Cultural Studies – Die Konservativen verpassen da was

Es gehört inzwischen innerhalb der konservativen und liberal-libertären Szene schon zum guten Ton von der akademischen Welt unserer Universitäten angewidert zu sein. Seien es die Wirtschaftsfakultäten, die Keynes und Neoklassizismus statt Österreichischer Schule lehren, seien es die nicht enden wollenden Listen an geisteswissenschaftlichen Veranstaltungen zur Kapitalismuskritik und die ganz allgemein linke, sozialistische Haltung der Professoren und Studenten. So wenden wir uns ab. „Think red, write blue“, sagte einmal der amerikanische Ultrakonservative Ben Shapiro, in Anspielung auf die traditionellen Farben der US-Parteien (Rot=Republikaner, Blau=Demokraten). Das soll heißen, dass wir uns gute Noten durch das Nachbeten des ganzen linken Schwachsinns sichern sollen, ohne sie unkritisch zu übernehmen. An dieser Stelle hört leider zu oft der Diskurs über die Rolle der Konservativen und Liberalen in der akademischen Welt auf. Das hat gute Gründe. Die Liberalen zieht es zumeist in die freie Wirtschaft, die sie als Ideal hoch halten, ganz zu Recht. Die Konservativen, die weiter publizieren wollen, zieht es in die Think-Tanks, wo sie zwar nicht mehr die Pfründe einer staatstragenden Ideologie, aber dafür die durchaus ehrenhafte, und in den eigenen Kreisen prestigeträchtige, Rolle des rebellischen Underdogs einnehmen können. Ich halte diesen Ansatz für falsch.

Wie bereits kürzlich in einem Blogpost beschrieben, bescheinigen zahlreiche Meinungsumfragen und besonders die regelmäßigen Shell-Studien, der Jugend ein zunehmend konservatives Weltbild, in dem Familie und traditionelle Werte sehr hoch stehen. Jedes Mal läuft der Universitätswelt ein kalter Schauer über den Rücken, als hätte man dem Volk soeben eine 50% Analphabetenquote bescheinigt. Auf der anderen Seite wundert man sich darüber, dass die konservativen Werte in der Jugend sich kaum über die Universität retten, bzw. sich nicht entsprechend in Wahlergebnissen und politischen Forderungen niederschlagen. Aber das ist selbstverständlich, wenn man die meinungsmachenden Felder der Geisteswissenschaften wie Literatur, Journalismus, Theater, Film, Politik, Lehramt, etc. ständig der Linken überlässt. Warum sollte z.B. ein Literaturstudent, der zuvor aus seinem Umfeld das traditionelle Familienbild kennen und schätzen gelernt hatte, es nicht ernst nehmen, dass ihm gebildete Autoritätsfiguren mit zahlreichen Titeln und Urkunden erklären, dass das alles nur ein soziales Konstrukt ist? Ein Physikstudent der mal in Dokumentationen irgendwas über Atome gehört hat, nimmt es ja auch ernst, wenn ihm sein Professor von neuen, moderneren Theorien erzählt. Aber wir überlassen der rot-rot-grünen Professorenkaste das Feld, in der Hoffnung, dass ihnen irgendwann mal ein Buch oder ein Flyer in die Hand fällt, der sie von unseren Positionen überzeugt. Wie wahrscheinlich ist das?

Dominant bei all dieser Subversion unserer Werte ist das Feld der Kulturstudien, bzw. der Cultural Studies. Das eigentlich sehr löbliche Ziel ist es die Produkte von Kulturen, seien das Romane, Kleidung, Lieder, Gebäude oder ähnliches, auf die darin vorhandenen kulturellen Elemente hin zu untersuchen um so die Kultur besser zu verstehen. Anders als zum Beispiel Landeskunde wird dabei nicht einfach nur beschrieben und Zusammenhänge verdeutlicht, sondern besonders nach der oft versteckten Repräsentation nicht hinterfragter Elemente gesucht. Zum Beispiel würde man bei Rotkäppchen nicht nur herausstellen, dass es sich ursprünglich um eine Warnung an junge Mädchen vor Vergewaltigern handelte, sondern hinterfragen warum eine Gesellschaft davon ausgeht, dass sich diese Warnung nur an Mädchen und nicht auch Jungs richten soll.

Hervorgegangen ist diese Disziplin aus dem Kulturmarxismus, der die Welt auf einem stetigen, unwiderruflichen Weg zum gesellschaftlichen Paradies sieht. Die Studien sollten dabei helfen im Weg liegenden Hindernisse (wie Klassensystem, Religion, Familie) in ihren Verstecken in der Kultur zu identifizieren und somit leichter auszumerzen. Ein modernes Beispiel ist der wiederholte, krampfhafte und, Gott sei Dank, erfolglose Versuch aus Ernie und Bert ein Schwulenpaar zu machen. Mit der Zeit brachten die, ebenfalls teils auf den Kulturmarxisums rückführbaren, Post-Strukturalisten eine Änderung. Man lehnte den marxschen Determinismus ab und setzte sich das Ziel die Kulturen ganz allgemein auf ihre versteckten Annahmen hin zu untersuchen. Dies führte einerseits zu einem extremen Relativismus, in dem es nicht nur kein Richtig oder Falsch, kein Normal oder Unnormal gab, sondern auch überhaupt keine Wahrheiten, wie zum Beispiel den Zusammenhang von Chromosomen und Geschlecht. Andererseits zur etwas moderateren Analyse von dominanten Kulturen (was als normal gilt) und entweder überkommenen und verschwindenden Kulturen (das Alte, z.B. das Ständesystem) oder neuen, aufsteigenden Kulturen (das Neue, z.B. die Ehe für alle).

So akademisch das noch teilweise klingen mag, auch unter den Moderaten, die sich bewusst vom Marxismus distanzieren, gibt es eine enorme Betriebsblindheit. Man weigert sich strikt anzuerkennen, dass sich unsere Kultur inzwischen grundlegend verschoben hat. Zum Beispiel werden die alljährlich tausendfach stattfindenden CSD-Paraden darauf untersucht, wie sie teils subtil, teils sehr offen, etablierte Ideen über Heterosexualität konterkarieren. Das mag ja noch Sinn machen. Aber zugleich scheint es niemandem in den Sinn zu kommen zu hinterfragen, ob das noch die „neue“ Minderheitenkultur ist, die sich gegen den Mainstream behaupten muss, wenn diese Paraden ohne Übergriffe, Behinderungen, oder Verbote auskommen, wenn von offiziellen Fahnenmasten dazu die Regenbogenfahne weht, wenn jede Kritik an der öffentlichen zur Schau Stellung von nackten Körpern und sexuellen Handlungen im Keim und mit enormer Rufschädigung erstickt  wird. Es ist so, als ob sich seit den 68ern, die die Kulturstudien in ihre heutige Position katapultiert haben, nichts in der Gesellschaft geändert hätte. Es ist weiterhin das dominierende Patriarchat gegen den Feminismus, der schon fast als Untergrundbewegung klassifiziert wird. Es ist die verklemmte Heterosexualität gegen die Schwulenbewegung. Es ist die Horde von Salon- und Glatzennazis, gegen alle und jeden ohne 5 Generationen arische Abstammung.
Lady Gaga hat inzwischen ihre eigene Sparte, die tatsächlich „Gaga-Feminismus“ heißt und sich mit den (eigentlich kein bisschen) subtilen Botschaften in ihren Texten und Videos befasst, ohne darauf einzugehen, dass ihr diese Bühne kalkuliert von den dominanten Meinungsmachern in der Musik- und Fernsehbranche, sowie dem Journalismus, inzwischen auch der Politik, bereit gestellt wird.
Kein Lehrbuch, keine Vorlesung, keine Publikation zur Verschiebung in den Werten unserer Gesellschaft.

Diese Kulturstudien dienen nicht mehr der berechtigten Kritik an Unhinterfragtem, sie dienen dem radikalen Verbot jeder Hinterfragung eines bestehenden Systems von Annahmen über unsere Kultur und geben denen, die ihre Politik damit stützen das Feigenblatt der Zustimmung der Hofgelehrten. Es ist keine Revolution, nichts relevantes für unsere Gesellschaft von dieser Disziplin zu erwarten, so lange sie politisch so einseitig dominiert ist. Und so wenden sich die Konservativen verständlicherweise ab, angewidert von dem rot-rot-grünen Muff unter den Talaren. Jedoch verpassen sie damit eine historische Chance. Viele Studenten interessieren sich sehr für dieses Thema, es ist ja auch spannend und man kann sein Staatsexamen über ein Musikvideo oder eine Cornflakes-Werbung schreiben. Viele Dozenten sind an sich keine Marxisten und durchaus offen für radikal neue Ansätze. Ironischerweise haben sie aber eben die unhinterfragte Annahme ihres kleinen akademischen Kulturkreises, die ihnen im Weg steht. Ein konservativer Gegenentwurf in diesem Gebiet, außerhalb von obskuren Akademien und Verlagen, direkt in den Universitäten ist noch möglich. Die meisten dieser Fakultäten befinden sich in dieser Hinsicht noch im Aufbau. Es wäre weiß Gott kein leichter Weg. Aber wer den leichten Weg sucht und sich Widerständen geschlagen gibt, der kann ja zur CDU.

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