Monat: Oktober 2015

Das bisschen Marx an das jeder glaubt

Wenn Sie regelmäßig diesen Blog lesen und dabei wenigstens ab und zu zustimmend nicken, dann werden Sie wahrscheinlich kein Marxist sein. Ich hab nicht viel für Marx, Kommunismus, etc. übrig, das sollte inzwischen klar geworden sein. Allerdings gibt es ein hochinteressantes Element aus den Lehren des großen Philosophen, an das selbst ich noch bis vor wenigen Jahren geglaubt habe. Es ist nicht mal ein unwichtiger Nebengedanke irgendwo auf der letzten Seite von „Das Kapital“, es ist der entscheidende Punkt des ganzen wissenschaftlichen Sozialismus, die Idee auf der die ganze Autorität fußt die Marx noch heute hat. Dennoch sind wir uns nicht darüber bewusst, dass selbst die harten Konservativen, in und außerhalb der Parlamente, dieses Stückchen Marx fest in ihrem Weltbild stecken haben. Wenn das konservativ-liberale Lager Erfolg haben will, muss es sich davon frei machen.

Mir ist es schon passiert, Ihnen vielleicht auch: Man wird bei bestimmten politischen Haltungen als „Ewiggestriger“ bezeichnet. Ewiggestrig ist ein hochinteressanter Begriff. Weder wird an der Intelligenz der beleidigten Person gezweifelt, noch am Inhalt der gemachten Äußerung. Eine Position wird zurückgewiesen, nur weil sie alt ist, von gestern quasi. Ewiggestrig zu sein bedeutet schlichtweg auf Positionen zu beharren, die in der Vergangenheit (egal wie kürzlich) üblich waren, die teilweise sogar als allgemeingültig und völlig rational galten. Eine Idee zurückzuweisen, nur weil sie gestern aber nicht heute vertreten wurde scheint irrational, dennoch wirkt der Begriff. Wer will schon ewiggestrig, rückständig, von gestern, nicht mit der Zeit etc. sein. Doch woher kommt das eigentlich?

Schon vor Karl Marx gab es Sozialisten. Die waren aber eher utopische Fantasten, die wortwörtlich glaubten, dass in der Welt des Sozialismus Vögel gebraten in den offenen Mund fliegen. Dem setzte Karl Marx den wissenschaftlichen Sozialismus entgegen. Auch er glaubte an ein Paradies der Werktätigen, nur ohne Magie und Wunder. Außerdem fand er einen Mechanismus mit dem dies erreicht werden sollte: der historische Materialismus. Nach dieser Geschichtsauffassung sind die Produktion von Gütern, die Verteilung dieser Güter und die Besitzverteilung der Produktionsmittel, aus denen eine Klassengesellschaft bedingt wird, Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Sie ist eine Abfolge von Revolutionen in denen, einfach formuliert, die Arbeiter gegen die Besitzer der Produktionsmittel sind. Von Sklavenaufständen im Mittelalter, bis zu den Arbeiterkämpfen des Industriezeitalters. Diese Abfolge von Revolutionen würde zwangsläufig zum Sozialismus führen, früher oder später. Es ist wichtig zu bemerken, dass dies nicht eine interessante Idee oder Vermutung war, sondern laut Marx ein ehernes Naturgesetz, nicht weniger statisch als die Schwerkraft. Jede Gesellschaft bewegt sich zwangsläufig, wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Hindernissen, unaufhörlich Richtung Sozialismus, ohne Ausnahme.

Glaubt man also an das marxistische Geschichtsbild, dann macht „ewiggestrig“ Sinn. Wenn sich Gesellschaften (aus sozialistischer Sicht) immer von schlechter zu besser bewegen, dann muss eine Idee gut sein, wenn sie neu ist, und schlecht, wenn sie alt ist. Die Ideen von Marx sind dabei zwangsläufig natürlich ausgenommen… Es mag sein, dass man Rückschritte macht, wenn zum Beispiel eine Regierung bewusst sozialistische Reformen zurücknimmt, dann wird kurzfristig der gestrige Sozialismus wieder gut, aber auf lange Sicht schreitet alles voran. „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“, sagte Erich Honecker und er meinte das auch so.

Noch bis ins 19. Jahrhundert sah man das noch größtenteils umgekehrt. Vom Christentum geprägt, dass sein Wissen zwangsläufig aus der Vergangenheit, der Bibel, zog, war alles gut was althergebracht war. Noch bis 1806 konnte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches theoretisch neues Recht nur „finden“, also aus Traditionen und Gebräuchen ableiten, nicht einfach erschaffen. Das hat sich stark geändert. Spätestens nach der 68er Revolution und dem schweren Trauma des zweiten Weltkriegs, wegen dem man sich erstmals der Vergangenheit explizit schämte und sie verdammte, zog das marxistische Geschichtsbild in die Köpfe der Mehrheitsgesellschaft ein. In Kommentaren von Politikern und Journalisten hört man ständig, dass Länder mit der Zeit gehen, oder nun endlich im 21. Jahrhundert angekommen sind, wenn sie zum Beispiel die Homo-Ehe legalisieren. Andere Länder, zum Beispiel Russland, gelten als gesellschaftlich rückständig, manche Regionen, wie zum Beispiel der amerikanische Süden gelten als nahezu mittelalterlich. Wieder keine inhaltliche Kritik, schlichtweg die Verurteilung von Ideen und Ansichten auf Grund ihres Alters.

Man könnte gute Gründe dafür finden alte Ansichten zu verurteilen und das wird auch gemacht. Es gibt zumeist den Verweis auf den Rassismus, die Unfreiheit, Armut, technologische Rückständigkeit und natürlich Gewalt der Vergangenheit. Aber in der Vergangenheit liegen auch Ideen wie die Menschenrechte, klassischer Liberalismus, unbedingte Meinungsfreiheit, die Freihandel, die doppelte Buchführung, die Dreifelderwirtschaft und so weiter und so fort. Genau genommen liegen alle Ideen zwangsläufig in der Vergangenheit. Weist man zum Beispiel den Rassismus zurück weil Opa noch dran glaubt, aber man selbst nicht mehr, dann hat man sich nicht mit ihm auseinandergesetzt und kann ihn deswegen niemandem ausreden, der den marxschen Determinismus nicht teilt.

Aber wir teilen ihn. Er ist heute, implizit, Teil der Gesellschaft. Jede konservative und viele liberale Positionen werden regelmäßig von konservativen und liberalen Parteien fallen gelassen, weil man halt mit der Zeit gehen muss. Man kann heute einfach nicht mehr für die klassische Ehe stehen, für den freien Markt, für Meinungsfreiheit etc., denn das ist nicht mehr zeitgemäß. Man ist vom gesellschaftlichen Fortschritt (der als Naturgewalt akzeptiert wird) überrollt und fügt sich in sein Schicksal. Damit sind die linken Positionen von heute die konservativen Positionen von morgen und der gesellschaftliche Abschaum von übermorgen. Jeden Tag ein kleiner Schritt mehr, man kann sich drauf verlassen, dass die konservativen Kräfte nie mehr als 2-3 Schritte zurück gehen, oder den nächsten Schritt vielleicht nur hinauszögern wollen.

Die richtige Antwort auf „Du bist ewiggestrig“ ist „und?“. Das Argument ist inhaltslos, absolut leer und schwach. Kein Politiker sollte sich von ihm auch nur ansatzweise antreiben lassen. Eine Idee ist gut oder schlecht, weil sie gut oder schlecht ist, gute oder schlechte Ergebnisse hervorbringt bzw. hervorgebracht hat, mit guten oder schlechten Beweisen untermauert wird, etc. aus keinem anderen Grund. Es gibt an sich keinen Grund nicht zu irgendeiner Gesellschaftsordnungen vom Steinzeit-Clan bis zur Spießer-Republik Westdeutschland zurückzukehren, so lange man das Volk davon mit guten Argumenten überzeugen kann. Die Konservativen können zur Wertewelt der Nachkriegszeit zurück, die Liberalen zur Wirtschaftspolitik des Kaiserreiches. Sie können es, wenn sie nur wollen und aufhören zu glauben, dass politische Zeitreisen nicht möglich sind.

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60 Jahre Saarabstimmung – Was feiert Merkel denn da?

Am 23. Oktober ist es soweit: Das Saarland feiert 60 Jahre Saarabstimmung. Ich feiere auch, allerdings nicht beim offiziellen Festakt, da tritt nämlich Merkel auf und seit meiner Zeit in der Jungen Union und CDU, als ich Angela Merkel noch die Hand geschüttelt habe, ist doch einiges passiert. Das muss ich mir nicht unbedingt antun. Sie feiert im großen Staatsakt mit Annegret Kramp-Karrenbauer, unserer Ministerpräsidentin, die kleine Wiedervereinigung aus dem Jahr 1959, beziehungsweise die Volksabstimmung am 23. Oktober 1955, die dazu führte. Falls Sie als Leser jetzt nicht das Privileg haben sollten aus dem Saarland zu kommen, sollte ich vielleicht kurz erklären worum es damals ging und warum Angela Merkel das heute eigentlich gar nicht feiern dürfte.

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Das Saarland wurde zweimal aus Deutschland herausgelöst. Einmal nach dem ersten und einmal nach dem zweiten Weltkrieg. Beim ersten Mal hat man es unter Verwaltung des Völkerbundes gestellt und den Franzosen die Hoheit über die Wirtschaft gegeben. Nach einer, im Versailler Vertrag festgeschriebenen, Volksabstimmung am 13. Januar 1935 entschieden sich die Saarländer mit über 90% wieder Teil des deutschen Reiches zu werden. Darum geht es aber im diesjährigen Festakt nicht, zumindest nicht hauptsächlich. Es geht um die zweite Saarabstimmung, die sah etwas anders aus: Im Jahr 1947 wurde das Saarland, beziehungsweise der Saarstaat, als nominell unabhängige Nation gegründet, noch vor der BRD oder der DDR. Faktisch war der Saarstaat ein französischer Vasall, aber einigermaßen unabhängig verfasst. Man hatte zwar keine eigene Armee, nur eine an den Franc gekoppelte Währung (den Saarfranken) und natürlich den Vorbehalt der französischen Besatzungsmacht, aber dafür immerhin eine vergleichsweise freie Demokratie. So lange man nicht dafür war, dass das Saarland wieder deutsch wird, konnte man Parteien gründen, Demonstrationen veranstalten, Zeitungsartikel schreiben etc. Besonders im Gedächtnis, neben der saarländischen Olympiamannschaft 1952, ist bis heute die saarländische Fußballnationalmannschaft. Sie wurde in der WM-Qualifikation 1954 ausgerechnet mit Deutschland in eine Gruppe gelost und musste sich schließlich, kurz vor der fast sicheren Teilnahme, im Ludwigsparkstadion mit 3:1 den Deutschen geschlagen geben. Die wurden Weltmeister, nicht wir, obwohl unser Trainer Helmut Schön war.

Anders als das, auf 15 Jahre beschränkte, Saargebiet nach dem ersten Weltkrieg, war der Saarstaat für die Ewigkeit geplant. Aber es kam anders. Langsam aber sicher begann man, geführt von der BRD und Frankreich, europäische Institutionen aufzubauen. Die ersten Schritte auf dem langen Weg an dessen Ende heute die EU steht. Sehr früh stellte sich die Frage, wohin die Hauptsitze dieser neuen Institutionen kommen sollten. So europäisch man dachte, die Realität der Geographie zwang jedes Mal zu dieser Entscheidung. Ein kurzer Blick auf die Karte brachte eine offensichtliche Lösung: Dort, genau zwischen Deutschland und Frankreich, lag das Saarland. Französischer Oberbefehl, deutsche Bevölkerung. Neutral, ohne Armee, klein, aber genau groß genug für das angedachte Projekt. Konrad Adenauer war bereit das Saarland auf dem Altar des Friedens und der Westintegration zu opfern, auch wenn es damals noch wegen seiner Kohle und Schwerindustrie ein äußerst bedeutendes Wirtschaftsgebiet war.

Also schlossen die BRD und Frankreich einen Vertrag, den Vertrag über den zukünftigen Status des Saarlandes, kurz Saarstatut genannt. In diesem Vertrag standen viele Dinge, die Kernpunkte waren aber folgende: Das Saarland wird der Sitz aller existierenden und zukünftig zu gründenden europäischen Institutionen. Dafür muss das Saarland auf ewig neutral und eigenstaatlich bleiben, aber seine deutsche Kultur wird garantiert. Damit man sich nicht den Vorwurf machen kann hier über die Köpfe hunderttausender Menschen hinweg entscheiden zu haben, sollte alles durch eine Volksabstimmung genehmigt werden. Am 23. Oktober 1955 fand diese statt. Die Frage war ausschließlich eine Zustimmung zum Saarstatut oder nicht, nichts mehr und nichts weniger. Zur Überraschung aller Akteure, auch Adenauers, der für das Statut geworben hatte, entschieden sich die Saarländer mit über 2/3 gegen das Saarstatut und damit gegen die Europäisierung des Saarlandes. Theoretisch bedeutete das nur eine Rückkehr zum Status Quo, aber es waren überraschenderweise die Franzosen, die den Schluss zogen, dass das Saarland besser deutsch werden sollte. 1957 wurden wir das 11. und damit neueste der alten Bundesländer.

Manchmal trauern die Saarländer dieser Entscheidung noch nach. Wir könnten heute eine hochkonzentrierte Mischung aus Brüssel, Straßbourg, Luxemburg und Frankfurt sein, anstatt dem kleinsten Flächenland Deutschlands. Aber die Entscheidung von 1955 ist durchaus nachzuvollziehen, wenn man bedingt wie wenig weit das europäische Projekt vorangeschritten war. Effektiv bedeutete das Saarstatut für die Saarländer damals folgendes: Ihr dürft nie wieder deutsch sein, aber dafür bekommt ihr ein neues Hochhaus.

Damals entschieden sich die Saarländer aber noch für viel mehr: Sie befanden die Zugehörigkeit zu ihrer Nation, aus der man sie ungefragt gerissen hatte, für wichtiger als die Teilnahme an einem Großeuropa. Konrad Adenauer, der Mann dessen Ölgemälde hinter ihrem Schreibtisch im Büro hängt, hatte aktiv dafür geworben, dass Deutsche ihre Nationalität aufgeben, damit dieses „Friedensprojekt“ voranschreiten konnte. Aber die Saarländer sagten Nein, sie wollten das nicht, sie wollten Deutsche sein und man hat auf sie gehört. Diese Zeiten sind leider vorbei. Bei den Volksabstimmungen zur EU-Verfassung fragte man die Deutschen schon zur Sicherheit gar nicht mehr. Die Franzosen und die Niederländer fragte man, sie sagten Nein. Luxemburg und Spanien stimmten zu, in Irland aber, als sich ein Nein abzeichnete, sagte man die Volksabstimmung zur Sicherheit ab. Genauso in Tschechien, Dänemark, Polen, Portugal und Großbritannien. In allen anderen Ländern fragte man das Volk nicht. Das Projekt wurde natürlich trotzdem durchgezogen. Genauso gab es keine Volksabstimmungen zur Einführung des Euro, mit Kalkül, wie Helmuth Kohl später zugab. Und jetzt steht in Großbritannien eine Abstimmung über den Verbleib in der EU an und es steht hart auf der Kippe.

Wenn man die Menschen fragt, dann wollen sie nicht Teil eines Superstaats sein, oder ihre Nationalität für ein Friedensprojekt aufgeben, dass nur in den Köpfen von Politikern existiert. Das Volk ist nur in den Augen derer dumm, die konstant gegen das Volk arbeiten wollen. Akademiker, Intellektuelle, Berufspolitiker seit der Jugend, die in ihren Elfenbeintürmen, wohlwollend aber abgeschottet, mit einer Arroganz aufs Volk herabblicken, die an absolutistische Monarchen erinnert. Das dumme Volk hat seine beschränkten Ansichten nicht dem einzig wahren, goldenen Weg in den Frieden entgegenzustellen.

Am 23. Oktober 1955 feiert Angela Merkel die einzige Volksabstimmung, die Deutsche jemals darüber hatten ob sie deutsch oder europäisch sein wollten. Und diese Abstimmung hat ihre Partei, ihr großes Idol und ihr Gedankengut haushoch verloren. Es war nicht mal knapp. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn man dem Volk nochmal die freie Entscheidung lassen würde. Gott sei Dank haben wir Politiker, die das für uns tun.

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Aufpassen AfD! – Wer will schon Volkspartei sein?

Die Herbstoffensive der Alternative für Deutschland ist ein spektakulärer Erfolg geworden. Innerhalb weniger Wochen schnellte die Partei von teilweise unter 3% auf 7,5% bundesweit und doppelt so viel in Thüringen. Die Demos gegen das Asylchaos ziehen 10.000 Leute an und 40 Neumitglieder pro Tag machen die Verluste des Lagerkampfes im vergangenen Sommer wieder gut. Außerdem war die politische Lage nie so positiv. Die Asylkrise liefert nicht nur einen Ansatzpunkt nach dem anderen, sie zwingt die Altparteien auch dazu, dass sie die Realität anerkennen und stückweise AfD-Forderungen, die noch bis vor kurzem als nationalsozialistische Wiederbetätigung galten, übernimmt und in die Realität umsetzt. Eine besondere Freude war es mir persönlich im Radio zu hören, wie in den Nachrichten von den extremen Forderungen der AfD Saar, zum Beispiel die Schließung der Grenzen, berichtet und eine Stunde später vermeldet wurde, dass die Bundesregierung die Grenze zu Österreich schließt. Die AfD macht anscheinend alles richtig… Anscheinend.

Es muss schon viel passieren, damit die Junge Freiheit die AfD richtig auseinander nimmt. Nach Björn Höckes Auftritt bei Günther Jauch am vergangenen Sonntag ist aber genau das passiert. Zu seinem Auftritt kann viel gesagt werden. Natürlich war es wieder ein extrem unfairer Talk. Nach bewährtem 4 gegen 1 Prinzip war die Sendung von vorne herein als mediale Hinrichtung geplant. Das Thema, es ging um Hetzer und geistige Brandstifter, war von vorneherein darauf zugeschnitten ihn als einen davon zu brandmarken. Aus dem Kontext gerissene, gekürzte Ausschnitte von seinen Reden lieferten die Munition für vier Gegenredner, selbst Jauch verließ seine offiziell neutrale Position. Und bei aller Kritik an Höcke, die mediale Berichterstattung über seinen Auftritt überschritt jedes journalistische Maß. Aber all das ist weder neu, noch überraschend. Kein Vertreter der AfD ist seit der Parteigründung jemals anders behandelt worden. Die AfD kennt das und die Vergangenheit hat bewiesen, dass sie das auch kann. Nach den erwartbaren Problemen für Lucke und Co am Anfang der Partei, sind inzwischen vor allem Gauland und Petry Medienprofis geworden. Bisher gelang es zumeist den Spieß umzudrehen und die wenigen Minuten Redezeit dafür zu verwenden, die Lösungsvorschläge der AfD darzustellen, die Heuchelei der Parteien, die AfD-Programmpunkte übernehmen und schließlich die Ungleichheit der Propagandasendungen darzustellen. Höcke ist im besten Fall nur Letzeres gelungen, besonders mit der Forderung wenigstens 50% der Redezeit zu haben, wenn es schon 4 gegen 1 steht.

Ich will nicht nur auf Höcke rumhacken. Immerhin hat er auch schon große Souveränität in vorherigen Talkshows bewiesen. Sein Auftritt war nur Symptom eines komplett neuen Problems, dass die AfD so noch nie hatte: Sie ist erfolgreich! 7,5% sind durchaus beeindruckend, andererseits sind sie auch nur 2,5% über der 5%-Hürde. Außerdem spielt sich zur Zeit eine politische Katastrophenlage ab, die eines der Hauptthemen der Partei stetig auf den ersten Seiten der Zeitungen und am Beginn der Tagesschau hält. Man kommt einfach zur Zeit nicht mit Todschweigen, der bisher mächtigsten Waffe gegen die Alternative, hin, das Thema ist zu präsent.

Schon ruft sich die AfD zur Volkspartei aus. Tut mir Leid, bei aller Liebe, das ist sie noch nicht. 7,5% sind genauso wenig Volkspartei, wie die 9,5% der Grünen und Linken. Die AfD kann irgendwann einmal zur Volkspartei werden, das stelle ich gar nicht in Frage, aber dafür ist es noch viel zu früh. Was die AfD ist, und momentan auch dringend sein muss, ist die Interessenvertretung des national-liberalen und national-konservativen Kurses, der von CDU und FDP seit ungefähr 20 stetig weniger vertreten wird. Sie dient als ein wählbares und respektables Sammelbecken für all jene, die von den Altparteien nicht mehr vertreten werden, aber bisher nur radikale und undemokratische Parteien rechts der CDU vorfanden.

Wer will schon Volkspartei sein? Eine Volkspartei ist genau das was die CDU und in geringerem Maße die SPD heute ist. Die Tagespolitik wird von Umfragen und häufig geteilten Leitartikeln bestimmt, nicht von irgendeiner Form von politischer Überzeugung. Wer heute eine Volkspartei wählt, der spielt Lotto. Was immer im Wahlprogramm steht kann schon morgen hinfällig sein, weil man, aus Angst ein paar Prozentpunkte zu verlieren, der durchs Dorf getriebenen Sau hinterher rennt. Wenn man dabei mal etwas falsch macht, wie die CDU derzeit in der Asylfrage, verliert man ein paar Prozent, beim nächsten Mal kann man sie vielleicht wieder holen, das ist nicht dramatisch. Was aber passiert, wenn eine kleine Partei das selbe probiert, dann kommt die FDP dabei heraus. Kein nachvollziehbares Profil, täglich wechselnde Tagespolitik und der erste richtige Fehler schießt die Partei aus dem Parlament.

Die AfD hat derzeit keinen Grund Volkspartei zu sein, abgesehen vom möglichen Prestige der Bezeichnung. Wie die Grünen, die Linken und früher mal die FDP, treibt sie bereits jetzt, ohne im Bundestag zu sein, die großen Parteien vor sich her. Jeder Stimme, die sie den Altparteien abluchst, hecheln diese hinterher. So wie die Linkspartei die SPD nach links zog, die Grünen die CDU zur Anti-Atom-Partei machten, so sorgt die Alternative im Parteienspektrum dafür, dass die bisher ignorierten Programmpunkte einen Platz auf dem Wahlzettel haben.

Wenn die AfD irgendwann mal Volkspartei sein sollte, dann kann sie sich auch so benehmen, aber sie ist es nicht. Das scheint man angesichts der aktuellen Erfolge vergessen haben. Man hat nur eine Minderheit der Bevölkerung für seine Positionen eingenommen. Die Sympathisanten, die ihr Kreuz noch nicht hier machen, sind ein Symptom der trägen und vorsichtigen Bundesrepublik Deutschland. Noch ist jedes Projekt rechts der CDU gescheitert und noch ist die Nazi-Keule nicht ganz abgenutzt. Was die AfD bisher anders und richtig gemacht hat als alle vor ihr, war es eine klare Trennlinie zu rechten Spinnern zu ziehen und ernsthafte Politiker in ihre Reihen zu holen. Der Nazi-Vorwurf perlte nicht ab, weil im Programm keine Nazi-Punkte standen (das hat noch niemandem geholfen), sondern weil vernünftige Menschen mit vernünftigen Auftritten respektabel wirkten und gerade deswegen die medialen Attacken der „Lügenpresse“ als unvernünftig und unglaubwürdig offenbarten. Das ist das stabile Erfolgsrezept der AfD.

Höcke hat wochenlang vor immer größeren Demonstrationen gesprochen und dabei immer mehr Beifall geerntet. Dabei scheint er vergessen zu haben, dass es sich um Leute handelte, die ihm schon zustimmen, die er nicht mehr überzeugen musste. Das Gefühl Volkspartei zu sein, darf die AfD nicht vergessen lassen, dass sie noch den Großteil der Bevölkerung zu überzeugen haben. Es geht dabei nicht um das was, sondern um das wie. Es geht darum berechtigte Positionen zu verteidigen, ohne sich unberechtigter, aber definitiv existenter und wirkungsvoller Vorwürfe auszusetzen. Bisher hat die AfD das sehr gut hinbekommen. Wenn Höckes Auftritt ein Einzelfall bleibt, dann wird es vielleicht mal was mit der Volkspartei. Man kann es nur hoffen.

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Was macht eigentlich … ein Preis?

Schaut man in die Welt der Wirtschaft dieser Tage, so könnte man meinen, dass der Preis eines Produktes oder einer Dienstleistung nur insofern wichtig ist, dass man halt wissen muss wie viele Münzen und Scheine man am Ende des Einkaufes vorlegen muss. Abgesehen davon hat man vielleicht mal in der Schule dieses nette Schaubild von Angebot und Nachfrage gesehen, dass besagt, dass sich Angebot und Nachfrage bei einem bestimmten Preis in der Waage halten und das ist dann der Marktpreis. Ansonsten scheinen Preise sehr beliebig geworden zu sein. Immer öfter werden Preise manipuliert oder gar festgesetzt. Prominente Beispiele sind Zinsen (der Preis für allerlei Finanzdienstleistungen) oder Löhne (der Preis für Arbeitskraft). Beide sind staatlich festgelegt, bzw. auf bestimmte Spannweiten beschränkt. Andere Preise werden durch Steuern massiv und ungleich erhöht (z.B. Zigaretten), durch künstliche Verknappung hochgehalten (z.B. bis kürzlich noch die Milch durch die Milchquote), oder durch Subventionen und Steuervorteile im Verhältnis verbilligt (z.B. Öko-Strom). Der Staat scheint zu glauben, dass ein Preis nur eine zufällige Zahl ist, an der man beliebig drehen kann. Leider hat die weitreichende Preismanipulation echte Konsequenzen. Um zu sehen warum, muss man wissen was ein Preis eigentlich macht.

 

Stellen Sie sich vor, dass Ihnen eine kleine Spedition gehört. Ihre LKW-Flotte braucht viele Dinge um flüssig zu laufen, zum Beispiel Reifen, Benzin, Ersatzteile, Fahrer, Kartenmaterial, Autobatterien, Spesen für die Raststätte, etc. Bleiben wir für dieses Beispiel mal bei den Reifen. Diese müssen ersetzt werden. Aber wann? Man könnte die Reifen ja zum Beispiel nach jeder Tour ersetzen, das erhöht die Sicherheit. Oder man wartet bis sie total durchgefahren sind und ersetzt sie erst dann. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Aber wo? Sie sind ja nicht der einzige Reifenkunde auf der Welt und die Menge an Reifen ist endlich. Wenn Sie langfristig planen wollen und immer genug Reifen für ihre Flotte bereit haben müssen, dann dürfen Sie nie vor der Situation stehen, dass sie eines Tages die alten Reifen weggeschmissen haben, aber keine neuen mehr im Laden finden. Also sollten Sie die Weltproduktion an Reifen kennen um zu wissen wann eine Knappheit droht und sie ihre Reifen länger drauf lassen müssen. Aber um die Weltproduktion an Reifen zu kennen, müssen Sie wissen wie dieses Jahr die Rohgummi-Ernte in Asien ausfiel, bzw. ausfallen wird. Also müssen Sie wissen ob die Plantagenarbeiter da vielleicht streiken wollen, ob eine Naturkatastrophen droht, ob Krieg herrscht, ob vielleicht ein Frachtschiff voll Kautschuk unterwegs gesunken ist, ob ein Güterzug auf dem halben Weg zur Reifenfabrik entgleist ist, ob die Stromversorgung der Fabrik stabil ist etc. Sie müssen auch wissen ob vielleicht eine Knappheit bei Schiffsdiesel droht, so dass die Frachtschiffe im Hafen bleiben und dazu müssen Sie den ganzen Produktionsprozess von Schiffsdiesel kennen. Sie müssen auch wissen ob die Maschinen in der Reifenfabrik zuverlässig laufen und dazu den ganzen Produktionsprozess dieser Maschinen kennen, dazu aber auch den vollen Weg von der Erzgrube zur Maschinenfabrik im Auge behalten… Und das ist nur das Thema Reifen. Sie können diese unendliche Reihe auch beim LKW-Diesel, bei der Autobatterie oder beim Navi beginnen. Ist das realistisch? Kennen Sie einen Spediteur, der das alles im Auge behält?

Natürlich wird Ihnen kein Spediteur sagen können welche Gefahr seinem Unternehmen vom aktuellen Gewerkschaftsführer in Malaysia oder einem Tiefdruckgebiet im indischen Ozean droht. Das muss er auch nicht. Preise dienen als pfeilschnelle Information. Wird weniger Kautschuk geerntet, dann haben die Besitzer der Plantagen ein Interesse daran ihren üblichen Gewinn zu halten. Da die Nachfrage gleich bleibt, können sie es sich leisten die Preise für Kautschuk zu erhöhen. Diese Preiserhöhung wird von Kunde zu Kunde weitergegeben, da jeder seine Gewinne erhalten will. Schließlich steht ein teurerer Reifen im Laden. Warum weiß der Spediteur vielleicht gar nicht, das muss ihn aber auch in keinster Weise interessieren. Das einzige was für ihn wichtig ist, das ist der Gewinn des eigenen Unternehmens. Er kann mit dem neuen Preis rechnen. Lässt er seine Reifen ein paar Fahrten länger drauf, dann erhöht sich der Kraftstoffverbrauch, eventuell verringert sich die Transportgeschwindigkeit, im schlimmsten Fall sind sogar Kosten durch Unfälle zu befürchten. Diesen Mehrkosten können die Mehrkosten für Reifen entgegengesetzt werden. Ein Mittelweg wird gefunden, ab dem sich die erhöhten Kosten pro Fahrt durch den Kauf von weniger Reifen amortisiert haben. Da die meisten Spediteure so rechnen werden, sinkt die gesamte Nachfrage an Reifen. Am Ende der Reifenknappheit hat jeder Spediteur somit, ohne zentrale Koordination, nur durch die Informationen, die, in Preisen versteckt, durch den Markt hallen, genug Reifen gehabt.

Ein zentraler Planer, zum Beispiel der Staat, kann das schlichtweg nicht. Selbst wenn ein Spezialist tatsächlich alles über die Welt der Reifen weiß, muss er gleichzeitig auch jedes Detail über alle anderen Aspekte aller Unternehmen wissen, die Reifen benötigen. Dann muss er bei jedem Unternehmen den Geschäftsplan im Detail kennen, sowie Zusatzinfos wie zum Beispiel die Art der Ladung, die Transportrouten etc., also alles was den Reifenverschleiß beeinflussen kann. Irgendwann ist man dann an dem Punkt angekommen, an dem jeder Unternehmer einfach seinen konkreten Bedarf an eine zentrale, verteilende Stelle meldet und seinen Reifensatz genau passend bekommt, aber dann hat man nur eine teure Zentralplanungsbehörde zwischen Käufer und Verkäufer geschaltet, ohne sonstige Änderungen im Betriebsablauf.

Jede weitere Preismanipulation, egal in welche Richtung, zerstört den Informationswert in den Preisen. Dadurch schafft er Mangel oder Überangebote, je nachdem ob die Preise gesenkt oder erhöht werden. Aber dazu habe ich bereits einmal geschrieben. Wichtiger ist, was diese Preismanipulationen für eine Rolle in Wirtschaftskrisen spielen. Der Zins ist hier das beste Beispiel. Er wird schon seit vielen Jahren künstlich niedrig gehalten. Dadurch sinkt der Preis und damit das Risiko von Investitionen, zumindest augenscheinlich. Normalerweise würde ein niedriger Zins folgende Informationen enthalten:

  • Finanzinstitute schätzen die Wirtschaftslage positiv ein. Sie sind deshalb bereit einen geringeren Preis für Kredite zu verlangen, da sie eine Rückzahlung für wahrscheinlich halten.
  • Die Kunden im jeweiligen Markt sind nicht 100% zufrieden mit dem aktuellen Angebot an Produkten und Dienstleistungen, deshalb geben sie nicht all ihr Geld aus, sondern lassen einen Teil auf dem Konto. Dadurch haben die Banken mehr Geld zur Verfügung, dass sie verleihen können, dadurch wird es aber auch wahrscheinlicher, dass eine neue Investition Erfolg hat, weil Kunden nach Neuem verlangen
  • Andere Unternehmen investieren derzeit nicht viel, deshalb ist Kredit billig verfügbar. Es sind also auch die nötigen Rohstoffe zur Investition zahlreich vorhanden.

Wird der Zins aber künstlich niedrig gehalten, in dem die Zentralbanken ständig neu gedrucktes Geld nachschieben, werden die selben Informationen weiter vermittelt, einfach dadurch, dass Unternehmer eine Investition als relativ risikolos wahrnehmen, auch wenn sie die oben genannten Punkte nicht im Detail bewusst wahrnehmen. Also investieren viel zu viele Marktteilnehmer gleichzeitig in die selben Branchen, so geschehen zum Beispiel im Bauboom in Spanien in den 2000ern. Es gab schließlich einerseits nicht die nötigen Kunden um profitabel zu bleiben, andererseits teilweise nicht mal die nötigen Rohstoffe um die Bauten (zumindest zum geplanten Preis) zu vollenden.

Am Ende steht eine kaputte Ampel. Die Regierungen dieser Welt und ihre Zentralbanken haben gemerkt, dass rote Ampeln den Verkehrsfluss aufhalten und alles auf Grün gestellt. Eine Zeit lang floss der Verkehr tatsächlich schneller, aber dann gab es die ersten Unfälle und jetzt steht die ganze Kreuzung voller Autowracks. Jetzt traut sich kaum noch jemand zu fahren, weil sie wissen, dass man der Ampel nicht mehr trauen kann. Die Reaktionen der Regierungen der Welt war es die Lichter in der grünen Ampel noch ein wenig heller zu machen. Wo kämen wir denn sonst hin?

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Merkel – Die Vaterlandslose Gesellin

Mit „Vaterlandslose Gesellen“ hat man früher die Sozialdemokraten und Sozialisten beschimpft. Das hatte weniger damit zu tun, dass sie unpatriotisch waren, das waren auch andere Gruppen, es bedeutete wortwörtlich, dass diese kein Vaterland haben. Wer an den Sozialismus glaubt, mit Ausnahme natürlich der expliziten National-Sozialisten, hat kein Vaterland, kennt kein Volk und keine Nation, sondern ist der Internationalen verpflichten, Klasse statt Volk. Merkel, da bin ich mir sicher, ist keine Sozialistin, wenn dann eine Sozialdemokratin, aber im heutigen Sinne, nach dem Godesberger Programm. Ein wirkliches Klassenbewusstsein, oder eine gezielte Klassenpolitik will ich ihr und ihren Genossen in der Regierung gar nicht nachsagen. Das Problem liegt anders, aber mit starkem Bezug zum Sozialismus.

 

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Photographer: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

 

Die frühen Jahre der Kanzlerin sind in der aktuellen Diskussion, in der sie erstmals wirklich Gefahr läuft ihren eisernen Griff vom Thron lösen zu müssen, absolut nicht präsent. Sie verdienen aber eine Betrachtung, denn die prägenden Jahre von Kindheit und Jugend gehen an niemandem spurlos vorbei. Angela Merkel ist die Tochter eines seltenen Exemplars, eines BRD-Bürgers, der in die DDR übergesiedelt ist. Man kann sich also nicht vorstellen, dass der Haushalt sehr systemkritisch war. Im Gegenteil. In ihrer Schulzeit und auch an der Universität wird sie als sehr gut integriert und unauffällig bezeichnet. Der ungewöhnlichste, unangepassteste Vorfall ihrer Kindheit ist eine kirchliche Konfirmation, statt einer Jugendweihe, nicht sehr verwunderlich für einen Pfarrershaushalt. Aber all das ist kein starkes Argument dafür, dass sie tief drin eigentlich die Wiedergeburt von Erich Honecker ist. Ihre Angepasstheit, sowie ihre Teilnahme in der FDJ, auch als AgitProp Beauftragte, sind schlichtweg Überlebensstrategien in einer Diktatur. Es gibt genauso wenig Anzeichen für eine besondere Regimetreue. Entscheidend ist nicht, was sie in ihrer Zeit in der DDR gelernt hat, man kann immer das Gelernte in Frage stellen. Ihre Zeit im Demokratischen Aufbruch scheint das zu bestätigen. Entscheidend ist was Merkel nicht gelernt hat.

Der Sozialismus ist Leitidee der DDR gewesen und mit ihm der internationale Gedanke und die Bürokratie. Im Denken der SED-Führung war ihr Land eine Verwaltungseinheit im Rahmen der Diktatur des Proletariats. Selbst wenn die alten Männer im Staatsrat nur machthungrig waren und nicht an ihren eigenen Mist geglaubt haben, blieb der Nationalgedanke dennoch vollständig außen vor, besonders im geteilten Deutschland. Es ist schwer vorstellbar, dass Angela Merkel die Nation jemals als eigenständigen, zu verteidigenden Wert kennen gelernt hat. Eine Regierung ist für sie, das zeigt sich in ihrem Verhalten an der Spitze gerade jetzt, die aktuelle Verwaltung eines Gebietes, dass der historische Zufall ihr anvertraut hat.

Das Problem betrifft nicht nur sie. Das Tabu des Nationalgedankens nach dem zweiten Weltkrieg war, wenn auch nicht als Staatsräson, auch in der BRD präsent und wurde durch die 68er-Revolution, auf dem Sozialismus aufbauend, immer weiter in den Mainstream geschoben. Damit hat dieser Gedanke auch andere deutsche Politiker ihrer Generation und teilweise auch älteren Baujahrs (z.B. Schäuble) stark beeinflusst. Auf deren ideologische Prägung bin ich bereits einmal, auf die EU bezogen, eingegangen. Begreift sich eine herrschende Klasse oder Gruppe nur als Verwalter, dann ist es ihr nicht zu verdenken, dass sie die Verwaltung auch über die nationale Ebene, zum Beispiel in die EU oder UN, verschiebt, so lange sie ein Mitspracherecht dabei behalten oder diese Institutionen sogar dominieren.

Wichtiger, um auf die Asyl-Debatte zurückzukommen, ist das vollständige Fehlen eines Gefühls dafür was eine Nation eigentlich ist. Sie ist nicht ein Zufallsgebilde, eine willkürlich gezogene Linie auf der Karte. Eine Nation ist eine Schicksalsgemeinschaft. In einer Nation kann ich meinem Nachbarn mehr trauen als ohne sie, denn ich kann erwarten, dass er mit einem Wertekanon aus gemeinsamer Literatur und Kultur, der gemeinsamen Erfahrung früherer Generationen und gemeinschaftlich erarbeiteter Geschichtsinterpretation, ausgestattet ist und diesen selbstverständlich lebt und mir ohne Sprachbarrieren im Zweifelsfall kommunizieren kann. Dadurch entstehen nationale, kulturelle Eigenheiten. Die Briten reagieren anders als die Deutschen, die Deutschen anders als die Franzosen, die Franzosen anders als die Spanier auf alles von einer sonntäglichen Ruhestörung bis auf eine Kriegserklärung. Dies ist grundsätzlich für Neuankömmlinge erlernbar, so etwas nennen wir Integration.

Wenn Angela Merkel aber nicht mit diesem Gedanken aufgewachsen ist, und es ist sicher, dass das nicht geschehen ist, dann steckt das in ihr auch nicht drin. Dann ist der gesamte Grundgedanke abwesend, egal ob sie sich später mal damit beschäftigt hat. Es fehlt nicht nur am Glauben an gewisse deutsche Eigenheiten oder gar eine Leitkultur, sondern an das ganze Konzept. So wie ein atheistisch aufgewachsenes Kind nicht nur nicht evangelisch oder katholisch ist, sondern Religion als Ganzes nicht kennt. Somit sieht sie Deutschland, alle Deutschen und auch die Asylbewerber als im Grunde völlig gleich. Unbeschriebene Blätter, die sie nahezu mechanisch verwalten kann. Die Deutschen werden ihre Neumitbürger schon lieben, wenn sie nur die richtigen Knöpfe drückt, der Fachkräftemangel und die Kinderarmut werden schon gelöst, wenn sie nur den Bevölkerungsschwund 1:1 ersetzt und die Asylbewerber werden sich schon alle ohne große Probleme integrieren, wenn man nur die richtigen Maßnahmen ergreift. Wir schaffen das!

Bis vor wenigen Tagen hätte ich Angela Merkel diesen Vorwurf wahrscheinlich nicht gemacht. Aber ihre Aussage, dass es nun einmal nicht in ihrer Macht liegt wer über die Grenzen kommt, ist einfach nicht zu ignorieren. Genau wie die vorherige, extrem arrogante Bemerkung, dass es ihr egal sei, ob sie Schuld an der Krise habe. Angela Merkel hat nicht nur kein Gefühl dafür, dass sie die Kanzlerin der Deutschen ist und ihnen und auch ihrer kulturellen Bewahrung, oder zumindest nicht Gefährdung verpflichtet ist, sie weiß gar nicht, dass es so was überhaupt gibt, dass das erwartet wird. Sie hat nicht das falsche Vaterland, oder ein europäisches, sie hat gar keins.

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Ein Fensterputzer, ein Handy und der Bugatti Veyron

Einschlägige Magazine in Presse und Fernsehen führen uns das Leben der Reichen und Schönen vor, in all ihrer Dekadenz, ihrer Verschwendung und ihrem Glanz. Die Reaktionen sind gemischt. Tief drinnen bewundern und beneiden wir die oberen Zehntausend, aber wenn wir so darüber nachdenken, vor allem wenn der Fernseher wieder aus ist und wir unser Leben betrachten, dann ist es doch verdammt ungerecht. Wir zählen am Ende des Monats das Geld, gönnen uns als Luxus vielleicht mal einen Kinobesuch und die Schnösel im Fernsehen wissen wahrscheinlich nicht mal, dass es einstellige Euroscheine gibt. Die berühmte Einkommensschere wird gerne bedient. Die allermeisten haben wenig, die allerwenigsten haben sehr sehr viel und auch wenn eine richtige Umverteilung ziemlich sicher nicht viel bringt, dann muss man doch mal fragen, ob man mit dem vielen gehorteten und verschwendeten Reichtum nicht doch etwas sinnvolles machen könnte. Nehmen wir mal als Beispiel den Bugatti Veyron. Eine halbe Millionen pro Stück (in Sonderausfertigungen deutlich mehr) für ein Auto, das eigentlich unnötig ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf öffentlichen Straßen und auch Rennstrecken eigentlich nicht zu erreichen. Der Verbrauch ist enorm, die Reifen nutzen sich schnell ab, wer braucht so ein Auto? Könnten wir nicht das ganze Geld nehmen und etwas wirklich nützliches für die Welt tun? Nun… betrachten wir ein etwas billigeres Beispiel:

Im Bild: Ein überraschend großer Nutzen für die kleinen Leute

Foto: Wikipedia User M93

Das Jahr 1983:
Sie sind Fensterputzer in Manhattan. Ihr Job ist es die riesigen Glasfenster der Wolkenkratzer zu putzen. Ein schwieriger und vor allem sehr gefährlicher Beruf. Auf Grund der Gefahr verdienen Sie gar nicht mal so schlecht, aber reich werden Sie sicherlich nicht. Tagtäglich sehen Sie bei Ihrer Arbeit die neureichen Banker und Yuppies in ihren riesigen Büros, nicht selten ziehen sie die Vorhänge zu, wenn Sie sich an die Arbeit machen. Ab und zu erwischen sie sogar jemanden der mit der Sekretärin fremd geht. Sie alle verdienen am Tag mehr als Sie im Monat. Es kotzt Sie an!

Eines Tages gehen Sie von der Arbeit nach Hause, Richtung U-Bahn und sie sehen gerade wie einer dieser verwöhnten Schnösel aus dem Gebäude kommt und auf dem Weg zu seiner Limousine in etwas spricht, was wie ein Funkgerät aussieht. Könnte eine Art Telefon sein, tragbar, sieht aus wie ein grauer Backstein mit Antenne. Als technisch interessierter Mensch wollen Sie etwas darüber herausfinden. Also gehen Sie bei einem Zeitschriftenladen vorbei. Jeden Donnerstag kommt da ein neues Technikmagazin raus, vielleicht finden Sie da was. Blöderweise steht nichts über das Telefon in dieser Ausgabe, auch nicht in den anderen Magazinen im Laden. Zu Hause fragen Sie ihre Frau, die weiß nichts davon, auch Ihr Sohn nicht, Ihre Arbeitskollegen am nächsten Tag haben das auch schon gesehen, aber wissen nichts genaues darüber.

Drei Wochen später finden Sie endlich einen Artikel. Sie zahlen ein paar Dollar für die Zeitung und lesen in der U-Bahn. Sie erfahren folgendes: Es handelt sich um ein Mobiltelefon, quasi ein tragbares Autotelefon mit Satellitenverbindung, oder einer Verbindung zu einem von einer Hand voll Funktürmen in den großen Städten. Es kostet 5000$, dazu 50$ pro Monat Grundgebühr und dann nochmal 24cent Gebühren pro Minute. 

Jetzt sind sie richtig sauer. Was zur Hölle wollen diese arroganten Typen mit den Telefonen? Sie haben im Büro und zu Hause einen Festnetzanschluss, im Auto ein Autotelefon. Halten die sich für so wichtig, dass sie auf den paar Metern zum und vom Auto unbedingt erreichbar sein müssen? Dann auch noch 5000$? Das ist das durchschnittliche Quartalseinkommen einer amerikanischen Familie! Was könnte man damit alles Gutes tun. Sie entschließen sich Sozialist zu werden.

Das Jahr 2015:

Sie sind Fensterputzer in Manhattan. Ihr Job ist es die riesigen Glasfenster der Wolkenkratzer zu putzen. Ein schwieriger und vor allem sehr gefährlicher Beruf. Auf Grund der Gefahr verdienen Sie gar nicht mal so schlecht, aber reich werden Sie sicherlich nicht. Tagtäglich sehen Sie bei Ihrer Arbeit die neureichen Banker und Yuppies in ihren riesigen Büros, nicht selten ziehen sie die Vorhänge zu, wenn Sie sich an die Arbeit machen. Ab und zu erwischen sie sogar jemanden der mit der Sekretärin fremd geht. Sie alle verdienen am Tag mehr als Sie im Monat. Es kotzt Sie an!

Eines Tages gehen Sie von der Arbeit nach Hause, Richtung U-Bahn und sie sehen gerade wie einer dieser verwöhnten Schnösel aus dem Gebäude kommt und in ein Auto einsteigt, dass wie ein Raumschiff mit Reifen aussieht. Sie erkennen das Bugatti-Symbol, aber dann ist das Auto schon weg. Sie würden gerne wissen, was es damit auf sich hat.

Seit 1983 haben zahlreiche Telekommunikationsunternehmen das Geld von den reichen Schnöseln, dass sie für ein ziemlich nutzloses, aber teures Spielzeug, das Handy, ausgegeben haben, in immer weiter reichendere Netze investiert, sowie in die Entwicklung und Produktion neuer Modelle. Jedes Mal wurden sie ein klein wenig besser und billiger. Mit jeder noch so kleinen Preisreduktion öffnete sich der Markt für ein paar neue Kunden mehr. Da diese Kunden immer noch das selbe Netz verwenden, lassen sich die Kosten auf mehr Kunden umlegen, sie sinken für die Einzelperson. Auch die Gewinnmarge der einzelnen Geräte kann sich verringern, da mehr gekauft werden und die Produktion immer größerer Mengen die Kosten senkt. So werden Handy, Grundgebühr und Minutenpreis stetig ein wenig billiger. Mit der steigenden Verbreitung finden sich auch immer mehr Anwendungsmöglichkeiten. Schließlich entdecken Unternehmen wie Motorola und Nokia das Marktpotential in der breiten Masse. Sie bringen noch billigere Geräte heraus, kooperieren mit Unternehmen wie der Telekom oder AT&T um die Nutzungsgebühren erschwinglich zu machen. Immer mehr Menschen teilen sich eine Infrastruktur, alles wird wiederum billiger. Schließlich kommen ein paar schlaue Leute auf die Idee das Handy mit dem Internet zu verbinden, einen Touchscreen einzubauen und andere schlaue Leute entwickeln im Minutentakt (meist kostenlose) Programme um die Geräte immer nützlicher zu machen.

Kaum ist der Bugatti weggefahren, nehmen Sie ihr iPhone heraus, dass Sie für ungefähr 35$ im Monat nahezu unbegrenzt benutzen können. Es beinhaltet neben dem Telefon einen Kalender, Internet, ihren MP3-Player, eine hochauflösende Kamera, Emaiprogramme, einen persönlichen Assistenten, Taschenrechner, ein Navigationssystem, eine Taschenlampe, einen Anrufbeantworter und eine Spielekonsole. Das sind nur die Werkseinstellungen. Sie tippen „Bugatti“ ins Suchfenster und finden schnell ein Bild, dass zum Auto passt, das Sie gerade gesehen haben. Sie lesen Wikipedia, stellen fest es ist ein Bugatti Veyron, das schnellste Auto der Welt und es ist schweineteuer. Sie klicken ein paar Links weiter und finden heraus, dass Volkswagen bei der Entwicklung des Bugatti Veyron einen Motor, ein Getriebe, einen Reifensatz etc. nach dem anderen verschlissen hat und stetig neue Systeme entwickeln musste. Sie lesen auch, dass diese Erkenntnisse aus den letzten 15 Jahren nun bereits in vielen Standard-PKW von Volkswagen stecken. Sie machen Motoren langlebiger, effizienter und stärker. Sie sorgen dafür, dass Sie weniger für Reparaturen ausgeben müssen, weniger Ärger mit ihrem Auto haben und mehr Auto für das selbe, teilweise weniger Geld kriegen. All das mit dem Geld reicher Schnösel. Sie bewundern den freien Markt, Sie bewundern den technischen Fortschritt, Sie entscheiden sich dafür, dass Sie beim nächsten Mal libertär wählen. Und all das bevor Sie auch nur in die U-Bahn eingestiegen sind (wo sie inzwischen auch Empfang haben).

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