Kultur

White Privilege – Rassisten an meiner Uni

Manchmal fällt mir Wochen lang kein interessantes Thema zum Schreiben ein, dann  5 gleichzeitig 5 vor die Füße. Dieses Mal hing mir ein Thema vor der Nase. Ich lief durch die Anglistik meiner Universität, betrachtete die „Love trumps hate“ Sticker und sonstigen politischen Äußerungen auf den Türen der Professoren, bis ich an einer Tür stehen blieb. In einem braunen Umschlag mit der Markierung „zum mitnehmen“ hingen dort zusammengetackert immer zwei Seiten mit der Überschrift „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“, übersetzt „Weiße Privilegien: den unsichtbaren Beutel entpacken“.  [Anm.: Alle Übersetzungen von mir, der Originaltext kann hier eingesehen werden]
Der Text beginnt schonmal interessant „Mir wurde beigebracht Rassismus nur als individuelle, gemeine Handlungen zu sehen, nicht als unsichtbares System, dass meiner Gruppe Dominanz überträgt.“ Dieses einleitende Zitat im Text ist entscheidend für das Selbstbild der Selbstgeißler. Denn wenn es tatsächlich darauf ankäme was Menschen tatsächlich tun und sagen, dann müsste man die westliche Welt und ihre Einwohner mit wenigen Ausnahmen vom Rassismus freisprechen. Nicht nur gibt es Gesetze für die Gleichberechtigung, es gibt eine Bürgerinitiative nach der anderen, Vereine, etc. Die Zahl derer die tatsächlich denken, dass jemand auf Grund z.B. seiner Hautfarbe unterdrückt oder benachteiligt werden sollte ist schon sehr gering, diejenigen die auch noch danach handeln noch viel niedriger, ganz abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen die dafür drohen. Wie kann also jemand wie Peggy McIntosh (die Autorin des Textes, übrigens weiß) der Welt glaubhaft erklären, dass sie in ihrer sicherlich gut bezahlten Stelle als Direktorin des Wellesley Collage Center for Research on Women nicht gegen Windmühlen, sondern gegen tatsächlichen Rassismus kämpft? Der Rassismus kommt von einem „unsichtbaren“ System. Das ist praktisch. Es ist unsichtbar, man kann es nicht festnageln, es hat keine definierten Grenzen. Löst man Problem X, selbst nach den Vorgaben von Frau McIntosh persönlich, kann sie ohne Probleme ein neues Problem Y herbeifantasieren um ihre Wichtigkeit erneut zu bestätigen. Wer ihr widerspricht, der sieht das unsichtbare System einfach nicht so gut wie sie und ist schlimmstenfalls ein Rassist.

Ich habe mich entschieden alle 50 Beispiele des täglichen „White Privileges“ einzeln zu betrachten und zu beantworten. Nicht nur sie selbst, sondern das Grunddenken dahinter sind brandgefährlich und man muss es kennen:

  1. „Wenn ich will kann ich es meistens arrangieren in einer Gruppe zu sein die aus Mitgliedern meiner Rasse besteht.“ Ok… und wenn nicht? Ehrlich, was wenn man es eben nicht arrangieren kann? Das ist ja allein schon auf Grund statistischer Wahrscheinlichkeit der Fall, wenn man eben einer Minderheit angehört. Und wieso ist das White Privilege? Es könnte ja genauso jemand sich darüber beschweren, dass er als einer der letzten Weißen in Harlem keine weiße Gruppe findet. Nein, problematisch wird das nur, wenn man schon davon ausgeht, dass es für Nicht-Weiße unsicher oder unangenehm ist in einer weißen Gruppe zu sein, doch das ist hier ja überhaupt erst zu beweisen. Zirkelschluss.
  2. „Ich kann es vermeiden Zeit mit Menschen zu verbringen, zu denen mir Misstrauen anerzogen wurde und die gelernt haben mir oder meiner „Art“ zu misstrauen.“ Wie bitte? Misstrauen gegenüber Fremden und Leuten die anders aussehen als die Vertrauten, also vor allem Familie und Nachbarn, ist nichts was man anerziehen muss. Im Gegenteil, es steckt im Menschen und muss aberzogen werden, im Westen ist das mit einigem Erfolg geschehen. Wo bitte wird gelehrt einander zu misstrauen? In welcher Welt lebt Peggy McIntosh? Die einzigen die Misstrauen lehren sind die, die Minderheiten beibringen, dass die Weißen für alle ihre Probleme verantwortlich seien.
  3. „Wenn ich umziehen muss, kann ich ziemlich sicher sein Wohnraum in einem Gebiet zu mieten oder zu kaufen, dass ich mir leisten kann und in dem ich leben möchte.“ Kein westliches Land erlaubt Diskriminierung auf Grund der Herkunft bei der Wohnungssuche. Außerdem setzt dieses Beispiel voraus, dass die unsichtbaren rassistischen Systeme der einzige Grund sind, warum ein Nicht-Weißer nicht die Wohnung kriegen kann die er will.
  4. „Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass die Nachbarn dort mir neutral oder wohlwollend gegenüber stehen.“ Nein kannst du nicht, kann niemand, weiß, schwarz, gelb, grün, orange.
  5. „Ich kann fast immer alleine Einkaufen gehen, mit der Sicherheit dass mich niemand belästigt oder mir folgt.“ Dies ist eine Anspielung auf das Klischee, dass Ladenbesitzer und -detektive vor allem Schwarzen Kunden folgen, weil sie glauben, dass diese klauen. Das mag stimmen, vor allem in den USA, gilt aber auch zum Beispiel für Jugendliche aller Art. Beide Gruppen sind statistisch gesehen häufiger Diebe als andere. Das lasse ich also als Vorurteil gelten, von mir aus auch als Rassismus.
  6. „Ich kann das Fernsehen anmachen oder eine Titelseite ansehen und Menschen meiner Rasse mehrheitlich repräsentiert sehen.“ Buhuuuu. Heul leise. Ganz ehrlich, wenn jemand ein so fragiles Weltbild hat, dass die Tatsache, dass in einem mehrheitlich weißen Land (in Deutschland rund 90%) mehrheitlich weiße Menschen dargestellt sind, ein tatsächliches Problem darstellt, dann ist dem nicht mehr zu helfen. Genauso gut könnte ich argumentieren Opfer des Sexismus zu sein, weil ich mehrheitlich Frauen auf Magazincovern sehe.
  7. „Wenn ich etwas über unser nationales Erbe oder über Zivilisation höre, wird mir gezeigt, dass Menschen meiner Farbe es zu dem gemacht haben was es ist.“ Ja, weil es so ist. Es gab Zeiten in denen man nicht mal daran gedacht hat die Beiträge Nicht-Weißer zur Geschichte der westlichen Zivilisation zu würdigen. Das ist schon seit Jahrzehnten anders. Ein Blick in ein heutiges Geschichtsschulbuch beweist dies. Aber abgesehen davon, die Geschichte Europas wurde nun einmal fast ausschließlich von Weißen gemacht, weil es bis vor sehr kurzem eben fast nur sie dort gab. Die Geschichte der USA (von wo Peggy McIntosh ja schreibt) ist eben eine Geschichte des Staates den weiße Einwanderer geschaffen haben und auch dort findet sich im heutigen Geschichtsunterricht viel über die Beiträge der Nicht-Weißen.
  8. „Ich kann mir sicher sein, dass meine Kinder Unterrichtsmaterial erhalten, dass die Existenz ihrer Rasse bezeugt.“ Die Existenz ihrer Rasse bezeugt… bezeugt!!! Ich weiß gar nicht was ich dazu schreiben soll. Glauben Minderheiten nicht, dass ihre Rasse existiert bis Weiße ihnen Kursmaterial darüber vorlegen?
  9. „Wenn ich will, finde ich mit großer Sicherheit einen Verleger für diesen Text über White Privilege.“ Ja, der Verleger den du lieb Peggy McIntosh gefunden hast, war das Institut dessen Direktor du bist. Du hast dich also selbst verlegt. Woher willst du also wissen wie leicht oder schwer es wäre? Oder wollte es sonst keiner, obwohl du eine Weiße bist? So oder so, Schwachsinnsargument.
  10. „Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass meine Stimme in einer Gruppe gehört wird, in der ich der einzige Vertreter meiner Rasse bin.“ Wer einer Minderheit angehört hat in unserer Gesellschaft sogar eine sehr erhöhte Chance seiner Stimme Gehör zu verschaffen, eben als die andere Perspektive. Aber selbst dann stellt sich die Frage ob es überhaupt eine neue Perspektive in die Diskussion bringt, bzw. ob man überhaupt eine andere Stimme hat, nur weil man einer anderen Rasse angehört.
  11. „Ich kann es locker nehmen ob ich jemandem zuhöre der in einer Gruppe der einzige Vertreter seiner Rasse ist.“ Wenn man schon mal in einer Gruppe ist, sollte man jedem zuhören. Warum sollte es von der Hautfarbe abhängen ob man anderen zuhört?
  12. „Ich kann in einen Musikladen gehen und die Musik meiner Rasse repräsentiert finden, in einen Supermarkt und die Hauptnahrungsmittel finden die zu meinen kulturellen Traditionen passen und in einen Friseursalon und dort jemanden finden der meine Haare schneiden kann.“ Zum Musikladen nur ein Wort: Rap! Zum Supermarkt und zum Friseursalon: Wer in einem Land in einer kleinen Minderheit ist und erwartet die eigenen kulturellen Eigenheiten überall genauso zu finden wie die der Mehrheit, der hält sich selbst wohl für ganz schön wichtig. ich wüsste allein in meiner Stadt sofort aus dem Kopf mehrere Adressen für afrikanische Frisuren, asiatisches Essen, etc.
  13. „Egal ob ich per Scheck, Kreditkarte oder bar bezahle, ich kann mich darauf verlassen, dass meine Hautfarbe keinen Einfluss darauf hat wie finanziell zuverlässig ich wirke.“ Erstens: Wer benutzt noch Schecks? Zweitens: Ok, die Hautfarbe sollte keine Rolle spielen. Aber tut sie es? Statistisch gesehen sind Angehörige von Minderheiten ärmer als die Mehrheitsbevölkerung, mit einigen Ausnahmen (zum Beispiel Asiaten). Der Rückschluss mag also ein Vorurteil sein, aber mit welchen Konsequenzen? Wenn ich jemanden als Kunde möchte, bleibt mir nur abzuwarten ob die Kreditkarte angenommen wird oder nicht. Wer sich mit Schecks bezahlen lässt ist selbst schuld.
  14. „Ich kann meine Kinder meistens von Leuten fern halten die sie vielleicht nicht mögen.“ Wenn wir diesen Satz unter dem rassistischen Licht betrachten suggeriert er also, dass Minderheitenkinder häufig nicht gemocht werden. Doch das wäre überhaupt irgendwie mal zu begründen und wenn es explizit gegen Weiße gemünzt ist, müsste begründet werden warum es nicht auch andersrum so ist.
  15. „Ich muss meinen Kindern nicht beibringen, dass sie sich für ihre tägliche physische Sicherheit systematischem Rassismus bewusst sein müssen.“ Wenn ich Kindern eintrichtere, dass ihnen überall Gefahr droht, werden sie auch überall Gefahr sehen. Die Abwesenheit tatsächlicher Schäden für die Kinder kann ich dann dadurch erklären, dass sie gut aufgepasst haben. Grundsätzlich ist das sowieso ein Zirkelschluss: Ein Beispiel für White Privilege ist, dass ich meine Kinder davor warnen muss.
  16. „Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass die Lehrer und Arbeitgeber meiner Kinder sie tolerieren werden, wenn sie sich den Schul- und Arbeitsplatz normen anpassen; meine Hauptsorgen beziehen sich nicht auf die Einstellung anderer zu ihrer Rasse.“ Wer sich den Normen anpasst, egal welche Farbe, wird auch keine Probleme kriegen. Gegen die seltenen Ausnahmen gibt es Gesetze. Bestenfalls dient dieser Punkt dazu jede Konsequenz für ein Verhaltens- und Anpassungsproblem von Mitgliedern einer Minderheit mit Rassismus zu verteufeln.
  17. „Ich kann mit vollem Mund sprechen und niemand erklärt es mit meiner Hautfarbe.“ Was?
  18. „Ich kann fluchen, mir Second-Hand Kleidung anziehen, Briefe nicht beantworten, ohne dass Menschen diese Entscheidung auf die schlechte Moral, Armut oder Ungebildetheit meiner Rasse zurückführen.“ Fluchen und Briefe nicht beantworten ist unhöflich, das dürfen auch Weiße nicht. Wer zum Beispiel mit bestimmtem Dialekt spricht wird auch in einer Mehrheitsgesellschaft abgestempelt. Als Unterschicht oder White Trash und assoziierte Menschen haben dann die Folgen der Vorurteile zu spüren. Nicht zwingend Rassismus.
  19. „Ich kann öffentlich zu einer mächtigen männlichen Gruppe sprechen, ohne meine Rasse quasi auf den Prüfstand zu stellen.“ Warum ausgerechnet eine männliche Gruppe? Wer glaubt, dass er seine komplette Rasse in einer solchen Situation repräsentiert, dem unterstelle ich Narzismus.
  20. „Ich kann eine herausfordernde Situation gut meistern, ohne ein gutes Beispiel für meine Rasse genannt zu werden.“ Also das ist ein Erste-Welt-Problem wie aus dem Lehrbuch, aber ignorieren wir das mal. In der Tat würde ich diesem Argument zustimmen. Man muss nur mal ein Spiel der Nationalmannschaft sehen und schon wird bei jedem Migrationshintergrund nach dem Tor genau dies herausgestellt. Wir Weißen sind schon sehr privilegiert das nicht zu haben.
  21. „Ich werde nie darum gebeten für alle Menschen meiner Rasse zu sprechen.“ Nein, ich werde nur gebeten mich für alles was jemals Menschen meiner Rasse gemacht haben außerordentlich schuldig zu fühlen.
  22. „Ich kann völlig unwissend bezüglich der Kulturen und Sprachen von Menschen mit anderer Hautfarbe sein, auch wenn diese die Mehrheit der Weltbevölkerung ausmachen, und in meiner Kultur keine negativen Folgen davon spüren.“ Die Erde ist nicht eine große Uni oder ein Center for Research on Women. Die allermeisten Menschen auf der Welt, jeder Kultur, jeder Sprache, kennen sich nicht mit den anderen Kulturen der Welt aus. Sie haben besseres zu tun.
  23. „Ich kann unsere Regierung kritisieren und sagen wie sehr ich mich vor ihrer Politik fürchte, ohne als kultureller Außenseiter gesehen zu werden.“ Wer Angst vor der Regierung hat und nicht weiß ist, wird als kultureller Außenseiter gesehen… ähm ja. Ich lass das mal so stehen.
  24. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich, wenn ich den Manager verlange, jemanden mit meiner eigenen Hautfarbe sehen werde.“ Und wenn nicht?
  25. „Wenn mich ein Verkehrspolizist anhält, oder die Steuerbehörde mich überprüft, kann ich mir sicher sein, dass ich nicht wegen meiner Rasse ausgewählt wurde.“ Wenn man tatsächlich deswegen ausgewählt wird, ist das Rassismus, unbestritten. Aber wenn einem so etwas passiert, heißt es nicht, dass es aus rassistischen Gründen sein muss. Wer denkt wie die Autorin, wird sich aber immer deshalb verfolgt fühlen.
  26. „Ich kann einfach Poster, Postkarten, Bilderbücher, Grußkarten, Puppen, Spielzeug, und Kindermagazine kaufen, die Menschen meiner Rasse zeigen.“ Und wenn nicht? Wenn man das als etwas positives voraussetzt, dann darf man es eigentlich den Firmen nicht übel nehmen wenn sie für die deutliche Mehrheit produzieren, das ist wirtschaftlich. Ich bin mir sicher, dass es in mehrheitlich z.B. schwarzen Ländern anders aussieht.
  27. „Ich kann zu den Treffen der meisten Organisationen gehen in denen ich Mitglied bin und mich eingespannt eher als ausgeschlossen, fehl am Platz, ungehört, auf Abstand gehalten oder gefürchtet fühlen.“ Fühlen ist hier das Schlüsselwort. Man wird nicht ausgeschlossen, man fühlt sich ausgeschlossen. Komplett das Problem von dem der sich so fühlt.
  28. „Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass ein Streit mit einem Kollegen einer anderen Rasse eher seine Fortschrittschancen als meine in Gefahr bringt.“ Nein kann ich nicht.
  29. „Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass ich, wenn ich für die Beförderung eines angehörigen einer anderen Rasse argumentiere, oder für ein Programm dass sich auf seine Rasse konzentriert, wird das wahrscheinlich für mich keine schweren Nachteile haben, selbst wenn meine Kollegen mir nicht zustimmen.“ Ähm… nein ich kann mir über den Ausgang dieses sehr spezifischen Szenarios nicht sicher sein.
  30. „Wenn ich erkläre, dass es sich um rassische Angelegenheit handelt oder nicht, wird meine Rasse dieser Einschätzung mehr Gewicht verleihen als der Einschätzung einer Person mit anderer Hautfarbe.“ Das heißt, dass die Autorin wirklich glaubt, dass wenn eine Schwarze sagt, dass hier Rassismus vorliegt und ein Weißer sagt, dass das nicht der Fall ist, alle einfach nicken und nach Hause gehen.
  31. „Ich kann die Entwicklungen in der Minderheitenliteratur und dem Minderheitenaktivismus ignorieren, verächtlich machen, oder von ihnen lernen, aber in jedem Fall bin ich von negativen Konsequenzen dieser Entscheidungen geschützt.“ Nein, das trifft auf jeden zu, der kein Geisteswissenschaftler mit diesem Schwerpunkt ist. Außerdem würde ich gerne mal wissen wissen welche negativen Konsequenzen sich für Minderheiten daraus ergeben Minderheitenliteratur zu ignorieren. Hier merkt man die akademische Blase in der die Autorin lebt.
  32. „Meine Kultur macht mir wenig Angst davor die Perspektiven und Macht von Menschen anderer Rassen zu ignorieren.“ Siehe meine Antwort zu Nr. 22.
  33. „Man macht mich nicht direkt darauf aufmerksam, dass meine Körperform, Haltung oder Körpergeruch als durch meine Rasse bedingt gelten.“ Was? Wenn ich nur von Mitgliedern meiner Gruppe umgeben bin vielleicht. Aber wenn Weiße auf Nicht-Weiße treffen wird immer nur auf die anderen so hingewiesen?
  34. „Ich kann mich über Rassismus sorgen, ohne als selbstsüchtig zu wirken.“ Wer sich um das Wohlergehen der eigenen Gruppe sorgt, sorgt sich damit auch automatisch um das eigene. Aber Peggy McIntosh unterstelle ich den Eigennutz sehr wohl, auch wenn es gegen ihre Gruppe geht. Ihr Lehrstuhl will ja legitimiert bleiben.
  35. „Ich kann einen Job als Gleichstellungsbeauftragte/r kriegen, ohne dass meine Kollegen denken, dass ich den Job wegen meiner Rasse gekriegt habe.“ Bei einem Beruf der sich ganz explizit mit Rasse, Geschlecht, etc. befasst wird man solche Vorurteile nicht vermeiden können. Wieder mal Mimimi auf hohem Niveau.
  36. „Wenn mein Tag, meine Woche, mein Jahr schlecht läuft, muss ich mich nicht bei jeder negativen Episode fragen ob sie rassistische Untertöne hatte.“ Wer sich erst noch fragen muss, ob ihm Rassismus wiederfahren ist, dem ist kein Rassismus wiederfahren.
  37. „Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass ich Leute finde die willens sind mit mir zu sprechen und mich zu weiteren beruflichen Schritten beraten.“ Ja, bekannterweise steht sowas nur Weißen zur Verfügung…
  38. „Ich kann über viele Optionen, gesellschaftlich, politisch, imaginär und beruflich nachdenken, ohne mich zu fragen ob eine Person meiner Rasse angenommen werden oder eine Erlaubnis erhalten würde.“ Gegen Diskriminierung bei der Einstellung oder der Genehmigung von Lizenzen, Erlaubnissen, Scheinen, etc. gibt es Gesetze. Angesichts der Tatsache, dass es Frauenquoten schon gibt und Minderheitenquoten gefordert werden, muss man sich die Frage als weißer Mann vielleicht bald wirklich stellen.
  39. „Ich kann zu spät zu einem Meeting kommen, ohne dass dies auf meine Rasse zurückgeführt wird.“ Und wenn man pünktlich kommt gilt man wahrscheinlich wieder als gutes Beispiel für seine Rasse und wird herausgestellt. Man kann nicht gewinnen. Wie wäre es damit nicht zu spät zu kommen?
  40. „Ich kann öffentliche Wohnräume beanspruchen, ohne die Angst, dass meine Rasse nicht reingelassen oder dort misshandelt wird.“ Und wieder „Angst“. Angst kann auch irrational sein. Würde man „die Angst“ aus dem Satz nehmen, wäre das eine berechtigte Sorge. Die Sorge darüber, dass man Angst hat ist nichtssagend, denn die kann völlig unbegründet sein. Das Problem liegt beim Ängstlichen.
  41. Ich kann sicher sein, dass, wenn ich rechtliche oder medizinische Hilfe benötige, meine Rasse nicht gegen mich arbeitet.“ Das kann niemand. Und soweit ich noch verstehen kann, dass man möglicherweise an einen Richter oder Anwalt mit rassistischen Ansichten gerät, wie wahrscheinlich ist es, dass einem medizinische Hilfe verweigert wird?
  42. „Ich kann meine Aktivitäten so arrangieren, dass ich mich niemals wegen meiner Rasse zurückgewiesen fühle.“ Ergo: Wenn ich mein Leben nicht ohne jede Form von Zurückweisung führen kann, bin ich unterdrückt.
  43. „Wenn ich als Anführer eine geringe Glaubwürdigkeit habe, dann kann ich mir sicher sein, dass meine Rasse nicht das Problem ist.“ Kann ich mir da wirklich immer sicher sein? Obama mochte ich nicht wegen seiner Politik, entgegengehalten wurde mir nur, dass ich Rassist sei. Also würde ich es so umformulieren: Ich habe nie die Ausrede, dass meine Unbeliebtheit nur Rassismus sei. White Privilege.
  44. „Ich kann einfach akademische Kurse und Institutionen finden, die nur meiner Rasse Aufmerksamkeit schenken.“ Ich wüsste nicht eine akademische Einrichtung, die nur einer Rasse Aufmerksamkeit schenkt. Ich wüsste einige Kurse, die explizit nur einer Rasse Aufmerksamkeit schenken, zum Beispiel wenn es um bestimmte Literatur geht.
  45. „Ich kann erwarten, dass bildliche Sprache und Bilder in jedweder Kunst den Erfahrungen meiner Rasse entspricht.“ Jedweder Kunst. Im Original „all of the arts“. Warum sollte jedwede Kunst den Erfahrungen meiner Rasse entsprechen? Es gibt einen gigantischen Kanon von Kunst aller Art, die Erfahrungen von Nicht-Weißen widerspiegelt. McIntosh’s Argument setzt erstens voraus, dass ein Weißer auch dort seine Bilder etc. findet und zweitens, dass es ungerecht sei, dass Nicht-Weiße ihre Bilder nicht in Kunst von Weißen finden. Wer denkt bitte so?
  46. „Ich kann Abdecker oder Pflaster in „Hautfarbe“ kaufen und sie mehr oder weniger zu meiner Haut passend finden.“ Ja wir nähern uns den richtig harten Problemen. Diese Produkte werden, wie alle, für einen entsprechenden Markt hergestellt. In einem mehrheitlich weißen Land lohnt es sich nicht große Kontingente andersfarbiger Pflaster oder Abdecker zu produzieren, es gibt sie allerdings in den meisten Läden. In anderen Ländern ist das anders. Was Leute wie Peggy McIntosh daran nicht verstehen bleibt mir ein Rätsel.
  47. „Ich kann alleine oder mit meinem Partner reisen ohne Peinlichkeiten oder Feindlichkeit von denen zu erwarten mit denen wir zu tun haben.“ Das hängt komplett davon ab wohin man verreist. Und wieso das ausgerechnet ein Beispiel für Rassismus sein muss bleibt mir schleierhaft.
  48. „Ich habe keine Schwierigkeiten eine Nachbarschaft zu finden in der die Leute meinen Haushalt für gut befinden.“ Denn ich als weißer Mann finde immer und überall nur Leute die mich toll finden…
  49. „Meine Kindern kriegen Texte und Unterrichtsstunden die implizit unsere Art Familie unterstützen und sie nicht gegen meine Wahl der Partnerschaft wenden.“ War das Thema nicht Rassismus?
  50. „Ich fühle mich in den meisten öffentlichen, institutionellen und gesellschaftlichen Bereichen der Gesellschaft willkommen und normal.“ Zum Schluss also noch ein letztes Mal. Bist du nicht willkommen oder fühlst du dich nicht willkommen? Ersteres ist Rassismus, zweitens ist dein Problem.

Langer Rede langer Sinn: White Privilege ist die Idee, dass auch jeder Weiße der nicht rassistisch ist, sogar jene die sich direkt gegen Rassismus engagieren, immer noch von einem rassistischen System profitieren. Hohe Priester/innen der intellektuellen Eliten wachen darüber und ergreifen immer mehr politischen Einfluss, Selbstbeweihräucherung und Geld, gerechtfertigt mit dem edlen Kampf für die gute Sache.
Die 50 Beispiele täglichen White Privileges, die an die Studenten hier verteilt wurden, nicht von irgendwelchen Leuten, sondern von Leuten mit Lehrauftrag, mit Autorität, sind gefährlich. Sie bringen den gläubigeren Lesern bei sich selbst zu hassen, die Fundamente ihrer Gesellschaft zu hassen, Böses dort zu sehen wo keines ist, machen den Zweifler zum Häretiker und Rassisten. Und was noch schlimmer ist, sie passen zwar zur Ideologie, nicht aber zur Realität. Wer also schon anfällig für diese politische Denkweise ist, in der eine Klasse, Rasse, Sexualität, etc. schuld an allem ist, dann aber auf eine Welt treffen in der dies nicht offensichtlich der Fall sein scheint und dann daraus schließt, dass es alles nur versteckt stattfindet, der rutscht gefährlich ab. Denn wem man Dinge glaubhaft machen kann, die der Realität offensichtlich widersprechen, den macht man sich gefügig.

Die wahren Rassisten sind die, die einerseits alle Schuld einer Ethnie zuweisen wollen und andererseits sich als die mütterlichen Beschützer ihrer geliebten Minderheiten aufspielen, als könnten diese ihre Probleme nicht selbst lösen. Alles um sich selbst als tugendhaft, rechtschaffend und vor allem eines Gehaltes und einer gewissen Autorität würdig zu zeigen. Dies passiert gerade an deutschen Universitäten. Nicht von irgendeinem Spinner im AStA oder einem Flugblattverteiler vor der Mensa, sondern von Professoren so vertreten. Vivat academia, vivant professores.

 

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LEHREN AUS DEM CHAOSJAHR 2016 – TEIL 2: Der ungezogene Widerstand gewinnt Wahlen!

Das Jahr 2016 wird in einer von zwei Varianten in die Geschichte eingehen, entweder als eine irre Laune der Geschichte, oder als das Jahr in dem sich alles begann zu verändern. So oder so, es wird in Erinnerung bleiben. Es ist das Jahr in dem die AfD kolossal in die Landtage von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin eingezogen ist. Es ist das Jahr des Brexit-Votums. Es ist das Jahr von Donald Trump. Und auch wenn die Wahl von Norbert Hofer erst noch ansteht, ist es das Jahr in dem in Österreich die Grünen und die FPÖ die SPÖ und ÖVP auf die Zuschauerränge verwiesen haben. 2016 war soweit ein Jahr, von dem wir politisch viel lernen können. In Teil 2 geht es um die unwahrscheinlichen Wahlhelfer des Rechtspopulismus, die Trolle des ungezogenen Widerstandes.

 

Es gibt ordentliche Reaktionen auf Politik die einem nicht gefällt. Man kann wählen gehen, vor Gericht ziehen, Petitionen starten, Kampagnen starten, etc. All diese Wege des politischen Widerstands, auch wenn wir sie meistens nicht so nennen, befinden sich in geordneten Bahnen. Für Wahlen gibt es Termine und Zettel, für die Gerichte gibt es Verfahrensregeln, für Petitionen gibt es Ausschüsse und Internetseiten und Kampagnen haben gesetzliche Rahmen. Das heißt auch, dass diese Wege des Widerstandes erwartet werden und all jene die ein großes Interesse daran haben deren Erfolg zu verhindern, ganz genau wissen wo die Engpässe sind, was man tun kann und muss um diese zu neutralisieren. Es hat einen Grund warum viele den Eindruck haben, dass Wahlen nichts bringen, Petitionen nie Effekt haben, usw. Der Grund ist eben genau die Tatsache, dass der rationale, geordnete Widerstand für sich genommen zwar durchaus einzelne Angelegenheiten für sich entscheiden kann, aber nie die Fundamente berühren wird. Die Abwehrmechanismen sind schon lange da, bevor man auch nur daran denkt wie man an ihnen vorbei kommt.

Die Vorwahlen für die Kandidatur der Republikaner haben wiederum ein absolut perfektes Beispiel für ungezogenen Widerstand geliefert. Als Donald Trumps einziger ernstzunehmender Konkurrent Ted Cruz noch im Rennen war, wollten Trump-Unterstützer ihn natürlich in irgendeiner Form schlecht machen. Also was taten sie? Sie griffen nicht seine Politik an, nicht sein Privatleben, nicht seine Worte, nein sie verbreiteten ein Meme, nach dem Ted Cruz der Zodiac-Killer sei. In Windeseile war dieser Running Gag überall zu finden und wurde von jedermann wo immer möglich untergebracht. Zur Information: Der Zodiac Killer war maßgeblich von 1968-1969 aktiv, Ted Cruz wurde 1970 geboren. Der Vorwurf war so absurd, dass man eigentlich davon ausgehen müsste, dass es neben einem kleinen Schmunzeln keinerlei Effekt haben würde. Doch es war anders. Der Zodiac-Killer blieb hängen, nicht als tatsächlicher Vorwurf, aber Ted Cruz war auf einmal der Typ, über den alle den Zodiac-Killer-Witz machten. Und was hätte er auch dagegen machen können, es gab keine Musterantwort, wie für sämtliche Angriffe auf seine Politik. Hätte er sich wirklich vor die Kameras stellen sollen und sagen „Ich bin nicht der Zodiac-Killer“, wie damals Christine O’Donnel in ihrem Wahlkampf für den US-Senat, die nach Vorwürfen öffentlich bekräftigte keine Hexe zu sein. Gleichzeitig hätte mitlachen den nicht unbedeutenden Teil der Offline-Wähler, die überhaupt nichts von dem Witz mitgekriegt hatten, sicherlich verstört. Ted Cruz war gefangen.

Ähnlich hart traf Hillary Clinton der Einsatz der Memes der Alt-Right und der professionellen Trolle im Trump-Lager. Das Erfolgsrezept kam dabei sogar von Donald Trump persönlich: „Don’t back down, double down!“, also „Nicht nachgeben, nachlegen!“. Als es hieß, dass Trump wie Hitler sei antwortete die Alt-Right mit „Wenn’s nur so wäre“. Als man Trump Faschismus vorwarf, wurde Trump zum „God Emperor of Mankind“ erklärt. Pepe the Frog Memes tauchten auf einmal im Internet als pro-Trump Memes auf. Was als Spielereien von ein paar Spinnern auf 4chan abgetan werden könnte, bekam so viel Aufmerksamkeit im Internet, auch im Mainstream, dass Hillary Clinton gezwungen war eine Rede dazu zu halten. In dieser nannte sie den grünen Cartoonfrosch ein Hasssymbol, verlas Schlagzeilen des Profi-Trolls Milo Yiannopoulos und erklärte das alles zu einer nationalistischen, rassistischen Verschwörung angeführt von Wladimir Putin. Wer nicht sowieso schon zu den unbelehrbaren Clinton-Anhängern gehörte, der fand diesen Auftritt, diese Reaktion und diese Verschwörungstheorie mindestens bizarr. Aber wie sollte man auch in irgendeiner Form angemessen darauf reagieren, dass man mit merkwürdig gezeichneten grünen Fröschen konfrontiert war?

Doch waren die Trolle wirklich so entscheidend? Waren sie nicht nur ein Randphänomen dieser verrückten Wahl? Sie waren ganz entscheidend, denn dank der sozialen Medien stellen sie nun eine Waffe dar, deren Reichweite nahezu unbegrenzt ist. Und ihre Schlagkraft basiert auf vier Dingen:
Erstens schaffen sie ein Gruppengefühl bei den „Ungezogenen“. Sie haben ihre eigene Symbolsprache, die erst einmal nur sie verstehen und sie haben Spaß daran wie die Außenwelt diese versucht zu entziffern und daran immer knapp vorbeischrammt.Wenn die Memes dann auch nur eine Sekunde in der weiteren Öffentlichkeit stehen, dann fühlen sie sich mächtig, sind motiviert mehr zu machen. Eine Kettenreaktion findet statt, dezentral und unorganisiert.
Und da haben wir die zweite Stärke. Durch die Dezentralisierung mögen zwar einzelne Personen oder Plattformen identifizierbar und angreifbar sein, nie aber die Gesamtheit. Das trifft zwar auf alle Online-Bewegungen zu, da es sich hier aber um eine Bewegung von rechts handelt und ganz bewusst gesellschaftliche und teilweise auch rechtliche Tabus gebrochen werden, macht diese Anonymität alles erst möglich.
Der Tabubruch ist die dritte Stärke. Die politische Linke überall auf der Welt hat das 20. Jahrhundert mit dem Aufbau ihrer eigenen Kulturdominanz. Seit den 90er Jahren nutzen sie diese als Waffe, in Form der politischen Korrektheit. Das mag eine mächtige Waffe sein, aber dieses Jahr hat gezeigt, dass man sich zu sehr auf sie verlässt. Bis vor kurzem hat jeder der als Rassist, Sexist etc. beschimpft wurde sich sofort entschuldigt. Auch die alteingesessenen Politiker in Europa und Amerika haben dies immer getan. In dem Moment in dem sich eine Person wie Trump oder eine Bewegung wie die Alt-Right weigert dies zu tun, werden sie kugelsicher. Die Strategie gegen sie kann nicht aus der Schublade gezogen werden und das Ergebnis sind chaotische Blamagen wie Clintons Rede.
Die vierte Stärke ist Humor. Trollaktionen sind lustig, egal von welcher Seite. Da aber, zumindest zur Zeit, die Linke für deutlich mehr Autorität steht als die Rechte, ist sie anfälliger für Humor. Niemand über den man lacht, kann Autorität über einen haben, zumindest nicht so lange er einem nicht tatsächlich eine Waffe auf die Brust setzt. Und Autorität, Kontrolle, etc. ist niemals so witzig wie sich gegen sie zu wenden.

Noch ist diese Art Troll, dieser ungezogene Widerstand ist zur Zeit noch ein vor allem amerikanisches Phänomen, doch auch Europa lernt. Bereits jetzt gefallen sich zum Beispiel die Online-Präsenzen der Jungen Alternativ darin Tabus zu brechen, ohne sich jemals dafür zu entschuldigen. Auch hier wird diese Art Wahlkampf eine immer wichtigere Rolle spielen, denn er ist für den klassischen Wahlkampf was der Partisanenkrieg im Hinterland für die geordnete Front ist. Ständig muss der politische Gegner sein Augenmerk kurz abwenden, verliert den Fokus, muss sich mit dem völlig Unbekannten, Irrationalen und Unerwarteten auseinandersetzen. Alles nur weil ungezogene Trolle im Internet jeglichen Respekt für Konventionen verloren haben.

Teil 1: It’s not the Economy, Stupid!

Teil 3: Links sind alle Hemmschwellen gefallen

 

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Familie und Nation – Mein überraschend patriotischer, linker Verwandter

Ich mag meine Familie. Die allermeisten sind lustiger Umgang, vom italienischstämmigen Hüttenarbeiter bis zu Professoren ist alles dabei, manche sind vor Ort, für andere ergibt sich ab und zu die Gelegenheit zu reisen. Aber auch politisch finden sich die verschiedensten politischen Einstellungen dort, auch welche, in deren Weltanschauung ich so gar nicht hinein passe. Ohne zu viel ins Detail zu gehen, kürzlich erhielt ich einen sehr interessanten Vorwurf von einem besonders Linken aus meiner Verwandtschaft: Mit meiner “patriotischen” und “rechten” Politik, sei ich eine Schande für meine Familie und würde ihren Namen beschmutzen. Schon merkwürdig, so patriotisch hätte ich den Linken gar nicht eingeschätzt.
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Bevor jemand fragt: Nein, nicht meine Familie.

Analysieren wir das Mal: Ich vermute mal ganz stark, dass der Linke (ich bleibe mal bei diesem “Namen”) niemals stolz darauf wäre, dass er Deutscher ist. Würde man ihm dies vorschlagen, wäre er warscheinlich aufs Höchste pikiert und würde erklären, dass es keinen Grund gibt auf etwas Stolz zu sein worauf man keinen Einfluss hatte. Wo man geboren wurde ist völlig zufällig, und sowieso, man kann nicht auf Deutschlands Vergangenheit stolz sein, weil das meiste war schändlich und am Rest hatte man keinen Anteil. Auch wäre er sicherlich der erste der dafür wäre, dass Deutschland mehr Ausländer aufnimmt, der für eine vielfältige, möglichst Multi-Kulti-Nation wäre und der fremde Kulturen als in jeder Hinsicht gleichwertig mit unserer sieht. Dieser (irrige) Glaube sei ihm gelassen.
Wenn er dies jedoch tatsächlich glaubt, dann muss konsequenterweise auch die Familie mit dem selben Gedankenmuster bedacht werden. Denn keiner von uns hat sich seine Familie ausgesucht, durch reinen Zufall kamen wir zu unseren Eltern, Geschwistern, Großeltern, etc. Es gäbe für mich keinerlei Grund stolz darauf zu sein, dass ich aus dieser Familie stamme, denn ich habe ja keinen Anteil daran gehabt was meine Vorfahren, tot und lebendig, vor und nach meiner Geburt, getan haben. Was sie beruflich erreicht, was sie an Nachfahren, Ideen und Traditionen hinterlassen haben, nichts davon darf ein Grund für mich sein stolz darauf zu sein woher und von wem ich komme. Und um Gottes Willen, wie könnte ich nach dieser Logik zum Beispiel behaupten, dass meine Familientraditionen besser sind als andere, dass ich sie gerne auch für kommende Generationen erhalten würde? Und schließlich wäre es auch zwingend notwendig, dass es mir im Zweifelsfall egal sein müsste, wenn die Familie ausstirbt, oder alles aufgibt was ich an ihr schätze. Alles andere wäre Chauvinismus.
Es müsste mir weiterhin egal sein wer und was in meine Familie kommt und wer nicht. Ob mein Schwiegersohn, oder der neue Verlobte meiner Cousine, oder wer auch immer zur Familie passt, mag vielleicht nicht meine Entscheidung sein, definitiv aber meine Meinung. Und wenn zum Beispiel wegen meinem Schwiegersohn meine Enkel Weihnachten auf eine so völlig andere Art und Weise feiern als ich es kenne, zum Beispiel die Kinder mit Mikrowellenessen vor dem Fernseher, während die Eltern auf eine Party gehen, dann fände ich das einen Wandel meiner familiären Kultur zum Schlechteren und würde versuchen Gegenmaßnahmen zu treffen. Aber wenn der Linke konsequent ist, dann muss er argumentieren, dass alle Familien gleich sind, oder zumindest gleichwertig. Die Familie, die mit Vater, Mutter, 3 Kindern und Hund jedes Jahr gemeinsam in den Urlaub fährt und die Familie in der die alleinerziehende Mutter säuft und ihre Kinder schlägt.
Die letzten beiden Sätze klingen übertrieben? Sie spiegeln nur das Denken einer politischen Strömung, die Gesellschaften in denen Frauen keine Freiheitsrechte haben, in denen das Schlagen von Frauen als Ehrung der Frau gesehen wird, in denen Schwule von Hochhäusern und Juden aus dem Land geworfen werden, genau als gleichwertig mit der unseren anerkennt. Alles andere wäre Chauvinismus, Nationalismus, ja sogar Patriotismus.
Der Linke macht sich aber sorgen, dass ich unsere und damit seine Familie in den Dreck ziehe, in Verruf bringe. Er mag seine Familie wie sie ist, wo ich der einzige spürbare Ausreißer bin, der die gelebte Konsenskultur der Familie und ihr Selbstbild selbst schon dadurch durcheinander bringt, dass er da ist. Das interessante ist ja, dass ich genau weiß wo ich bei Familientreffen vielleicht besser den Mund halte, um des lieben Friedens Willen. Weder versuche ich vor Ort meine atheistischen Verwandten zu Christen zu machen, noch die Linken zu Konservativen, noch die Sozialisten zu Kapitalisten. Aber sie alle wissen, dass ich den politischen Konsens diesen Teils meiner Familie grundsätzlich verlassen habe und das stört das Grundvertrauen. Auch sie wollen ja eigentlich Frieden haben, also gibt es auch von ihren Seiten Themen über die sie ohne mich frei und ohne Probleme reden können, mit mir aber eher vermeiden. Ein Stück Freiheit ist eingeschränkt, ein Stück mehr muss wieder mehr Kontrolle da sein, mehr Verbote (wenn die Eltern zum Beispiel ihren Kindern verbieten etwas anzusprechen oder zu fragen).
Durch den in den letzten Jahren deutlich verschärften politischen Diskurs in Deutschland ist so in einem Teil meiner Familie die High-Trust-Gesellschaft ein Stück erodiert. Alles nur weil plötzlich mit mir ein neues Gedankengut mit dazu kam, dass mit den autochthonen Werten nicht komplett kompatibel ist. Das ist schade, im Rahmen einer kleinen Familie aber noch relativ harmlos. Wenn der Linke und der Rest der Linken jetzt noch verstehen, dass sich so etwas auch auf die Gesellschaft als Ganzes übertragen lässt, dann kommen wir vielleicht schon ein ganzes Stück weiter.

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Menschen mögen gleich sein, Kulturen sind es nicht

Eigentlich wollte ich meine Leserschaft ein paar Wochen mit Archivartikeln abspeisen, die Uni nötigt mir zur Abwechslung mal eine Menge Aufmerksamkeit ab. Aber leider sind in den vergangenen Tagen einige Dinge passiert, die mich veranlassen einen Artikel zu beenden, der schon länger in meinen Entwürfen liegt:

Die letzten Tage waren widerlich, einfach nur abartig, abstoßend und widerlich. Vorletzte Nacht wurden von einem IS-Anhänger zwei französische Polizisten erstochen, was schon fast zur Nebenmeldung wird, im Kontext des feigen Anschlags auf einen Schwulenclub in Orlando am Tag davor, ebenfalls IS. Und einen Tag davor prügelten sich Russen und Engländer in Marseille wie wilde Affenhorden, inklusive einem (wiederbelebten) Todesopfer. Da Aufnahmen der IS-Attentate (noch) nicht vorliegen, bleibt mir das Bild der Russen, die zu fünft auf den am Boden liegenden Engländer eintreten und -prügeln, als das abartigste Bild des ganzen Wochenendes im Kopf. Und noch kurz davor hat die Antifa einen Aktivisten der Identitären Bewegung per Steinwurf ins Koma geschickt, währenddessen wurde in Göttingen ein Verbindungsstudent mit Säure angegriffen und liegt im Krankenhaus. Mich persönlich überrascht es, dass noch niemand die islamistische Gewalt mit den Exzessen der Europäer relativiert hat, denn dieses eine Mal wäre zumindest die Inbezugsetzung angebracht.

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Wir können das Ganze, wie es besonders bei den islamistischen Attentätern bereits versucht wird, als die Einzeltaten von verwirrten Individuen darstellen. Doch das greift zu kurz. Rein rechtlich gesehen ist jeder Täter nur ein Einzeltäter, bestenfalls gibt es Helfer, Mitwisser, Auftraggeber etc. doch zum Beispiel die Kugeln in Orlando wurden jedes einzelne Mal von einem Individuum verschossen, der nach jedem Knall die Möglichkeit gehabt hätte zu stoppen. Letztendlich ist der Mensch immer selbst für seine Taten verantwortlich, denn er ist der der sie ausführt, der der sie beenden kann. Aber wer die angeborene rote Linie, die ureigene menschliche Hemmung einen anderen Menschen weder zu verletzen noch zu töten, überschreitet, der tut das nicht zufällig, besonders nicht mit Vorsatz. Was also hat sowohl den Moslem in Orlando als auch den Russen in Marseille zu seiner äußerst brutalen Aktion motiviert? Die Antwort lautet: Kultur.

Wer, wie es immer noch geschieht, Ethnien oder Rassen erstens scharf abgrenzt und diesen dann zweitens die inhärente Eigenschaft der Gewalttätigkeit zuschreibt, der bekommt zur Zeit ein Problem. Denn wer die genetischen, oder von mir aus rassischen Gemeinsamkeiten zwischen prügelnden Russen und Engländern einerseits, oder den im Namen Allahs mordenden Männer und Frauen von den Phillipinen bis nach Schweden finden will, dem wird es schwer fallen seine These zu belegen. Welche genetische Gemeinsamkeit(en) genau den frischen britischen Konvertiten und den afghanischen Selbstmordattentäter vereinen würde mich wirklich interessieren. Nein, was den islamistischen Attentätern gemein ist, ist der Islam. Wenn wir sehr großzügig sein wollen (will ich nicht) ihr Islamismus. Was den Hooligans gemein ist, ist die Hooligankultur.

Bei Hooligans und Moslems handelt es sich jeweils nur um einen Aspekt der kulturellen Identität einer Person. Niemand ist nur Moslem oder Hooligan. Man ist auch Afghane, Engländer, Mann, Frau, Vater, Sohn, etc. Um über Kulturen im Allgemein zu sprechen ist es deshalb hilfreich zunächst die Subkultur anzusehen. Niemand hat ein Problem damit, dass die Kultur, oder Subkultur der Hooligans eine schlechtere ist als zum Beispiel die der normalen, nicht gewalttätigen Fußballfanclubs. Wenn schon nicht an Hand der Grundidee, dann an Hand der Ergebnisse in der Realität. Hat man also die Wahl, zum Beispiel mit staatlichen Fördergeldern, dem e.V. Status oder gar einem Verbot, bestimmte Fankulturen zu fördern oder zu unterbinden, dann ist es vorzuziehen die gewaltlosen zu fördern und die gewalttätigen zu unterbinden. Gesunder Menschenverstand. Wer wer ist, dass kann man nicht immer vorher sagen, aber am Ergebnis sind sie objektiv messbar.

Denken wir nun weiter. Geht es um ganze Kulturen, eventuell sogar kulturelle Überbegriffe wie „Der Westen“ oder „Die islamische Welt“, in denen es jeweils große interne Unterschiede gibt, dann wird es erstens schwieriger allgemeine, messbare und vor allem objektive Aussagen zu treffen und zweitens daraus praktische Konsequenzen abzuleiten. Unmöglich wird es nicht. Wenn ich zum Beispiel sage, dass mir britische Komiker besser gefallen als deutsche, oder italienische Kunst besser als persische, dann ist das eine Geschmacksfrage, für die ich nur Konsequenzen in meinem eigenen Leben ziehen kann, zum Beispiel in welches Museum ich eher gehe. Man kann aber durchaus objektiv sein. Wo sind die Regierungen stabiler (mehr oder weniger Bürgerkriege, Revolutionen, vorzeitige Regierungswechsel), wo ist es sicherer (Kriminalität, Sicherheitsstandards, Kriegsgefahr), wo lebt man freier (Wahlrecht, Korruption, Meinungsfreiheit), wo ist man gesünder (Lebenserwartung, Kindersterblichkeit) und wo ist die Wirtschaft freier (Steuern, Vorschriften, Zölle) etc. All diese Sachen sind zumindest zu einem zufriedenstellenden Grad messbar. Die Frage ist, warum sollten sie ein Kriterium für „besser“ oder „schlechter“ sein und dürfen wir uns solche Kategorien überhaupt anmaßen?

Ich glaube ich kann so arrogant sein für die ganze Menschheit zu sprechen wenn ich sage: Es ist besser wenn Menschen leben, als wenn sie sterben. Es ist besser wenn es weniger Verbrechen gibt als mehr. Es ist besser wenn Menschen reicher, gesünder und schlauer sind als wenn sie ärmer, kranker und dümmer sind. Deshalb sind Sicherheit, Stabilität, Gesundheit und Wohlstand objektive Standards. Eine Kultur die hier sozusagen mehr „Punkte“ hat, ist zu bevorzugen. Weitere Aspekte wie politische und wirtschaftliche Freiheit, sind nicht von allen Kulturen als erstrebenswerte Ziele anerkannt, aber wer sich durch Geschichte und Gegenwart wühlt, der sieht deutlich, dass höhere Werte hier auch höhere Werte von Sicherheit, Stabilität Gesundheit und Wohlstand gewähren.
Allerdings ist es schwierig zu sagen eine Kultur ist exakt 100% besser als die andere. Man muss einzelne Aspekte betrachten. Zum Beispiel haben die Polen einen deutlich gesünderen Ansatz in der Flüchtlingsfragen und weniger Probleme der inneren Sicherheit, die Schweizer sind in Sachen politischer Freiheit weit vorne, während die deutsche Kultur, auch über Staatsgrenzen hinaus, zum Beispiel enormen Wohlstand erzeugt hat. Wer wissen will warum muss sich die Kulturen dann genau anschauen und herausfinden was sie in den jeweiligen Bereichen herausragend macht. Sofern man Dinge wie natürliche Ressourcen oder regelmäßige Naturkatastrophen herausrechnet, bleiben zum Beispiel kulturelle Aspekte wie die deutsche Arbeitsethik, der schweizerische Freiheitssinn, der polnisch-katholische Patriotismus etc.
Deshalb ist auch meine Ideale Kultur nicht etwa „deutsch“ oder „britisch“ oder ähnliches, sondern hat etwa die Streitkultur der Briten, den deutschen Ordnungssinn, die arabische Gastfreundlichkeit usw.

Das schöne an Kulturen ist, dass sie er- und verlernbar sind. Und hier setzt der praktische Aspekt an. Persönlich muss man sich gegenüber ehrlich sein und fragen, ob man Aspekte der eigenen Kultur weiter lebt, oder ob man von anderen Kulturen adaptiert. Wer überzeugend ist, der kann damit eine der vielen Entwicklungen anstoßen, die die Geschichte prägen. Oder gar ob ich protestiere, im schlimmsten Fall kämpfe, wenn objektiv schlechtere Aspekte Einzug halten oder positivere verschwinden.
Aber auf der politischen Ebene ist es noch einmal wichtiger. Wer Verantwortung für sein Volk hat, der muss wissen welche Teile von Kulturen toleriert werden können und welche nicht. Zum Beispiel ist der türkische oder italienische Beitrag zur deutschen Küche Geschmackssache. Ich persönlich mag beides. Der Staat hat keinen Grund einzuschreiten. Wegen des arabischen Fatalismus, nach dem am Ende ja doch alles Allahs Wille ist, so wurde oft argumentiert, nimmt man sich in der arabischen Welt nicht so sehr als seines Glückes Schmied war und geht weniger (zum Beispiel unternehmerisches) Risiko ein. Das hemmt das persönliche Fortkommen und so den Wohlstand. Das betrifft aber nur die Personen selbst. Auch hier gibt es keinen Grund für den Staat einzugreifen. Wenn aber ein kulturelles Element, zum Beispiel die „Taharrusch“ genannten Gruppenvergewaltigungen, Leben, Freiheit, oder Wohlstand Dritter bedrohen, dann wird es Zeit einzugreifen, auch präventiv. Und es ist wichtig solche Taten eben gerade nicht mit kulturellen Eigenarten zu entschuldigen, wie es in Deutschland Praxis ist, sondern diese zusätzlich auf die gesellschaftliche Anklagebank zu stellen und diese früh zu unterbinden. Wer sie predigt ist ebenso eine Gefahr, wie wer sie lebt.

Grundsätzlich ist die Durchsetzung, oder Nicht-Durchsetzung von Kultur eine Frage derer die in dieser Kultur leben. Ein Staat kann und sollte Kultur nicht gestalten, denn wo er sie in gesetzliche Bahnen leitet, wird sie starr und steht auch positiven Änderungen nicht mehr so offen gegenüber. Aber auch mein Libertarismus hat seine Grenzen. Als Minarchist sehe ich so oder so eine Rolle für den Staat bei dem Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum. Die Kultur spielt dabei eine Rolle. Denn sobald man sich der Lüge hingibt, dass alle Kulturen eigentlich gleich seien, dann müsste man zwangsläufig glauben, dass die russischen Hooligans genau gleich „gut“ sind wie der Fanclub vom örtlichen Kreisligaverein, dass das Dritte Reich rein kulturell der Bundesrepublik ebenbürtig ist, oder dass eben der Islam nicht mehr oder weniger gewalttätig sein kann als der Buddhismus. Wichtig ist es deshalb kulturelle Rechtfertigung für Taten gegen Andere nicht etwa als mildernde Umstände zu sehen, sondern als Anlass, im rechtsstaatlichen Rahmen, ein Exempel zu statuieren. Ebenso dürfen Politiker nicht, mit falsch verstandener Toleranz, oder ganz und gar bewusstem Hass auf Deutschland, ständig für die kulturelle „Bereicherung“ aus objektiv schlechteren Kulturen zu werben, sie nicht zu fördern, sie bei z.B. Einwanderung in die Entscheidung mit einzubeziehen und sie nicht durch Regierungsnähe und PR-Aktionen aufzuwerten. Das schöne daran ist, dass es nicht nur die Heimatkultur schützt, sondern auch Integration in diese befördert. Zugleich verhindert es den Menschen unter Generalverdacht zu stellen, also zu sagen, dass zum Beispiel Moslems nicht einwandern dürfen, weil die alle religiöse Intoleranz predigen und Frauen schlagen. Stattdessen heißt es, sie können gerne kommen, aber wer religiöse Intoleranz predigt und Frauen schlägt, der fliegt. Wer versucht diese Ideen zu etablieren, der fliegt noch schneller. Wer versucht seine Kultur als Ausrede zu nehmen, der fliegt mit Überschall.

 

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Deutschland kollabiert – Das Ende der High-Trust Gesellschaft

Wenn ich in Deutschland über eine grüne Fußgängerampel gehe, dann schaue ich eigentlich nie nach rechts oder links. Ich vertraue darauf, dass sich die Autofahrer genauso an die Ampelsignale halten, wie ich das tue. Noch bin ich nicht überfahren worden. Allerdings mache ich ein paar Ausnahmen was das mit der Ampel angeht. Da ich an der französischen Grenze wohne, schaue ich nach links und rechts wenn ich in der Innenstadt, oder nah an der Grenze bin, also dort wo es wahrscheinlicher ist, dass ich auf französische Autofahrer treffe. Franzosen fahren im Prinzip nicht viel schlechter als Deutsche, viele Deutscher fahren schlechter als so mancher Franzose, aber die Bedingungen für den Führerschein sind niedriger und die Franzosen haben ein bischen weniger Skrupel vor dem Überfahren einer Ampel. Dahinter steckt kein böser Wille, das sind kulturelle Unterschiede. Aber da in meiner Stadt auch viel Franzosen fahren, kann ich dem Straßenverkehr ein klein bischen weniger trauen. Jetzt stellen sie sich mal vor was kulturelle Unterschiede bei wirklich wichtigen Problemen ausmachen…

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Uns Deutschen geht es noch gut. Seit mindestens zwei Generationen leben wir in einem historisch nahezu einmaligen Zustand, der, auch wenn dies so gut wie nie anerkannt wird, für die großen wirtschaftlichen und politischen Erfolge der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich ist: Deutschland ist eine High-Trust Gesellschaft. Das bedeutet, dass wir uns als Deutsche gegenseitig vertrauen. Das hat lange gedauert. Wie ich schon einmal beschrieben habe, ist der Weg zur geeinten Nation, auch im Inneren, keine Selbstverständlichkeit gewesen. Noch lange nach der Einigung Deutschlands 1870 waren sich z.B. Bayern und Preußen spinnefeind. Katholiken und Protestanten machten sich noch bis in die frühen Nachkriegsjahre das Leben schwer und die Älteren erinnern sich noch an die Zeiten als Studenten und junge Arbeiter gerne Mal alkoholgeschwänkert aufeinander los gingen, aus Klassengründen. Deutschland hat von 1918 bis 1933 in einem nahezu permanenten, mal stärkeren, mal schwächeren Bürgerkrieg gelebt, danach (für den Osten sogar bis 1990) in einem Klima des Misstrauens vor Spitzeln und Häschern.

Heute geht es uns noch gut. Wir Deutschen haben Religion, Konfession, Stammes- und Klassenzugehörigkeit und auch Diktaturen überwunden. Dazu sind wir ein sehr wohlhabendes Volk. Das alles schafft Vertrauen untereinander. Auch wenn wir das ein oder andere Vorurteil über z.B. Bayern haben, würden wir es doch nie ablehnen mit ihnen Handel zu treiben, würden uns nicht aufregen, wenn ein Bayer nebenan einzieht, oder verlangen, dass Bayern vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen werden. Der Grund ist simpel: Wir glauben (fast immer zu Recht), dass der Bayer mit einem fast identischen Wertbild (dem christlich-jüdischen), ähnlichen roten Linien in der Politik (der freiheitlich-demokratische Grundordnung) und dem gleichen Rechtsverständnis und auch in Kenntnis der Gesetzeslage aufgewachsen ist. Dazu sagt uns der hohe deutsche Lebensstandard, dass wir keine neidmotivierte Gewalt zu erwarten haben. In einer solchen Gesellschaft floriert nicht nur Handel und Kultur (weil beides nicht von vorneherein durch kulturelle Barrieren gebremst wird), sondern auch die Politik. Da wir von unseren Nächsten und Übernächsten nicht erwarten, dass sie unseren Grundwerten komplett konträr gegenüberstehen, lassen wir sie sich versammeln, frei reden, wählen und sich wählen lassen etc. In Gesellschaften in denen man sich misstraut kann z.B. eine friedliche Versammlung von Muslimen zu einer gewalttätigen Gegenreaktion von Christen und umgekehrt führen. Man muss sich nur mal die Stadt Jerusalem anschauen als extremes Beispiel einer Low-Trust Gesellschaft.

Der Gegenentwurf zur High-Trust Gesellschaft ist die multikulturelle Gesellschaft. All jenen, von denen wir wissen, dass sie nicht die selbe moralische und ethische Prägung erhalten haben wie wir, denen trauen wir erstmal weniger. In den meisten Fällen ist das unberechtigt. Nur weil jemand fremd ist heißt es nicht, dass er sich nicht in die Gesellschaft integrieren und auch (selbst wenn widerwillig) die Gestze und Sitten achten kann. Die meisten tun es. Aber es gibt eben auch die, die es nicht tun. Durch ihre kulturelle Prägung, vor allem bei stark religiösen Kulturen, geben sie ihre eigenen Ansichten eben nicht für die der neuen Heimat auf. Und sie verstoßen damit regelmäßig gegen Recht und Gesetz. Kommt dazu der kaputtgesparte und, in manchen Ecken, nicht mehr existente Rechtsstaat in Deutschland, so gibt es auch weniger Hemmschwellen für das Ausüben von Gewalt, wenn die Kultur diese schon rechtfertigt.

Das Resultat sind Ereignisse wie das am Kölner Hauptbahnhof an Silvester. Egal ob es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelte oder nicht, bisher heißt es von der Polizei, dass dem nicht so ist, übereinstimmend wird von Nordafrikanern gesprochen. Es gibt nichts in der DNA eines Nordafrikaners, die diese Männer zu Gewalttaten gegen Frauen aufstachelt. Es gibt sehr wohl so etwas in der islamisch geprägten Kultur dieser Länder. Die fundamentale Missachtung der Frau als gleichwertiger Mensch mit sexueller Selbstbestimmung, genauso die fundamentale Missachtung der Ungläubigen als gleichwertige Menschen, macht die freizügigen Frauen (die sich dies leisten können, weil sie ein Grundvertrauen in die Gesellschaft haben), gleich doppelt zu Opfern die es „verdient haben“. Hemmschwellen sinken. Gleichzeitig fehlt auch, wo schon die moralischen Grenzen gefallen sind, die Angst vor Strafverfolgung, aus Erfahrung.

Es steht mehr auf dem Spiel als „nur“ die Selbstbestimmung von Frauen an öffentlichen Plätzen, so wertvoll das ja allein schon ist. Die Missachtung deutscher Normen, Sitten und Gesetze, verbunden mit einem Kollaps des Rechtsstaats vor dieser neuen Situation, führt zu einer Gesellschaft in der das Vertrauen langsam aber sicher aus der Gesellschaft verschwindet. Es bilden sich wieder die Lager diverser gesellschaftlicher Konflikte, entlang ethnischer, religiöser, und auch politischer Linien, stetig neu fragmentiert. So lange die autochthonen Deutschen kein Vertrauen darin haben, dass auch in den diversen ausländischen Volksgruppen Straftäter verfolgt, verurteilt und geächtet werden, so lange werden sie mit Vorurteilen auf jeden reagieren, der mit dunklerer Hautfarbe, anderem Pass oder anderer Religion daherkommt. Das wird auch jene Immigranten verunsichern und ihr Vertrauen in die Gesellschaft erschüttern, die integriert sind und die nie straffällig geworden sind. Radikalisierungen, politisch und religiös, werden so erleichtert.

Wir bewegen uns Stück für Stück in Richtung einer Low-Trust Gesellschaft, nicht nur entlang ethnischer Grenzen. Die Kombination aus Euro- und Flüchtlingskrise lässt, durch das Anfeuern existentieller Ängste, allerlei Gräben aufspringen. Wo man sich, auch zum Beispiel innerhalb der autochthonen Bevölkerung, nicht mehr politisch vertraut, da wird politische Gewalt viel akzeptabler. Denn wieso sollte Gewalt nicht gerechtfertigt sein, wenn man doch in der eigenen Wahrnehmung gegen das drohende 4. Reich, die DDR 2.0 oder die EUdSSR vorgeht. Genauso importieren wir uns allerlei Konflikte, allein durch den Import aller Parteien der diversen Bürger- und Religionskriege der islamischen Welt.
Und wo wir unserer Gesellschaft die Lösung wirtschaftlicher und sozialer Konflikte nicht mehr selbst zutrauen, da müssen wir zwangsläufig immer und immer mehr Macht auf den Staat übertragen. Macht die er nur dort ausüben kann, wo er noch etwas zu sagen hat, also meist dort wo sie die falschen trifft (zum Beispiel durch Einschränkung der Privatsphäre oder Bürgerrechte). Und je nach demographischer und politischer Entwicklung steht diese Macht dann schnell heute noch unbekannten politischen Kräften zur Verfügung.

Es wird gefährlich. Selbstjustiz, lokale Bürgerkriege auf kleiner oder größerer Flamme, rechtsfreie Räume, Failed States mitten in Deutschland und nicht zuletzt enormer wirtschaftlicher Schaden drohen als ernstzunehmende Gefahr in Deutschland, wenn nicht gehandelt wird. Unsere innere und äußere Freiheit steht auf dem Spiel. Der Rechtsstaat muss wirksam und vertrauenswürdig sein, Integration kein Lippenbekenntnis. Dazu gehört auch die rigorose Anwendung des Asylrechts und die bedingungslose Abschiebung straffälliger Ausländer, sowie die strenge Verfolgung jedweden Extremismus im Lande. Mein persönliches Vertrauen, dass dies ernsthaft angegangen wird, schwindet.

 

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Merkel – Die Vaterlandslose Gesellin

Mit „Vaterlandslose Gesellen“ hat man früher die Sozialdemokraten und Sozialisten beschimpft. Das hatte weniger damit zu tun, dass sie unpatriotisch waren, das waren auch andere Gruppen, es bedeutete wortwörtlich, dass diese kein Vaterland haben. Wer an den Sozialismus glaubt, mit Ausnahme natürlich der expliziten National-Sozialisten, hat kein Vaterland, kennt kein Volk und keine Nation, sondern ist der Internationalen verpflichten, Klasse statt Volk. Merkel, da bin ich mir sicher, ist keine Sozialistin, wenn dann eine Sozialdemokratin, aber im heutigen Sinne, nach dem Godesberger Programm. Ein wirkliches Klassenbewusstsein, oder eine gezielte Klassenpolitik will ich ihr und ihren Genossen in der Regierung gar nicht nachsagen. Das Problem liegt anders, aber mit starkem Bezug zum Sozialismus.

 

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Photographer: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

 

Die frühen Jahre der Kanzlerin sind in der aktuellen Diskussion, in der sie erstmals wirklich Gefahr läuft ihren eisernen Griff vom Thron lösen zu müssen, absolut nicht präsent. Sie verdienen aber eine Betrachtung, denn die prägenden Jahre von Kindheit und Jugend gehen an niemandem spurlos vorbei. Angela Merkel ist die Tochter eines seltenen Exemplars, eines BRD-Bürgers, der in die DDR übergesiedelt ist. Man kann sich also nicht vorstellen, dass der Haushalt sehr systemkritisch war. Im Gegenteil. In ihrer Schulzeit und auch an der Universität wird sie als sehr gut integriert und unauffällig bezeichnet. Der ungewöhnlichste, unangepassteste Vorfall ihrer Kindheit ist eine kirchliche Konfirmation, statt einer Jugendweihe, nicht sehr verwunderlich für einen Pfarrershaushalt. Aber all das ist kein starkes Argument dafür, dass sie tief drin eigentlich die Wiedergeburt von Erich Honecker ist. Ihre Angepasstheit, sowie ihre Teilnahme in der FDJ, auch als AgitProp Beauftragte, sind schlichtweg Überlebensstrategien in einer Diktatur. Es gibt genauso wenig Anzeichen für eine besondere Regimetreue. Entscheidend ist nicht, was sie in ihrer Zeit in der DDR gelernt hat, man kann immer das Gelernte in Frage stellen. Ihre Zeit im Demokratischen Aufbruch scheint das zu bestätigen. Entscheidend ist was Merkel nicht gelernt hat.

Der Sozialismus ist Leitidee der DDR gewesen und mit ihm der internationale Gedanke und die Bürokratie. Im Denken der SED-Führung war ihr Land eine Verwaltungseinheit im Rahmen der Diktatur des Proletariats. Selbst wenn die alten Männer im Staatsrat nur machthungrig waren und nicht an ihren eigenen Mist geglaubt haben, blieb der Nationalgedanke dennoch vollständig außen vor, besonders im geteilten Deutschland. Es ist schwer vorstellbar, dass Angela Merkel die Nation jemals als eigenständigen, zu verteidigenden Wert kennen gelernt hat. Eine Regierung ist für sie, das zeigt sich in ihrem Verhalten an der Spitze gerade jetzt, die aktuelle Verwaltung eines Gebietes, dass der historische Zufall ihr anvertraut hat.

Das Problem betrifft nicht nur sie. Das Tabu des Nationalgedankens nach dem zweiten Weltkrieg war, wenn auch nicht als Staatsräson, auch in der BRD präsent und wurde durch die 68er-Revolution, auf dem Sozialismus aufbauend, immer weiter in den Mainstream geschoben. Damit hat dieser Gedanke auch andere deutsche Politiker ihrer Generation und teilweise auch älteren Baujahrs (z.B. Schäuble) stark beeinflusst. Auf deren ideologische Prägung bin ich bereits einmal, auf die EU bezogen, eingegangen. Begreift sich eine herrschende Klasse oder Gruppe nur als Verwalter, dann ist es ihr nicht zu verdenken, dass sie die Verwaltung auch über die nationale Ebene, zum Beispiel in die EU oder UN, verschiebt, so lange sie ein Mitspracherecht dabei behalten oder diese Institutionen sogar dominieren.

Wichtiger, um auf die Asyl-Debatte zurückzukommen, ist das vollständige Fehlen eines Gefühls dafür was eine Nation eigentlich ist. Sie ist nicht ein Zufallsgebilde, eine willkürlich gezogene Linie auf der Karte. Eine Nation ist eine Schicksalsgemeinschaft. In einer Nation kann ich meinem Nachbarn mehr trauen als ohne sie, denn ich kann erwarten, dass er mit einem Wertekanon aus gemeinsamer Literatur und Kultur, der gemeinsamen Erfahrung früherer Generationen und gemeinschaftlich erarbeiteter Geschichtsinterpretation, ausgestattet ist und diesen selbstverständlich lebt und mir ohne Sprachbarrieren im Zweifelsfall kommunizieren kann. Dadurch entstehen nationale, kulturelle Eigenheiten. Die Briten reagieren anders als die Deutschen, die Deutschen anders als die Franzosen, die Franzosen anders als die Spanier auf alles von einer sonntäglichen Ruhestörung bis auf eine Kriegserklärung. Dies ist grundsätzlich für Neuankömmlinge erlernbar, so etwas nennen wir Integration.

Wenn Angela Merkel aber nicht mit diesem Gedanken aufgewachsen ist, und es ist sicher, dass das nicht geschehen ist, dann steckt das in ihr auch nicht drin. Dann ist der gesamte Grundgedanke abwesend, egal ob sie sich später mal damit beschäftigt hat. Es fehlt nicht nur am Glauben an gewisse deutsche Eigenheiten oder gar eine Leitkultur, sondern an das ganze Konzept. So wie ein atheistisch aufgewachsenes Kind nicht nur nicht evangelisch oder katholisch ist, sondern Religion als Ganzes nicht kennt. Somit sieht sie Deutschland, alle Deutschen und auch die Asylbewerber als im Grunde völlig gleich. Unbeschriebene Blätter, die sie nahezu mechanisch verwalten kann. Die Deutschen werden ihre Neumitbürger schon lieben, wenn sie nur die richtigen Knöpfe drückt, der Fachkräftemangel und die Kinderarmut werden schon gelöst, wenn sie nur den Bevölkerungsschwund 1:1 ersetzt und die Asylbewerber werden sich schon alle ohne große Probleme integrieren, wenn man nur die richtigen Maßnahmen ergreift. Wir schaffen das!

Bis vor wenigen Tagen hätte ich Angela Merkel diesen Vorwurf wahrscheinlich nicht gemacht. Aber ihre Aussage, dass es nun einmal nicht in ihrer Macht liegt wer über die Grenzen kommt, ist einfach nicht zu ignorieren. Genau wie die vorherige, extrem arrogante Bemerkung, dass es ihr egal sei, ob sie Schuld an der Krise habe. Angela Merkel hat nicht nur kein Gefühl dafür, dass sie die Kanzlerin der Deutschen ist und ihnen und auch ihrer kulturellen Bewahrung, oder zumindest nicht Gefährdung verpflichtet ist, sie weiß gar nicht, dass es so was überhaupt gibt, dass das erwartet wird. Sie hat nicht das falsche Vaterland, oder ein europäisches, sie hat gar keins.

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Cultural Studies – Die Konservativen verpassen da was

Es gehört inzwischen innerhalb der konservativen und liberal-libertären Szene schon zum guten Ton von der akademischen Welt unserer Universitäten angewidert zu sein. Seien es die Wirtschaftsfakultäten, die Keynes und Neoklassizismus statt Österreichischer Schule lehren, seien es die nicht enden wollenden Listen an geisteswissenschaftlichen Veranstaltungen zur Kapitalismuskritik und die ganz allgemein linke, sozialistische Haltung der Professoren und Studenten. So wenden wir uns ab. „Think red, write blue“, sagte einmal der amerikanische Ultrakonservative Ben Shapiro, in Anspielung auf die traditionellen Farben der US-Parteien (Rot=Republikaner, Blau=Demokraten). Das soll heißen, dass wir uns gute Noten durch das Nachbeten des ganzen linken Schwachsinns sichern sollen, ohne sie unkritisch zu übernehmen. An dieser Stelle hört leider zu oft der Diskurs über die Rolle der Konservativen und Liberalen in der akademischen Welt auf. Das hat gute Gründe. Die Liberalen zieht es zumeist in die freie Wirtschaft, die sie als Ideal hoch halten, ganz zu Recht. Die Konservativen, die weiter publizieren wollen, zieht es in die Think-Tanks, wo sie zwar nicht mehr die Pfründe einer staatstragenden Ideologie, aber dafür die durchaus ehrenhafte, und in den eigenen Kreisen prestigeträchtige, Rolle des rebellischen Underdogs einnehmen können. Ich halte diesen Ansatz für falsch.

Wie bereits kürzlich in einem Blogpost beschrieben, bescheinigen zahlreiche Meinungsumfragen und besonders die regelmäßigen Shell-Studien, der Jugend ein zunehmend konservatives Weltbild, in dem Familie und traditionelle Werte sehr hoch stehen. Jedes Mal läuft der Universitätswelt ein kalter Schauer über den Rücken, als hätte man dem Volk soeben eine 50% Analphabetenquote bescheinigt. Auf der anderen Seite wundert man sich darüber, dass die konservativen Werte in der Jugend sich kaum über die Universität retten, bzw. sich nicht entsprechend in Wahlergebnissen und politischen Forderungen niederschlagen. Aber das ist selbstverständlich, wenn man die meinungsmachenden Felder der Geisteswissenschaften wie Literatur, Journalismus, Theater, Film, Politik, Lehramt, etc. ständig der Linken überlässt. Warum sollte z.B. ein Literaturstudent, der zuvor aus seinem Umfeld das traditionelle Familienbild kennen und schätzen gelernt hatte, es nicht ernst nehmen, dass ihm gebildete Autoritätsfiguren mit zahlreichen Titeln und Urkunden erklären, dass das alles nur ein soziales Konstrukt ist? Ein Physikstudent der mal in Dokumentationen irgendwas über Atome gehört hat, nimmt es ja auch ernst, wenn ihm sein Professor von neuen, moderneren Theorien erzählt. Aber wir überlassen der rot-rot-grünen Professorenkaste das Feld, in der Hoffnung, dass ihnen irgendwann mal ein Buch oder ein Flyer in die Hand fällt, der sie von unseren Positionen überzeugt. Wie wahrscheinlich ist das?

Dominant bei all dieser Subversion unserer Werte ist das Feld der Kulturstudien, bzw. der Cultural Studies. Das eigentlich sehr löbliche Ziel ist es die Produkte von Kulturen, seien das Romane, Kleidung, Lieder, Gebäude oder ähnliches, auf die darin vorhandenen kulturellen Elemente hin zu untersuchen um so die Kultur besser zu verstehen. Anders als zum Beispiel Landeskunde wird dabei nicht einfach nur beschrieben und Zusammenhänge verdeutlicht, sondern besonders nach der oft versteckten Repräsentation nicht hinterfragter Elemente gesucht. Zum Beispiel würde man bei Rotkäppchen nicht nur herausstellen, dass es sich ursprünglich um eine Warnung an junge Mädchen vor Vergewaltigern handelte, sondern hinterfragen warum eine Gesellschaft davon ausgeht, dass sich diese Warnung nur an Mädchen und nicht auch Jungs richten soll.

Hervorgegangen ist diese Disziplin aus dem Kulturmarxismus, der die Welt auf einem stetigen, unwiderruflichen Weg zum gesellschaftlichen Paradies sieht. Die Studien sollten dabei helfen im Weg liegenden Hindernisse (wie Klassensystem, Religion, Familie) in ihren Verstecken in der Kultur zu identifizieren und somit leichter auszumerzen. Ein modernes Beispiel ist der wiederholte, krampfhafte und, Gott sei Dank, erfolglose Versuch aus Ernie und Bert ein Schwulenpaar zu machen. Mit der Zeit brachten die, ebenfalls teils auf den Kulturmarxisums rückführbaren, Post-Strukturalisten eine Änderung. Man lehnte den marxschen Determinismus ab und setzte sich das Ziel die Kulturen ganz allgemein auf ihre versteckten Annahmen hin zu untersuchen. Dies führte einerseits zu einem extremen Relativismus, in dem es nicht nur kein Richtig oder Falsch, kein Normal oder Unnormal gab, sondern auch überhaupt keine Wahrheiten, wie zum Beispiel den Zusammenhang von Chromosomen und Geschlecht. Andererseits zur etwas moderateren Analyse von dominanten Kulturen (was als normal gilt) und entweder überkommenen und verschwindenden Kulturen (das Alte, z.B. das Ständesystem) oder neuen, aufsteigenden Kulturen (das Neue, z.B. die Ehe für alle).

So akademisch das noch teilweise klingen mag, auch unter den Moderaten, die sich bewusst vom Marxismus distanzieren, gibt es eine enorme Betriebsblindheit. Man weigert sich strikt anzuerkennen, dass sich unsere Kultur inzwischen grundlegend verschoben hat. Zum Beispiel werden die alljährlich tausendfach stattfindenden CSD-Paraden darauf untersucht, wie sie teils subtil, teils sehr offen, etablierte Ideen über Heterosexualität konterkarieren. Das mag ja noch Sinn machen. Aber zugleich scheint es niemandem in den Sinn zu kommen zu hinterfragen, ob das noch die „neue“ Minderheitenkultur ist, die sich gegen den Mainstream behaupten muss, wenn diese Paraden ohne Übergriffe, Behinderungen, oder Verbote auskommen, wenn von offiziellen Fahnenmasten dazu die Regenbogenfahne weht, wenn jede Kritik an der öffentlichen zur Schau Stellung von nackten Körpern und sexuellen Handlungen im Keim und mit enormer Rufschädigung erstickt  wird. Es ist so, als ob sich seit den 68ern, die die Kulturstudien in ihre heutige Position katapultiert haben, nichts in der Gesellschaft geändert hätte. Es ist weiterhin das dominierende Patriarchat gegen den Feminismus, der schon fast als Untergrundbewegung klassifiziert wird. Es ist die verklemmte Heterosexualität gegen die Schwulenbewegung. Es ist die Horde von Salon- und Glatzennazis, gegen alle und jeden ohne 5 Generationen arische Abstammung.
Lady Gaga hat inzwischen ihre eigene Sparte, die tatsächlich „Gaga-Feminismus“ heißt und sich mit den (eigentlich kein bisschen) subtilen Botschaften in ihren Texten und Videos befasst, ohne darauf einzugehen, dass ihr diese Bühne kalkuliert von den dominanten Meinungsmachern in der Musik- und Fernsehbranche, sowie dem Journalismus, inzwischen auch der Politik, bereit gestellt wird.
Kein Lehrbuch, keine Vorlesung, keine Publikation zur Verschiebung in den Werten unserer Gesellschaft.

Diese Kulturstudien dienen nicht mehr der berechtigten Kritik an Unhinterfragtem, sie dienen dem radikalen Verbot jeder Hinterfragung eines bestehenden Systems von Annahmen über unsere Kultur und geben denen, die ihre Politik damit stützen das Feigenblatt der Zustimmung der Hofgelehrten. Es ist keine Revolution, nichts relevantes für unsere Gesellschaft von dieser Disziplin zu erwarten, so lange sie politisch so einseitig dominiert ist. Und so wenden sich die Konservativen verständlicherweise ab, angewidert von dem rot-rot-grünen Muff unter den Talaren. Jedoch verpassen sie damit eine historische Chance. Viele Studenten interessieren sich sehr für dieses Thema, es ist ja auch spannend und man kann sein Staatsexamen über ein Musikvideo oder eine Cornflakes-Werbung schreiben. Viele Dozenten sind an sich keine Marxisten und durchaus offen für radikal neue Ansätze. Ironischerweise haben sie aber eben die unhinterfragte Annahme ihres kleinen akademischen Kulturkreises, die ihnen im Weg steht. Ein konservativer Gegenentwurf in diesem Gebiet, außerhalb von obskuren Akademien und Verlagen, direkt in den Universitäten ist noch möglich. Die meisten dieser Fakultäten befinden sich in dieser Hinsicht noch im Aufbau. Es wäre weiß Gott kein leichter Weg. Aber wer den leichten Weg sucht und sich Widerständen geschlagen gibt, der kann ja zur CDU.

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