Seht da ist der Mensch – Der edle Wilde wird zum Heiligen

Es ist mal wieder Katholikentag, pünktlich zu Fronleichnam, wahrscheinlich dem katholischsten aller katholischen Feiertage. Beides wäre eine willkommene Gelegenheit für die katholische Kirche für sich und den Glauben zu werben, angesichts von über 200.000 Kirchenaustritten allein 2014 wäre das auch mehr als nötig. Doch wie schon zu vergangenen Katholikentagen, und noch in größerem Ausmaß bei den evangelischen Kirchentagen, handelt es sich um eine reine Politikveranstaltung die, wenn sie nicht in den entsprechenden Kostümen, in und um Kirchen und mit dem ein oder anderen Kreuz versehen stattfinden würde, wohl kaum als ein religiöses Ereignis wahrgenommen werden würde. „Der Mensch steht im Mittelpunkt. Wie wollen wir Menschen jetzt und in Zukunft miteinander leben? Wie begegnen wir als Christen den drängenden Fragen der Gegenwart? Fragen wie diese wollen wir gemeinsam mit Ihnen diskutieren.“ Heißt es auf der Internetseite des Katholikentages. Geht es auch noch ein Stück allgemeiner? Geht es noch ein bisschen mehr nach Wohlfühlseminar klingend?

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Schon das Motto des Katholikentages ist ein wenig überraschend. „Seht da ist der Mensch“ lautet es und es stammt aus dem Johannes-Evangelium 19 Vers 5. Es geht dabei um eine äußerst wichtige Szene. Jesus ist eben erst Pilatus vorgeführt worden, der ihn verhört hat, wobei sich Jesus selbst als König bekannt hat, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Pilatus fragt die Juden ob er Jesus frei lassen soll, entsprechend des Brauches zum Passah-Fest je einen Gefangenen frei zu lassen, doch die Menge will Barnabas, einen Mörder. Daraufhin beginnt das Martyrium Jesu. Er wird gegeißelt und geschlagen, er erhält seine Dornenkrone und einen Purpurmantel und die Soldaten verspotten ihn als den König der Juden. Pilatus führt den gepeinigten auf den Balkon zur großen Menge um zu zeigen, dass er selbst ihn nicht für schuldig hält und spricht „Seht da ist der Mensch“. Als Ecce Homo ist dieser Satz in die Geschichte eingegangen.

Über die Interpretation dieses Satzes prügeln sich die Gelehrten, wie bei so vielem aus der Bibel, seit Jahrhunderten. Stellt er Jesus als die Personifikation des menschlichen Leidens dar? Soll er Jesus‘ menschliche Seite betonen? Soll er sagen, dass Jesus ein Mensch ist, vielleicht sogar „nur“ ein Mensch? Oder ist er schlichtweg die unumwundene Aussage des Pilatus, dass hier ein Mensch steht, entweder um Mitleid zu erregen oder um klar zu stellen, dass es sich hier nicht um den König der Juden handelt? Ich bin kein Theologe, ich bin nur Christ und dann noch nicht einmal katholisch, also schaue ich mal auf die offizielle Seite des Katholikentages und klicke dort auf’s Leitwort. „Wenn Pontius Pilatus auf den gefolterten und verspotteten Jesus zeigte und sprach: „Seht, da ist der Mensch“, dann zeigte er damit auch auf all jene Menschen, die hängen gelassen wurden, draußen vor den Toren der Stadt, ausgegrenzt, am Ende.“ Aha, das ist der Kern des Katholikentages, ein durchaus ehrenwerter. Um die Schwachen soll es gehen. Doch was die katholische (und evangelische) Kirche derzeit daraus macht ist mehr als besorgniserregend.

Kardinal Woelki zelebriert den Fronleichnamsgottesdienst in Köln auf einem zum Altar umfunktionierten Flüchtlingsboot. Papst Franziskus, der Hippie mit dem Fischerring, lobt die Wahl des neuen muslimischen Bürgermeisters von London, fordert zur Lösung der niedrigen christlichen Geburtenrate eine muslimische Massenzuwanderung und zitiert ernsthaft den Libanon als Beispiel des friedlichen Zusammenlebens der Kulturen.  Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg (CDU), wird vom Cicero mit dem Satz zitiert: „Man muss sich davor hüten, es als typisch islamisch darzustellen, wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden.“
Was aus diesen Worten spricht, das ist, vielleicht überraschend, eine tiefe Verachtung gegenüber den Muslimen und dem Islam, ja genau genommen allem fremden allgemein. Die Christen suchen den Schwachen, den niedrigsten Nächsten, dem sie ihre Hilfe angedeihen lassen können um so ihre Pflicht zu erfüllen. Sie finden ihn eben nicht im Flüchtling, das wäre ja noch sehr gut nachvollziehbar, sie finden ihn im Moslem. Es ist die alte Geschichte vom edlen Wilden, vom armen, schwachen Moslem, die diesen schon seit kurz nach Wien 1683 zum harmlosen und vor allem schwachen Exoten machten. Im Denken der Gutmenschen, ein Wort das hier perfekt zutrifft, ist „der Moslem“ wie ein Kind, nicht fähig sich selbst zu helfen, für sich selbst zu sprechen und schon gar nicht fähig etwas Falsches oder Böses zu tun, denn es sind immer die äußeren Umstände, vor allem der Westen, die ihn dazu führen. Wie ein Blatt im Wind, ohne eigene Handlungsmacht, ist er des ständigen Schutzes und der Fürsprache seiner großen, christlichen Brüder und Schwestern bedürftig. Hegel rotiert im Grab.
Dabei entspringt diese Sicht nicht etwa aus einer objektiven Analyse der Situation aller Menschen auf der Welt, sondern auf einer rein politischen, aus der linken Ecke kommenden, fiktiven Pyramide der Unterdrückung. Frauen sind mehr unterdrückt als Männer, aber eine weiße Frau weniger als ein schwarzer Mann. Eine schwarze Lesbe hat es schwieriger als ein schwuler Jude, etc. etc. Je nach dem wie man es sieht hat es der Islam, zumindest ursprünglich nicht aus Eigenitiative, ganz nach oben bzw. unten gebracht und gilt als die große unterdrückte Gruppe der heutigen Zeit, gleichsam die schutzbedürftigste. Nur mit dieser Pyramide im Hinterkopf erklärt sich, warum die Kirchen sich ganz explizit nicht um die verfolgten Christen unter den Flüchtlingen kümmern, warum Papst Franziskus aus seinem „Frontbesuch“ in Griechenland nur muslimische Flüchtlinge mit in den Vatikan brachte, warum von allen Parteien ausgerechnet die AfD ausgeladen wurde, der Zentralrat der Muslime aber kommen durfte und warum man auch dem niemals geflüchteten und hoch privilegierten Sadiq Khan zu seiner Wahl zum Londoner Bürgermeister jubelnd gratuliert.

Und so hat sich die katholische Kirche, nur auf Grund des Feier- und Katholikentages derzeit prominenter als die evangelische, ihr neues goldenes Kalb geschaffen. Seht da ist der Mensch, der arme, der leidende, der schwächste der schwachen Menschen. Es soll uns auf Ewig Aufgabe sein ihm zu dienen. Das Christentum ist schon lange, dafür hat der „Schock“ der Aufklärung gesorgt, eine Religion geworden, der jenseits der karitativen Arbeiten, die eigentliche Verankerung im Diesseits fehlt. Würde sie ihren Auftrag ernst nehmen, so müsste sie gerade jetzt in eine Missionierungsoffensive gehen, müsste schon seit Jahrzehnten gegen den Zeitgeist wettern, und das nicht nur in gelegentlichen Wortmeldungen alternder Kardinäle, für die man sich sofort entschuldigt. Aber das bedeutet einerseits die Gefahr die bequemen gemachten Betten der Kirchensteuer zu riskieren, andererseits würde es auch vom einfachen Gläubigen verlangen ab und zu den Zorn Gottes, in Form seiner Diener, zu hören. Letzteres ist unangenehm und unpopulär. Sich aber um die Armen und Schwachen zu kümmern, das steht (unter anderem) in der Bibel und was kann besser und populärer sein. Wie das Amen in der Kirche, so muss der einfache Gläubige auch nur zustimmen oder nicht widersprechen um sich als Teil dieser Großzügigkeit zu fühlen, die mit seinen Kirchensteuern, Spenden und nochmal Steuern (über staatliche Aufträge), finanziert wird. Am Ende tanzt man glücklich und selbstzufrieden um den neuen Heiligen, den edlen Wilden. „Seht da ist der Mensch,“ ruft man und vergisst, dass dieser Mensch, dieser spezielle Mensch von dem eigentlich gesprochen wurde nicht nur Mensch, sondern auch Gott ist. Genau das macht das Ecce Homo von Pilatus so wichtig. Pilatus verkennt die Gottheit Jesu‘, er sieht nur den Menschen. Genau so sieht man hier nur was man sehen will. Nur ein Stück des göttlichen Auftrags an seine Kirchen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert und mit ganz menschlicher Politik umgedeutet. Am Ende bleibt ein milliardenschweres Wohlfühlprogramm, in dem nichts mehr zwingend aus dem Christentum hervor geht, das dem gefühlten Volksempfinden hinterher rennt. Heute für die muslimischen Flüchtlinge, morgen für wer weiß was.

 

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