Deutschland kollabiert – Das Ende der High-Trust Gesellschaft

Wenn ich in Deutschland über eine grüne Fußgängerampel gehe, dann schaue ich eigentlich nie nach rechts oder links. Ich vertraue darauf, dass sich die Autofahrer genauso an die Ampelsignale halten, wie ich das tue. Noch bin ich nicht überfahren worden. Allerdings mache ich ein paar Ausnahmen was das mit der Ampel angeht. Da ich an der französischen Grenze wohne, schaue ich nach links und rechts wenn ich in der Innenstadt, oder nah an der Grenze bin, also dort wo es wahrscheinlicher ist, dass ich auf französische Autofahrer treffe. Franzosen fahren im Prinzip nicht viel schlechter als Deutsche, viele Deutscher fahren schlechter als so mancher Franzose, aber die Bedingungen für den Führerschein sind niedriger und die Franzosen haben ein bischen weniger Skrupel vor dem Überfahren einer Ampel. Dahinter steckt kein böser Wille, das sind kulturelle Unterschiede. Aber da in meiner Stadt auch viel Franzosen fahren, kann ich dem Straßenverkehr ein klein bischen weniger trauen. Jetzt stellen sie sich mal vor was kulturelle Unterschiede bei wirklich wichtigen Problemen ausmachen…

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Uns Deutschen geht es noch gut. Seit mindestens zwei Generationen leben wir in einem historisch nahezu einmaligen Zustand, der, auch wenn dies so gut wie nie anerkannt wird, für die großen wirtschaftlichen und politischen Erfolge der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich ist: Deutschland ist eine High-Trust Gesellschaft. Das bedeutet, dass wir uns als Deutsche gegenseitig vertrauen. Das hat lange gedauert. Wie ich schon einmal beschrieben habe, ist der Weg zur geeinten Nation, auch im Inneren, keine Selbstverständlichkeit gewesen. Noch lange nach der Einigung Deutschlands 1870 waren sich z.B. Bayern und Preußen spinnefeind. Katholiken und Protestanten machten sich noch bis in die frühen Nachkriegsjahre das Leben schwer und die Älteren erinnern sich noch an die Zeiten als Studenten und junge Arbeiter gerne Mal alkoholgeschwänkert aufeinander los gingen, aus Klassengründen. Deutschland hat von 1918 bis 1933 in einem nahezu permanenten, mal stärkeren, mal schwächeren Bürgerkrieg gelebt, danach (für den Osten sogar bis 1990) in einem Klima des Misstrauens vor Spitzeln und Häschern.

Heute geht es uns noch gut. Wir Deutschen haben Religion, Konfession, Stammes- und Klassenzugehörigkeit und auch Diktaturen überwunden. Dazu sind wir ein sehr wohlhabendes Volk. Das alles schafft Vertrauen untereinander. Auch wenn wir das ein oder andere Vorurteil über z.B. Bayern haben, würden wir es doch nie ablehnen mit ihnen Handel zu treiben, würden uns nicht aufregen, wenn ein Bayer nebenan einzieht, oder verlangen, dass Bayern vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen werden. Der Grund ist simpel: Wir glauben (fast immer zu Recht), dass der Bayer mit einem fast identischen Wertbild (dem christlich-jüdischen), ähnlichen roten Linien in der Politik (der freiheitlich-demokratische Grundordnung) und dem gleichen Rechtsverständnis und auch in Kenntnis der Gesetzeslage aufgewachsen ist. Dazu sagt uns der hohe deutsche Lebensstandard, dass wir keine neidmotivierte Gewalt zu erwarten haben. In einer solchen Gesellschaft floriert nicht nur Handel und Kultur (weil beides nicht von vorneherein durch kulturelle Barrieren gebremst wird), sondern auch die Politik. Da wir von unseren Nächsten und Übernächsten nicht erwarten, dass sie unseren Grundwerten komplett konträr gegenüberstehen, lassen wir sie sich versammeln, frei reden, wählen und sich wählen lassen etc. In Gesellschaften in denen man sich misstraut kann z.B. eine friedliche Versammlung von Muslimen zu einer gewalttätigen Gegenreaktion von Christen und umgekehrt führen. Man muss sich nur mal die Stadt Jerusalem anschauen als extremes Beispiel einer Low-Trust Gesellschaft.

Der Gegenentwurf zur High-Trust Gesellschaft ist die multikulturelle Gesellschaft. All jenen, von denen wir wissen, dass sie nicht die selbe moralische und ethische Prägung erhalten haben wie wir, denen trauen wir erstmal weniger. In den meisten Fällen ist das unberechtigt. Nur weil jemand fremd ist heißt es nicht, dass er sich nicht in die Gesellschaft integrieren und auch (selbst wenn widerwillig) die Gestze und Sitten achten kann. Die meisten tun es. Aber es gibt eben auch die, die es nicht tun. Durch ihre kulturelle Prägung, vor allem bei stark religiösen Kulturen, geben sie ihre eigenen Ansichten eben nicht für die der neuen Heimat auf. Und sie verstoßen damit regelmäßig gegen Recht und Gesetz. Kommt dazu der kaputtgesparte und, in manchen Ecken, nicht mehr existente Rechtsstaat in Deutschland, so gibt es auch weniger Hemmschwellen für das Ausüben von Gewalt, wenn die Kultur diese schon rechtfertigt.

Das Resultat sind Ereignisse wie das am Kölner Hauptbahnhof an Silvester. Egal ob es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelte oder nicht, bisher heißt es von der Polizei, dass dem nicht so ist, übereinstimmend wird von Nordafrikanern gesprochen. Es gibt nichts in der DNA eines Nordafrikaners, die diese Männer zu Gewalttaten gegen Frauen aufstachelt. Es gibt sehr wohl so etwas in der islamisch geprägten Kultur dieser Länder. Die fundamentale Missachtung der Frau als gleichwertiger Mensch mit sexueller Selbstbestimmung, genauso die fundamentale Missachtung der Ungläubigen als gleichwertige Menschen, macht die freizügigen Frauen (die sich dies leisten können, weil sie ein Grundvertrauen in die Gesellschaft haben), gleich doppelt zu Opfern die es „verdient haben“. Hemmschwellen sinken. Gleichzeitig fehlt auch, wo schon die moralischen Grenzen gefallen sind, die Angst vor Strafverfolgung, aus Erfahrung.

Es steht mehr auf dem Spiel als „nur“ die Selbstbestimmung von Frauen an öffentlichen Plätzen, so wertvoll das ja allein schon ist. Die Missachtung deutscher Normen, Sitten und Gesetze, verbunden mit einem Kollaps des Rechtsstaats vor dieser neuen Situation, führt zu einer Gesellschaft in der das Vertrauen langsam aber sicher aus der Gesellschaft verschwindet. Es bilden sich wieder die Lager diverser gesellschaftlicher Konflikte, entlang ethnischer, religiöser, und auch politischer Linien, stetig neu fragmentiert. So lange die autochthonen Deutschen kein Vertrauen darin haben, dass auch in den diversen ausländischen Volksgruppen Straftäter verfolgt, verurteilt und geächtet werden, so lange werden sie mit Vorurteilen auf jeden reagieren, der mit dunklerer Hautfarbe, anderem Pass oder anderer Religion daherkommt. Das wird auch jene Immigranten verunsichern und ihr Vertrauen in die Gesellschaft erschüttern, die integriert sind und die nie straffällig geworden sind. Radikalisierungen, politisch und religiös, werden so erleichtert.

Wir bewegen uns Stück für Stück in Richtung einer Low-Trust Gesellschaft, nicht nur entlang ethnischer Grenzen. Die Kombination aus Euro- und Flüchtlingskrise lässt, durch das Anfeuern existentieller Ängste, allerlei Gräben aufspringen. Wo man sich, auch zum Beispiel innerhalb der autochthonen Bevölkerung, nicht mehr politisch vertraut, da wird politische Gewalt viel akzeptabler. Denn wieso sollte Gewalt nicht gerechtfertigt sein, wenn man doch in der eigenen Wahrnehmung gegen das drohende 4. Reich, die DDR 2.0 oder die EUdSSR vorgeht. Genauso importieren wir uns allerlei Konflikte, allein durch den Import aller Parteien der diversen Bürger- und Religionskriege der islamischen Welt.
Und wo wir unserer Gesellschaft die Lösung wirtschaftlicher und sozialer Konflikte nicht mehr selbst zutrauen, da müssen wir zwangsläufig immer und immer mehr Macht auf den Staat übertragen. Macht die er nur dort ausüben kann, wo er noch etwas zu sagen hat, also meist dort wo sie die falschen trifft (zum Beispiel durch Einschränkung der Privatsphäre oder Bürgerrechte). Und je nach demographischer und politischer Entwicklung steht diese Macht dann schnell heute noch unbekannten politischen Kräften zur Verfügung.

Es wird gefährlich. Selbstjustiz, lokale Bürgerkriege auf kleiner oder größerer Flamme, rechtsfreie Räume, Failed States mitten in Deutschland und nicht zuletzt enormer wirtschaftlicher Schaden drohen als ernstzunehmende Gefahr in Deutschland, wenn nicht gehandelt wird. Unsere innere und äußere Freiheit steht auf dem Spiel. Der Rechtsstaat muss wirksam und vertrauenswürdig sein, Integration kein Lippenbekenntnis. Dazu gehört auch die rigorose Anwendung des Asylrechts und die bedingungslose Abschiebung straffälliger Ausländer, sowie die strenge Verfolgung jedweden Extremismus im Lande. Mein persönliches Vertrauen, dass dies ernsthaft angegangen wird, schwindet.

 

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2 Kommentare

  1. Ein sehr guter Artikel, den ich sehr gern gelesen habe.

    Aus meiner Sicht ist die fortschreitende Erosion des Rechtsstaates das größte Problem, das wir derzeit zu vergegenwärtigen haben. Dieses Land mag nicht auf einen Bürgerkrieg zusteuern, aber die Entwicklung geht definitiv dahin, daß sich weite Teile der Bevölkerung radikalisieren und sich unversöhnliche Lager bilden, welche sich einem demokratischen Diskurs ebenso entziehen wie einem Konsens. Es ist ja ein Zeichen von Radikalismus, daß er für sich in Anspruch nimmt, alternativlos zu sein bzw. ohne Möglichkeit einer Variation – eine Alternative gibt es nur dann, wenn es zwei potentielle Antworten gibt, Varianten sind zahllos.

    In Bayern gab es letztens einen Vortrag des Justizministers, in dem es um Integration ging. Im Verlauf der Diskussion wies ihn ein syrischer Asylbewerber zutreffend darauf hin, daß es auch in Syrien unterschiedliche kulturelle Vorstellungen gibt und daß es auch dort Leute gibt, welche Frauen als gleichberechtigt ansehen und auch so behandeln. Der Umstand, daß es auch in Syrien nicht nur archaisch-patriarchalische Subkulturen gibt, sondern auch aufgeklärte Menschen, geht aus meiner Sicht in der Diskussion unter. Es wäre erforderlich, daß Integration von innen heraus gelebt und nicht nur gepredigt wird, reine Lippenbekenntnisse sind ebenso wenig zielführend wie die Unterzeichnung von „verbindlichen Integrationsbekundungen“ – pacta sunt servanda gilt auch für unser Zivilrecht, aber wenn dem so wäre, könnten wir große Teile der amtsgerichtlichen Tätigkeit einstellen.

    Für eine gelungene Integration wäre es also erforderlich, ganz klar zu sagen, wen wir als Einwanderer akzeptieren und wen nicht, aber das funktioniert ja leider nicht. Unsere Regierung behandelt ja inzwischen bereits jeden „Flüchtling“ als Einwanderer, da ihr bewußt ist, daß die größtenteils hier bleiben werden, aber gewollt sein kann das nicht. Eine Anpassung meiner Sichtweise an die Realität ist zwar durchaus opportun und besser als eine irreale Sichtweise auf die Dinge, aber andererseits wäre es doch wünschenswert, wenn wir klarmachen, daß es Voraussetzungen gibt, ohne deren Erfüllung ein Bleiberecht ausgeschlossen ist.

    Ebenso muß beachtet werden, daß unsere Verwaltung viel zu langsam ist, um mit den trickreichen „Einwanderern“ Schritt zu halten. Unsere Bürokratie wird nie so effektiv sein, daß sie jeden ausweisen kann, welcher ausgewiesen werden muß, aber es ist schon erschreckend, wie langsam sie ist – wir leiden nicht an einer fehlenden Effektivität der Legislative, sondern an einer Unfähigkeit der Exekutive, die bestehenden Gesetze auch umzusetzen. Es ist doch auch ein schlechter Witz, wenn man wirklich davon überzeugt ist, daß sich jemand durch einen bloßen Verwaltungsakt ausweisen läßt – wer alles aufgegeben hat, um hierher zu kommen, der bleibt auch dann, wenn man ihn ausweisen will.

    Abgesehen davon ist es der Mittelstand, der sich auf den Weg zu uns macht, und die „Ärmsten der Armen“ krepieren in Afrika. Anders läßt sich nicht erklären, wie die „Flüchtlinge“ den Weg zu uns zurückgelegt haben sollen, der ja doch sehr kostenintensiv ist. Die mangelhafte Abschiebepraxis schafft neben der sozialen Absicherung weitere Anreize, zu uns zu kommen und hier muß ebenfalls angesetzt werden. Selbst der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz sagte, daß wir nicht jeden aufnehmen können, da wir hierzu finanziell nicht in der Lage sind, auch wenn ich seinen Standpunkt der „eingeschränkten Barmherzigkeit“ aus rein dogmatischer Sicht nicht teilen kann. Unser Herr Jesus Christus predigt schließlich „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“, von einer Verhältnismäßigkeitsprüfung lesen wir hier nichts.

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