt. Es scheint als feiert die Welt. Analysiert man diese Ereignisse etwas näher sind sie doch nichts als die erschreckende Machtdemonstration einer Elite, die viel mehr ändert als die Ehe, und das Hinterherhecheln nützlicher Idioten.

 

Stellen wir zunächst eines klar: Die Homo-Ehe ist kein Sieg für die Freiheit, sondern für die Gleichheit. Die rechtliche Gleichstellung ist vergleichbar mit der Ausweitung des Mindestlohns von bestimmten Berufsgruppen auf alle Arbeitnehmer. Das Privileg vom Staat als Paar anerkannt zu werden, entsprechende Steuervorteile und so weiter zu erhalten ist an sich freiheitsfeindlich. Tatsächlich handelt es sich bei zum Beispiel den Steuervorteilen um die gezielte Beeinflussung der Lebensplanung der Bürger, in diesem Fall um sie in die staatlich gewünschte Lebensform der Ehe zu bringen. Da die Ehe in unserer Kultur zu Recht als etwas Positives angesehen wird, gibt es dagegen keinen Widerspruch. Dreht man die Sache im Kopf um und denkt sich Steuervorteile für Alleinstehende, wird man sich der Problematik bewusst. Dieses Privileg nun auf eine weitere Gruppe auszuweiten, ist kein Sieg für die Freiheit. Der tatsächliche Sieg ist schon länger her, er war die Dekriminalisierung der Homosexualität.

Was hier eigentlich passiert ist die totale Änderung unserer Normen. Die Homoehe mag in dem Fall noch relativ unkontrovers sein, zumindest in den letzten Jahren, aber sie ist einer von vielen Schritten. Und diese Schritte werden nicht zufällig gemacht. Grundlage ist das „progressive“ Denken, das in Deutschland seit dem frühen 20. Jahrhundert existiert, aber erst in der 68er Kulturrevolution wirklich in den Mainstream gelangte. Unwissenschaftlich wird hier, ursprünglich ausgehend vom Geschichtsbild Karl Marx‘, ein deterministisches Weltbild postuliert, in dem die Gesellschaft sich permanent und fortschrittlich vom Schlechten zum Guten wendet. Zum Beispiel hielt man früher Sklaven, heute nicht mehr. Retrospektiv mag so eine Ansicht durchaus Sinn machen, wenn man einen bestimmten Sachverhalt wie die Sklaverei über die Geschichte hinweg betrachtet. In dieser, kulturmarxistischen, Ansicht aber ist dies ein ehernes Naturgesetz. Die Menschheit entwickelt ihre Gesellschaft stetig gerechter, früher war alles ungerechter usw. Dies wird selten offen so formuliert, es steckt aber subtil in unserer Kultur. So bezeichnet man Leute mit unbequemen Ansichten nicht selten als „ewig-gestrig“ und diskreditiert damit eine Idee ausschließlich auf Grund der Tatsache, dass früher so gedacht wurde, heute nicht mehr.

Diese Art zu denken und vor allem zu argumentieren ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug für jeden, der an den fundamentalen Werten der Gesellschaft rütteln will. Da diese Werte ja per Definition schon lange gelten, wird ihre Erodierung oder Abschaffung automatisch als das Neue, deswegen Bessere verkaufbar. Warum sollte aber jemand an eben diesen Werten rütteln wollen? Nun es gibt viele Gründe, gute oder schlechte. Schaut man aber auf jene, die hier die Homo-Ehe fördern und fordern, ergibt sich ein fatales Bild. Es handelt sich, schon von Beginn an, um eine Bewegung linker, sozialistischer Gruppen und Individuen, wie sie in der aktuellen Generation der SPD, aber vor allem bei den Grünen und der Linkspartei zu finden sind. Und sie sind nicht nur Politiker, sie sind vor allem auch Journalisten, Professoren, zuweilen Pfarrer. Meinungsbildende Leute. Das geistige Umfeld in dem sie existieren und aus dem sie ihre Ideen ziehen, das steht in der Tradition von 1968, auch wenn die meisten nicht selbst aktive 68er waren. Dieses Denken wiederum entstammt der Frankfurter Schule, einer marxistischen Denkfabrik. Ihr wohl größter Beitrag zur heutigen Kultur ist der Kulturmarxismus. Ausgehend von der frustrierenden Erkenntnis, dass die Arbeiter und Bauern im 1. Weltkrieg lieber ihre Nation gewählt und aufeinander geschossen haben, anstatt sich im Klassenbewusstsein zu erheben und auf die Herrscher und Kapitalisten zu schießen, analysierten sie die Grundlagen für die westliche Aversion gegen den Kommunismus. Ihr Befund: Die Menschen brauchen die Versprechungen des Sozialismus nicht, weil es ihnen zu gut geht. Sie haben volle Märkte, stabile Häuser und vor allem ein Wertesystem (Disziplin, Tradition, Glaube, Familie, Nation etc.), dass dem Sozialismus zu stark entgegensteht. Es muss also zunächst dieses Wertesystem zerstört oder stark geschwächt sein.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Sozialisten sich Themen wie der Homo-Ehe verschrieben haben, genauso wie es kein Zufall ist, dass sie sich auch in Richtung der Legalisierung von Pädophilie bewegen. Wenn Politiker, wie zum Beispiel Hillary Clinton sagen, dass man das ganze Dorf braucht um ein Kind zu erziehen, und heute Politiker eine Ganztagsbetreuung von frühester Kindheit fordern, dann zerstören sie damit Stück für Stück die Idee der traditionellen Familie, in der die Kinder ihre Werte von den Eltern erhalten. Dies produziert nämlich zu viele verschiedene Ideologien. Ist der Staat die prägende Figur in der Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen, dann schafft er einerseits ein relativ uniformes Meinungsbild und andererseits hat er die Möglichkeit jede Ideologie zu propagieren, die er für richtig hält. Damit dies möglich ist, muss die traditionelle Familie ein geschwächter oder toter Wert sein. Ist der gesamtgesellschaftliche Konsens tatsächlich oder augenscheinlich so, dass die Familie nicht zwingend der einzig wahre Ort für ein Kind ist (weil Mutti arbeiten soll, weil so viele Ehen geschieden werden, weil da Missbrauch droht etc.), dann werden solche Maßnahmen toleriert und das ist bei uns schon weit fortgeschritten. Und damit kommen wir zur Homo-Ehe, einer von vielen Ideen, die für sich genommen vielleicht harmlos wirken, aber große Auswirkungen haben können. In diesem Fall wird der Begriff der Ehe entleert, er wird ein Stück beliebiger, er verliert an Wert. Ist das eine große sozialistische Verschwörung? Sicher nicht, die Träger dieser Ideologie werden nur in den seltensten Fällen bewusst so handeln. Vielmehr ist es den ursprünglichen Denkern, vornehmlich der Frankfurter Schule, dank des Marsches durch die Institutionen gelungen ihr Gedankengut zum selbstverständlichen Kanon zunächst linken und dann allgemeinen Denkens zu machen. Es gibt katholische Nonnen, die ihren Glauben stärker hinterfragen als Linke ihre Ideologie.

Die Reaktionen auf die Homo-Ehe in den USA ist bezeichnend. Die Welt scheint zu feiern als wäre bis gestern Homosexualität noch mit der Todesstrafe belegt gewesen. Der einmalige Vorgang, dass das Weiße Haus in Regenbogenfarben angestrahlt ist etc., dass zahlreiche Kommentarspalten in Zeitungen nicht etwa die Homo-Ehe an sich, sondern die erwartete Frustration der „bigotten Homophoben“ feiern, ist eine öffentliche Machtdemonstration. Die Machtdemonstration einer, vornehmlich linken, Elite, die klar gestellt hat, dass sie die Macht haben Normen, Werte und Moral selbst zu ändern, und die seit heute den perfekten Präzedenzfall für jede weitere Aushöhlung traditioneller Werte hat. Der Progressivismus gibt ihnen das Feigenblatt, dank dem man nicht einmal mehr fragen muss warum man solche Entscheidungen anstrebt wie die Homo-Ehe. Es wird für selbstverständlich hingenommen, als gäbe es irgendwo eine große Liste mit den Ungerechtigkeiten der Welt, die auf dem Weg zum Paradies abgeschafft werden müssen. Die Erkenntnis, dass es diese Liste nicht gibt wirft automatisch die Frage auf wer wann wo und vor allem warum es anstrebt und vor allem so feiert. Wenn wir uns das gefallen lassen, wird es nicht der letzte Sieg sein.