Fankultur

Menschen mögen gleich sein, Kulturen sind es nicht

Eigentlich wollte ich meine Leserschaft ein paar Wochen mit Archivartikeln abspeisen, die Uni nötigt mir zur Abwechslung mal eine Menge Aufmerksamkeit ab. Aber leider sind in den vergangenen Tagen einige Dinge passiert, die mich veranlassen einen Artikel zu beenden, der schon länger in meinen Entwürfen liegt:

Die letzten Tage waren widerlich, einfach nur abartig, abstoßend und widerlich. Vorletzte Nacht wurden von einem IS-Anhänger zwei französische Polizisten erstochen, was schon fast zur Nebenmeldung wird, im Kontext des feigen Anschlags auf einen Schwulenclub in Orlando am Tag davor, ebenfalls IS. Und einen Tag davor prügelten sich Russen und Engländer in Marseille wie wilde Affenhorden, inklusive einem (wiederbelebten) Todesopfer. Da Aufnahmen der IS-Attentate (noch) nicht vorliegen, bleibt mir das Bild der Russen, die zu fünft auf den am Boden liegenden Engländer eintreten und -prügeln, als das abartigste Bild des ganzen Wochenendes im Kopf. Und noch kurz davor hat die Antifa einen Aktivisten der Identitären Bewegung per Steinwurf ins Koma geschickt, währenddessen wurde in Göttingen ein Verbindungsstudent mit Säure angegriffen und liegt im Krankenhaus. Mich persönlich überrascht es, dass noch niemand die islamistische Gewalt mit den Exzessen der Europäer relativiert hat, denn dieses eine Mal wäre zumindest die Inbezugsetzung angebracht.

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Wir können das Ganze, wie es besonders bei den islamistischen Attentätern bereits versucht wird, als die Einzeltaten von verwirrten Individuen darstellen. Doch das greift zu kurz. Rein rechtlich gesehen ist jeder Täter nur ein Einzeltäter, bestenfalls gibt es Helfer, Mitwisser, Auftraggeber etc. doch zum Beispiel die Kugeln in Orlando wurden jedes einzelne Mal von einem Individuum verschossen, der nach jedem Knall die Möglichkeit gehabt hätte zu stoppen. Letztendlich ist der Mensch immer selbst für seine Taten verantwortlich, denn er ist der der sie ausführt, der der sie beenden kann. Aber wer die angeborene rote Linie, die ureigene menschliche Hemmung einen anderen Menschen weder zu verletzen noch zu töten, überschreitet, der tut das nicht zufällig, besonders nicht mit Vorsatz. Was also hat sowohl den Moslem in Orlando als auch den Russen in Marseille zu seiner äußerst brutalen Aktion motiviert? Die Antwort lautet: Kultur.

Wer, wie es immer noch geschieht, Ethnien oder Rassen erstens scharf abgrenzt und diesen dann zweitens die inhärente Eigenschaft der Gewalttätigkeit zuschreibt, der bekommt zur Zeit ein Problem. Denn wer die genetischen, oder von mir aus rassischen Gemeinsamkeiten zwischen prügelnden Russen und Engländern einerseits, oder den im Namen Allahs mordenden Männer und Frauen von den Phillipinen bis nach Schweden finden will, dem wird es schwer fallen seine These zu belegen. Welche genetische Gemeinsamkeit(en) genau den frischen britischen Konvertiten und den afghanischen Selbstmordattentäter vereinen würde mich wirklich interessieren. Nein, was den islamistischen Attentätern gemein ist, ist der Islam. Wenn wir sehr großzügig sein wollen (will ich nicht) ihr Islamismus. Was den Hooligans gemein ist, ist die Hooligankultur.

Bei Hooligans und Moslems handelt es sich jeweils nur um einen Aspekt der kulturellen Identität einer Person. Niemand ist nur Moslem oder Hooligan. Man ist auch Afghane, Engländer, Mann, Frau, Vater, Sohn, etc. Um über Kulturen im Allgemein zu sprechen ist es deshalb hilfreich zunächst die Subkultur anzusehen. Niemand hat ein Problem damit, dass die Kultur, oder Subkultur der Hooligans eine schlechtere ist als zum Beispiel die der normalen, nicht gewalttätigen Fußballfanclubs. Wenn schon nicht an Hand der Grundidee, dann an Hand der Ergebnisse in der Realität. Hat man also die Wahl, zum Beispiel mit staatlichen Fördergeldern, dem e.V. Status oder gar einem Verbot, bestimmte Fankulturen zu fördern oder zu unterbinden, dann ist es vorzuziehen die gewaltlosen zu fördern und die gewalttätigen zu unterbinden. Gesunder Menschenverstand. Wer wer ist, dass kann man nicht immer vorher sagen, aber am Ergebnis sind sie objektiv messbar.

Denken wir nun weiter. Geht es um ganze Kulturen, eventuell sogar kulturelle Überbegriffe wie „Der Westen“ oder „Die islamische Welt“, in denen es jeweils große interne Unterschiede gibt, dann wird es erstens schwieriger allgemeine, messbare und vor allem objektive Aussagen zu treffen und zweitens daraus praktische Konsequenzen abzuleiten. Unmöglich wird es nicht. Wenn ich zum Beispiel sage, dass mir britische Komiker besser gefallen als deutsche, oder italienische Kunst besser als persische, dann ist das eine Geschmacksfrage, für die ich nur Konsequenzen in meinem eigenen Leben ziehen kann, zum Beispiel in welches Museum ich eher gehe. Man kann aber durchaus objektiv sein. Wo sind die Regierungen stabiler (mehr oder weniger Bürgerkriege, Revolutionen, vorzeitige Regierungswechsel), wo ist es sicherer (Kriminalität, Sicherheitsstandards, Kriegsgefahr), wo lebt man freier (Wahlrecht, Korruption, Meinungsfreiheit), wo ist man gesünder (Lebenserwartung, Kindersterblichkeit) und wo ist die Wirtschaft freier (Steuern, Vorschriften, Zölle) etc. All diese Sachen sind zumindest zu einem zufriedenstellenden Grad messbar. Die Frage ist, warum sollten sie ein Kriterium für „besser“ oder „schlechter“ sein und dürfen wir uns solche Kategorien überhaupt anmaßen?

Ich glaube ich kann so arrogant sein für die ganze Menschheit zu sprechen wenn ich sage: Es ist besser wenn Menschen leben, als wenn sie sterben. Es ist besser wenn es weniger Verbrechen gibt als mehr. Es ist besser wenn Menschen reicher, gesünder und schlauer sind als wenn sie ärmer, kranker und dümmer sind. Deshalb sind Sicherheit, Stabilität, Gesundheit und Wohlstand objektive Standards. Eine Kultur die hier sozusagen mehr „Punkte“ hat, ist zu bevorzugen. Weitere Aspekte wie politische und wirtschaftliche Freiheit, sind nicht von allen Kulturen als erstrebenswerte Ziele anerkannt, aber wer sich durch Geschichte und Gegenwart wühlt, der sieht deutlich, dass höhere Werte hier auch höhere Werte von Sicherheit, Stabilität Gesundheit und Wohlstand gewähren.
Allerdings ist es schwierig zu sagen eine Kultur ist exakt 100% besser als die andere. Man muss einzelne Aspekte betrachten. Zum Beispiel haben die Polen einen deutlich gesünderen Ansatz in der Flüchtlingsfragen und weniger Probleme der inneren Sicherheit, die Schweizer sind in Sachen politischer Freiheit weit vorne, während die deutsche Kultur, auch über Staatsgrenzen hinaus, zum Beispiel enormen Wohlstand erzeugt hat. Wer wissen will warum muss sich die Kulturen dann genau anschauen und herausfinden was sie in den jeweiligen Bereichen herausragend macht. Sofern man Dinge wie natürliche Ressourcen oder regelmäßige Naturkatastrophen herausrechnet, bleiben zum Beispiel kulturelle Aspekte wie die deutsche Arbeitsethik, der schweizerische Freiheitssinn, der polnisch-katholische Patriotismus etc.
Deshalb ist auch meine Ideale Kultur nicht etwa „deutsch“ oder „britisch“ oder ähnliches, sondern hat etwa die Streitkultur der Briten, den deutschen Ordnungssinn, die arabische Gastfreundlichkeit usw.

Das schöne an Kulturen ist, dass sie er- und verlernbar sind. Und hier setzt der praktische Aspekt an. Persönlich muss man sich gegenüber ehrlich sein und fragen, ob man Aspekte der eigenen Kultur weiter lebt, oder ob man von anderen Kulturen adaptiert. Wer überzeugend ist, der kann damit eine der vielen Entwicklungen anstoßen, die die Geschichte prägen. Oder gar ob ich protestiere, im schlimmsten Fall kämpfe, wenn objektiv schlechtere Aspekte Einzug halten oder positivere verschwinden.
Aber auf der politischen Ebene ist es noch einmal wichtiger. Wer Verantwortung für sein Volk hat, der muss wissen welche Teile von Kulturen toleriert werden können und welche nicht. Zum Beispiel ist der türkische oder italienische Beitrag zur deutschen Küche Geschmackssache. Ich persönlich mag beides. Der Staat hat keinen Grund einzuschreiten. Wegen des arabischen Fatalismus, nach dem am Ende ja doch alles Allahs Wille ist, so wurde oft argumentiert, nimmt man sich in der arabischen Welt nicht so sehr als seines Glückes Schmied war und geht weniger (zum Beispiel unternehmerisches) Risiko ein. Das hemmt das persönliche Fortkommen und so den Wohlstand. Das betrifft aber nur die Personen selbst. Auch hier gibt es keinen Grund für den Staat einzugreifen. Wenn aber ein kulturelles Element, zum Beispiel die „Taharrusch“ genannten Gruppenvergewaltigungen, Leben, Freiheit, oder Wohlstand Dritter bedrohen, dann wird es Zeit einzugreifen, auch präventiv. Und es ist wichtig solche Taten eben gerade nicht mit kulturellen Eigenarten zu entschuldigen, wie es in Deutschland Praxis ist, sondern diese zusätzlich auf die gesellschaftliche Anklagebank zu stellen und diese früh zu unterbinden. Wer sie predigt ist ebenso eine Gefahr, wie wer sie lebt.

Grundsätzlich ist die Durchsetzung, oder Nicht-Durchsetzung von Kultur eine Frage derer die in dieser Kultur leben. Ein Staat kann und sollte Kultur nicht gestalten, denn wo er sie in gesetzliche Bahnen leitet, wird sie starr und steht auch positiven Änderungen nicht mehr so offen gegenüber. Aber auch mein Libertarismus hat seine Grenzen. Als Minarchist sehe ich so oder so eine Rolle für den Staat bei dem Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum. Die Kultur spielt dabei eine Rolle. Denn sobald man sich der Lüge hingibt, dass alle Kulturen eigentlich gleich seien, dann müsste man zwangsläufig glauben, dass die russischen Hooligans genau gleich „gut“ sind wie der Fanclub vom örtlichen Kreisligaverein, dass das Dritte Reich rein kulturell der Bundesrepublik ebenbürtig ist, oder dass eben der Islam nicht mehr oder weniger gewalttätig sein kann als der Buddhismus. Wichtig ist es deshalb kulturelle Rechtfertigung für Taten gegen Andere nicht etwa als mildernde Umstände zu sehen, sondern als Anlass, im rechtsstaatlichen Rahmen, ein Exempel zu statuieren. Ebenso dürfen Politiker nicht, mit falsch verstandener Toleranz, oder ganz und gar bewusstem Hass auf Deutschland, ständig für die kulturelle „Bereicherung“ aus objektiv schlechteren Kulturen zu werben, sie nicht zu fördern, sie bei z.B. Einwanderung in die Entscheidung mit einzubeziehen und sie nicht durch Regierungsnähe und PR-Aktionen aufzuwerten. Das schöne daran ist, dass es nicht nur die Heimatkultur schützt, sondern auch Integration in diese befördert. Zugleich verhindert es den Menschen unter Generalverdacht zu stellen, also zu sagen, dass zum Beispiel Moslems nicht einwandern dürfen, weil die alle religiöse Intoleranz predigen und Frauen schlagen. Stattdessen heißt es, sie können gerne kommen, aber wer religiöse Intoleranz predigt und Frauen schlägt, der fliegt. Wer versucht diese Ideen zu etablieren, der fliegt noch schneller. Wer versucht seine Kultur als Ausrede zu nehmen, der fliegt mit Überschall.

 

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Heult leise – Ein Plädoyer für RB Leipzig

Wenn man mich nach meiner fußballerischen Loyalität fragt, dann sage ich normalerweise, dass ich wider besseren Wissens Fan des 1. FC Saarbrücken bin. Ein Verein, der eigentlich nur alibimäßig Fußball spielt, damit im Vorstand die Unmengen abgewählter und aussortierter Politiker noch bis zur Pension etwas zu tun kriegen. Auf Platz 2, und nach einem Auslandsjahr eigentlich mindestens auf Platz 1,5, liegt für mich Arsenal London. Doch seit dieser Woche schiebt sich da ein neuer Verein auf meinen Platz 3, mit guten Chancen weiter hoch zu kommen und zwar RB Leipzig. Zugegeben, ich habe noch kein einziges Spiel des laufenden Werbeträgers gesehen, es geht hier ein wenig ums Prinzip.

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Was war das Gejammer auf Facebook groß als am vergangenen Wochende Rasenballsport Leipzig erstmals in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Überall schrien die Fans der „Traditionsvereine“ umher, dass hiermit die Kommerzialisierung des deutschen Fußballs den Siedepunkt überschritten habe. Der Untergang der deutschen Fan-Kultur, der Untergang des Leistungsgedankens, der Untergang des Fußballs ganz allgemein. Dabei beschwerten sich ironischerweise auch Fans von Borussia Dortmund, immerhin ein Verein mit Millionengewinnen durch seine (S)Dax-notierte Tochter-GmbH, oder von den hunderprozentigen Konzerntöchtern Wolfsburg und Leverkusen, nicht zuletzt sogar die guten alten Fans der Geldmaschine Bayern München. Auch schaute man wehmütig nach England, wo gerade der Underdog Leicester City sensationell die Meisterschaft holte. Ja, das ist noch Fußball da drüben. Leicester City gehört übrigens seit 2010 dem thailändischen Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha, der einiges an Geld in den Verein gepumpt hat.

Ja, so ganz konsequent ist niemand beim RB-Bashing. Wenn man die Kommerzialisierung des deutschen Fußballs so schrecklich findet, dann sollte man sich schleunigst Richtung Liga 3 und abwärts begeben um noch wirklich reinen Vereinssport zu finden. Selbst dort immer weniger. Der Spiegel hat im vergangenen Jahr aufgelistet, dass in der Bundesliga nur noch Stuttgart, Schalke, Mainz und Darmstadt eingetragene Vereine sind. Der Rest ist auf die eine oder andere Art gewinnorientiert. Und warum eigentlich nicht? Was genau macht denn die Gewinnorientierung mit einem Verein, genauer gesagt, was macht den Verein damit schlechter? Schließlich ist einem e.V. das finanzielle auch nicht egal, auch die müssen bezahlen. Und wie kriegt ein eine GmbH oder eine AG Geld durch Fußball spielen? Nur in dem sie gut spielt und gewinnt, damit die Sponsoren zahlen. Wie erfüllt ein „Werksverein“ wie RB Leipzig  seine Funktion als Werbeträger und Investition? Indem er gut spielt und gewinnt. Was muss ein eingetragener Verein machen? Gut spielen und gewinnen.

Aber ja, ich höre schon die Zwischenrufe, denn natürlich macht es einen Unterschied ob man durch unternehmerische Geldspritzen und damit durch Transfers einen Vorteil „erkauft“. Das stimmt, aber auch nur zu einem gewissen Grad. Es ist sicherlich eine ziemlich sichere Strategie für den Durchmarsch durch untere Ligen, denn man kann auch Spieler locken, die nie so tief spielen würden, aber genau wissen, dass man sicher aufsteigt. Aber auch das war bei RB Leipzig nicht hundertprozentig garantiert. Für die Regionalliga Nord und die 2. Liga brauchte man immerhin zwei Anläufe. Nun ist RB Leipzig in der ersten Liga angekommen und der Unterschied den man sich erkaufen kann, insbesondere in Konkurrenz mit anderen (nicht gerade armen) Top-Clubs der Liga, wird der Unterschied, den ein eingekaufter Spieler machen kann, deutlich geringer.

Aber Geld alleine macht auch nicht erfolgreich. Schaut man sich die Tabelle der Transferausgaben an und vergleicht sie mit der aktuellen Bundesligatabelle, dann ist Geld nicht egal, aber bei weitem kein Garant. Auf den ersten Blick scheint Geld wichtig zu sein. Bayern hat am meisten ausgegeben und ist Meister, Bayer Leverkusen am drittmeisten und ist Dritter, Gladbach am viertmeisten und ist Vierter. Aber daraus ist ganz offensichtlich kein Gesetz ableitbar. Die zweithöchsten Ausgaben hatte Wolfsburg, was dem Verein Platz 8 bringt; Schlusslicht Hannover hat mit knapp 19 Millionen immerhin Platz 10 der Ausgaben; Mainz auf Platz 5 hat ausgabentechnisch Platz nur Platz 14; einen Platz vor Werder Bremen, die sportlich auf Platz 16 stehen; Hertha hat aus Ausgabenplatz 17 den Tabellenplatz 6 gemacht; und auch das bis vor kurzem noch als so kommerziell gescholtene Hoffenheim machte aus den sechsthöchsten Transferausgaben nur Platz 14.

Ich weiß, ich weiß, es geht nicht nur ums Geld. Wie mich der Aufkleber am Red Bull Kühlschrank des Händlers meines Vertrauens immer wieder erinnert: Mit dem Kauf einer Dose Red Bull zerstören Sie deutsche Fußballkultur. Es geht den Fans um mehr als nur das Geld und auch um mehr als nur das Spielerische an sich. Was sie stört ist die Retortengeburt eines Vereins, der keine Tradition hat, anders als zum Beispiel Schalke oder selbst finanziell aufgepumpte Vereine wie Hoffenheim, die aber wenigstens seit 1899 im Geschäft sind. Das mag alles sein, aber wenn einem ein Verein nicht gefällt weil er keine Tradition hat, dann wird man halt kein Fan oder kein Mitglied von ihm. Ich sehe das Problem nicht. Ob ein Verein in der Bundesliga ist und ob er da sein darf, das entscheidet das Lizenzverfahren und die sportliche Leistung. Und die DFL hat es RB Leipzig dabei auch nie leicht gemacht.

Man soll mich nicht falsch verstehen, ich mag Vereine mit Tradition, ich mag Tradition ganz allgemein, aber nirgendwo ist das so irrelevant wie beim Sport an sich. Nein, das Traditionsargument ist ein Argument dagegen ein Fan zu werden, nicht gegen den Verein oder seine Legitimität. Alle Vereine waren mal neu, alle Traditionen haben sich erstmal entwickeln müssen (zum Beispiel die des 1. FC Saarbrücken permanent seine Fans zu enttäuschen). Tradition und sportliche Leistung sind getrennt. Der älteste Verein der Welt, der FC Sheffield, spielt achte englische Liga. Deutschlands älteste Kicker, BFC Germania 1888, spielen in Kreisliga B. Beide haben sicher eine tolle Tradition. Aber auch ein traditionsloser Retortenverein muss den Ball erstmal ins Tor kriegen, auch er darf nur 11 Spieler auf den Platz stellen, auch er kriegt nur 3 Punkte wenn er gewinnt. Wenn ich also Fan einer Mannschaft werden will, weil die Fankurve die geilsten Fans hat, dann gehe ich frühestens in ein paar Jahrzehnten zu RB Leipzig. Wenn ich Fan einer Mannschaft werden will, weil die richtig geilen Fußball spielt, dann vielleicht schon zur nächsten Saison.

Und die Anzeichen sind vielversprechend. Red Bull hat schon einen Mann aus dem Weltall auf die Erde geschmissen, ermöglicht bekloppten Leuten sich in den waghalsigsten Extremsportarten zu versuchen und neue Geräte dafür zu erfinden und und und. Bei RB Leipzig treffen Dauerkartenblock und „nur“ Fußballfans aufeinander. Wenn die Traditionalisten der Meinung sind, dass es der Verein nicht verdient hat in die erste Liga aufzusteigen, nun dann schaut, dass eure Jungs denen in den Arsch treten, deren Tor ist genauso breit wie alle anderen. Wenn es den anderen Vereinen nicht gelingt, dann hat RB Leipzig in jeder Hinsicht verdient dabei zu bleiben. Wie toll man deren Fankurve findet, ist völlig egal. Also, schon einmal im Voraus, wenn RB Leipzig dann schließlich Meister wird: Heult leise!

 

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