Innovation

Mehr Zeppelin wagen – Freiheit und Optimismus

Im Jahr 1900 startete das erste Luftschiff von Graf Zeppelin. Um sich in die Luft zu schwingen pumpte der geniale Graf Wasserstoff in die Hülle, also ein extrem entzündliches Gas, direkt neben Verbrennungsmotoren und das ganze über bewohntem Gebiet schwebend. Ein Unfall nach dem anderen kostete Zeppelin mehrfach fast und einmal ganz sein Unternehmen, gerettet wurde er aber von Investoren, Spenden, Stiftungen und sogar einer extra ins Leben gerufenen Lotterie. Das einfache Volk sah einen riesigen Wasserstoffballon vom Himmel fallen und explodieren und forderte keine Verbote, Ethikkomissionen oder Untersuchungsausschüsse, sondern noch einen Versuch für Zeppelins große Idee. Wo ist er hin, der Optimismus der Kaiserzeit?

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Die Geschichte ist voll von Leuten wie Graf Zeppelin. Als das Team des Manhattan-Projekts die erste Atombombe zündete, da war man sich vorher nicht 100% sicher, dass die Bombe nicht die Atmosphäre entzünden und die Menschheit auslöschen würde. Der Beginn eines neuen Zeitalters für die Menschheit.
Isambard Kingdom Brunel, der wahrscheinlich genialste Ingenieur aller Zeiten, baute die Maidenhead-Brücke mit so gigantischen Bögen, dass die Regierung aus Angst befahl das Gerüst nicht abzunehmen. Die Brücke steht noch heute, ohne Gerüst.
Benjamin Franklin stellte sich mit einem Drachen in ein Gewitter um mehr über Blitze zu erfahren. Und das zu einer Zeit als man nur wusste, dass Blitze Menschen töten und Häuser in Brand stecken.

Doch in was für einer Welt leben wir heute?  Als in der Schweiz der riesige Teilchenbeschleuniger LHC angeschaltet werden sollte, da klagten Menschen auf der ganzen Welt gegen dieses Riesenexperiment, denn sie hatten Angst, dass ein Schwarzes Loch entsteht, dass die Erde verschlingt.
Die Bundesregierung hat, auf Grund eines Reaktorunfalls in Japan, der in Deutschland nicht passieren könnte (weil wir hier keine Erdbeben und Tsunamis haben), die gesamte Atomkraft abgeschafft.
Symptome einer Gesellschaft, die nicht nur ihren Optimismus verloren hat, sondern auch ihr fundamentales Vertrauen in die Wissenschaft. Sei es die Atomkraft, die pro Kilowattstunde die wenigsten Todesopfer aller Energieformen zu verzeichnen hat, seien es genmanipulierte Lebensmittel, für deren Gefährlichkeit weiterhin jeder wissenschaftliche Beweis fehlt, seien es Impfungen, die man, auf Basis einer zurückgezogenen Studie, seit neuestem für Autismus verantwortlich macht.

Der Grund dafür ist politisch und er kommt aus dem selben Sumpf, aus dem die Grünen gekrochen sind: Die Umweltbewegung. Den Deutschen war die Umwelt lange ziemlich egal. Als in den 70ern die Flüsse vergiftet waren, als man im Ruhrgebiet und an der Saar die Wäsche nicht raushängen konnte, weil sie vom Ruß braun und schwarz wurde, da wurden die Deutschen erst auf den Umweltschutz aufmerksam, als der geliebte Wald in Gefahr war. Das erst erregte die Deutschen Gemüter.
Die Umweltbewegung die sich daraufhin formierte bekam mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl neuen Auftrieb und einen neuen Fokus auf die Atomkraft.

Doch das Leitmotiv blieb das gleiche. Man fantasierte einen natürlichen, ausbalancierten Naturzustand herbei, der über Millionen Jahre unverändert blieb, bis der Mensch mit seiner Industrie und seiner Zivilisation alles aus dem Gleichgewicht brachte. Die Bewegung schaffte eine gesellschaftliche Transformation, nicht nur, aber am stärksten, in Deutschland. Der Fortschritt, bis dato nur dem Zweck der Verbesserung des menschlichen Lebens dienend, wurde unter seinen ersten Generaldverdacht gestellt: Umweltzerstörung. Dass jede neue Fabrik sauberer, jedes neue Atomkraftwerk sicherer war als das Vorhergehende wurde geflissentlich ignoriert. Eine Wahrheit, die bis dahin Allgemeinwissen war. Ebenso setzte man jede Form von Grundlagenforschung unter Generalverdacht für eine akute oder zukünftige Umweltzerstörung verantwortlich sein zu können.

Damit waren die Dämme gebrochen. Die Technologie von heute und morgen stehen in Deutschland vor verschlossenen Türen, oder unter Dauerfeuer, nicht nur wegen des Umweltschutzes. Thorium Reaktoren erzeugen Strom sauberer und effizienter als die alten Meiler, die in Deutschland noch ihre Gnadenfrist ableisten, aber sie werden nie gebaut werden, weil die Panik vor allem was mit Atomkraft zu tun hat zu groß ist. Genmanipulierte Pflanzen können Land effizienter nutzen und Ernährungsprobleme in der Dritten Welt lösen, aber wahrscheinlich sind dafür schon zu viele Gruselbilder ohne wissenschaftliche Basis im Wahlvolk unterwegs. Das Hyperloop-Projekt von Elon Musk kann das Transportmittel der Zukunft sein, aber wenn man sich anschaut was heute schon an Kampagnen gegen und Sicherheitsvorschriften für bestehende Transportmittel laufen, werden wir in Deutschland lange darauf warten können. Und unabhängige Taxidienste wie Uber werden von etablierten, staatlich monopolisierten Unternehmen vom Markt geklagt.

Die Menschen die Graf Zeppelins Luftschiff vom Himmel fallen und explodieren sahen erkannten die Vision dahinter und ihnen fehlte die Angst vor dem Neuen, eine Angst die man Menschen erst kulturell einimpfen muss. Wir befinden uns nun nicht nur in der Situation, dass wir neue Technologien nicht mehr selbst erfinden, weil jeder weiß, dass er sie entweder auf halbem Weg verboten kriegt oder nie damit Geld verdienen kann, wir regulieren, verbieten und verrufen uns auch die genialen Erfindungen die aus dem Ausland kommen könnten. Geführt von grünen Weltverbesserern verspielen wir die Chance auf eine bessere Welt.

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Ein Fensterputzer, ein Handy und der Bugatti Veyron

Einschlägige Magazine in Presse und Fernsehen führen uns das Leben der Reichen und Schönen vor, in all ihrer Dekadenz, ihrer Verschwendung und ihrem Glanz. Die Reaktionen sind gemischt. Tief drinnen bewundern und beneiden wir die oberen Zehntausend, aber wenn wir so darüber nachdenken, vor allem wenn der Fernseher wieder aus ist und wir unser Leben betrachten, dann ist es doch verdammt ungerecht. Wir zählen am Ende des Monats das Geld, gönnen uns als Luxus vielleicht mal einen Kinobesuch und die Schnösel im Fernsehen wissen wahrscheinlich nicht mal, dass es einstellige Euroscheine gibt. Die berühmte Einkommensschere wird gerne bedient. Die allermeisten haben wenig, die allerwenigsten haben sehr sehr viel und auch wenn eine richtige Umverteilung ziemlich sicher nicht viel bringt, dann muss man doch mal fragen, ob man mit dem vielen gehorteten und verschwendeten Reichtum nicht doch etwas sinnvolles machen könnte. Nehmen wir mal als Beispiel den Bugatti Veyron. Eine halbe Millionen pro Stück (in Sonderausfertigungen deutlich mehr) für ein Auto, das eigentlich unnötig ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf öffentlichen Straßen und auch Rennstrecken eigentlich nicht zu erreichen. Der Verbrauch ist enorm, die Reifen nutzen sich schnell ab, wer braucht so ein Auto? Könnten wir nicht das ganze Geld nehmen und etwas wirklich nützliches für die Welt tun? Nun… betrachten wir ein etwas billigeres Beispiel:

Im Bild: Ein überraschend großer Nutzen für die kleinen Leute

Foto: Wikipedia User M93

Das Jahr 1983:
Sie sind Fensterputzer in Manhattan. Ihr Job ist es die riesigen Glasfenster der Wolkenkratzer zu putzen. Ein schwieriger und vor allem sehr gefährlicher Beruf. Auf Grund der Gefahr verdienen Sie gar nicht mal so schlecht, aber reich werden Sie sicherlich nicht. Tagtäglich sehen Sie bei Ihrer Arbeit die neureichen Banker und Yuppies in ihren riesigen Büros, nicht selten ziehen sie die Vorhänge zu, wenn Sie sich an die Arbeit machen. Ab und zu erwischen sie sogar jemanden der mit der Sekretärin fremd geht. Sie alle verdienen am Tag mehr als Sie im Monat. Es kotzt Sie an!

Eines Tages gehen Sie von der Arbeit nach Hause, Richtung U-Bahn und sie sehen gerade wie einer dieser verwöhnten Schnösel aus dem Gebäude kommt und auf dem Weg zu seiner Limousine in etwas spricht, was wie ein Funkgerät aussieht. Könnte eine Art Telefon sein, tragbar, sieht aus wie ein grauer Backstein mit Antenne. Als technisch interessierter Mensch wollen Sie etwas darüber herausfinden. Also gehen Sie bei einem Zeitschriftenladen vorbei. Jeden Donnerstag kommt da ein neues Technikmagazin raus, vielleicht finden Sie da was. Blöderweise steht nichts über das Telefon in dieser Ausgabe, auch nicht in den anderen Magazinen im Laden. Zu Hause fragen Sie ihre Frau, die weiß nichts davon, auch Ihr Sohn nicht, Ihre Arbeitskollegen am nächsten Tag haben das auch schon gesehen, aber wissen nichts genaues darüber.

Drei Wochen später finden Sie endlich einen Artikel. Sie zahlen ein paar Dollar für die Zeitung und lesen in der U-Bahn. Sie erfahren folgendes: Es handelt sich um ein Mobiltelefon, quasi ein tragbares Autotelefon mit Satellitenverbindung, oder einer Verbindung zu einem von einer Hand voll Funktürmen in den großen Städten. Es kostet 5000$, dazu 50$ pro Monat Grundgebühr und dann nochmal 24cent Gebühren pro Minute. 

Jetzt sind sie richtig sauer. Was zur Hölle wollen diese arroganten Typen mit den Telefonen? Sie haben im Büro und zu Hause einen Festnetzanschluss, im Auto ein Autotelefon. Halten die sich für so wichtig, dass sie auf den paar Metern zum und vom Auto unbedingt erreichbar sein müssen? Dann auch noch 5000$? Das ist das durchschnittliche Quartalseinkommen einer amerikanischen Familie! Was könnte man damit alles Gutes tun. Sie entschließen sich Sozialist zu werden.

Das Jahr 2015:

Sie sind Fensterputzer in Manhattan. Ihr Job ist es die riesigen Glasfenster der Wolkenkratzer zu putzen. Ein schwieriger und vor allem sehr gefährlicher Beruf. Auf Grund der Gefahr verdienen Sie gar nicht mal so schlecht, aber reich werden Sie sicherlich nicht. Tagtäglich sehen Sie bei Ihrer Arbeit die neureichen Banker und Yuppies in ihren riesigen Büros, nicht selten ziehen sie die Vorhänge zu, wenn Sie sich an die Arbeit machen. Ab und zu erwischen sie sogar jemanden der mit der Sekretärin fremd geht. Sie alle verdienen am Tag mehr als Sie im Monat. Es kotzt Sie an!

Eines Tages gehen Sie von der Arbeit nach Hause, Richtung U-Bahn und sie sehen gerade wie einer dieser verwöhnten Schnösel aus dem Gebäude kommt und in ein Auto einsteigt, dass wie ein Raumschiff mit Reifen aussieht. Sie erkennen das Bugatti-Symbol, aber dann ist das Auto schon weg. Sie würden gerne wissen, was es damit auf sich hat.

Seit 1983 haben zahlreiche Telekommunikationsunternehmen das Geld von den reichen Schnöseln, dass sie für ein ziemlich nutzloses, aber teures Spielzeug, das Handy, ausgegeben haben, in immer weiter reichendere Netze investiert, sowie in die Entwicklung und Produktion neuer Modelle. Jedes Mal wurden sie ein klein wenig besser und billiger. Mit jeder noch so kleinen Preisreduktion öffnete sich der Markt für ein paar neue Kunden mehr. Da diese Kunden immer noch das selbe Netz verwenden, lassen sich die Kosten auf mehr Kunden umlegen, sie sinken für die Einzelperson. Auch die Gewinnmarge der einzelnen Geräte kann sich verringern, da mehr gekauft werden und die Produktion immer größerer Mengen die Kosten senkt. So werden Handy, Grundgebühr und Minutenpreis stetig ein wenig billiger. Mit der steigenden Verbreitung finden sich auch immer mehr Anwendungsmöglichkeiten. Schließlich entdecken Unternehmen wie Motorola und Nokia das Marktpotential in der breiten Masse. Sie bringen noch billigere Geräte heraus, kooperieren mit Unternehmen wie der Telekom oder AT&T um die Nutzungsgebühren erschwinglich zu machen. Immer mehr Menschen teilen sich eine Infrastruktur, alles wird wiederum billiger. Schließlich kommen ein paar schlaue Leute auf die Idee das Handy mit dem Internet zu verbinden, einen Touchscreen einzubauen und andere schlaue Leute entwickeln im Minutentakt (meist kostenlose) Programme um die Geräte immer nützlicher zu machen.

Kaum ist der Bugatti weggefahren, nehmen Sie ihr iPhone heraus, dass Sie für ungefähr 35$ im Monat nahezu unbegrenzt benutzen können. Es beinhaltet neben dem Telefon einen Kalender, Internet, ihren MP3-Player, eine hochauflösende Kamera, Emaiprogramme, einen persönlichen Assistenten, Taschenrechner, ein Navigationssystem, eine Taschenlampe, einen Anrufbeantworter und eine Spielekonsole. Das sind nur die Werkseinstellungen. Sie tippen „Bugatti“ ins Suchfenster und finden schnell ein Bild, dass zum Auto passt, das Sie gerade gesehen haben. Sie lesen Wikipedia, stellen fest es ist ein Bugatti Veyron, das schnellste Auto der Welt und es ist schweineteuer. Sie klicken ein paar Links weiter und finden heraus, dass Volkswagen bei der Entwicklung des Bugatti Veyron einen Motor, ein Getriebe, einen Reifensatz etc. nach dem anderen verschlissen hat und stetig neue Systeme entwickeln musste. Sie lesen auch, dass diese Erkenntnisse aus den letzten 15 Jahren nun bereits in vielen Standard-PKW von Volkswagen stecken. Sie machen Motoren langlebiger, effizienter und stärker. Sie sorgen dafür, dass Sie weniger für Reparaturen ausgeben müssen, weniger Ärger mit ihrem Auto haben und mehr Auto für das selbe, teilweise weniger Geld kriegen. All das mit dem Geld reicher Schnösel. Sie bewundern den freien Markt, Sie bewundern den technischen Fortschritt, Sie entscheiden sich dafür, dass Sie beim nächsten Mal libertär wählen. Und all das bevor Sie auch nur in die U-Bahn eingestiegen sind (wo sie inzwischen auch Empfang haben).

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