Gut gemeint – Der Staat schafft Mangel

Das Pfingstwochenende ist noch nicht zu lange her und so manchem wird aufgefallen sein, dass über die beiden Feiertage eine deutliche Steigerung der Benzinpreise zu sehen war. Das ist nicht ungewöhnlich, tatsächlich ist es allgemein bekannt, dass zu Feiertagen, verlängerten Wochenenden und zum Ferienanfang und -Ende immer einige Cent aufgeschlagen werden und es führt auch regelmäßig zu Empörung seitens der Autofahrer, Interessensverbände und immer wieder auch der Politiker. Klar, denkt man sich, die wissen, dass die Leute an den Tagen fahren müssen, also Benzin kaufen müssen, sie nutzen die Notlage der Menschen aus und verdienen sich eine goldene Nase. Tatsächlich ist es aber so, dass die hohen Benzinpreise der verlängerten Wochenenden eine soziale Funktion erfüllen. Selbst dann, wenn der Tankstellenbetreiber tatsächlich nur von Geldgier motiviert ist.

hier zu sehen: Ein simple Lösung eines komplizierten Systems

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Wir gehen davon aus, dass ein Tankstellenbetreiber, wie jeder Unternehmer, darauf aus ist mit seiner vorhandenen Ware möglichst viel Geld zu verdienen. An einem normalen Werktag bleiben dem Unternehmer mehrere Möglichkeiten: Entweder verlangt man einen hohen Preis und verdient viel an den kleinen Mengen Benzin, oder man verlangt wenig und verdient wenig an großen Mengen Benzin. Beides hat seine Vorteile. In der Regel wird ein Mittelweg eingeschlagen. Es besteht grundsätzlich die Motivation im Wettbewerb mit anderen Tankstellen, durch einen geringfügig niedrigeren Preis, Kunden abzuwerben und somit durch Quantität die kleinere Gewinnmarge auszugleichen. Dies drückt die Preise allgemein unter ein Niveau, dass sich der Verkäufer wünschen würde. Möglich wird dies dadurch, dass bei einem niedrigeren Preis und der dadurch höheren verkauften Menge an Benzin, im Zweifelsfall nachbestellt werden kann. Dann kommt ein Tanklaster vom Mutterkonzern, füllt die Tanks auf und die Strategie kann weiter geführt werden.

An einem Feiertag ist aber in Deutschland ein ganz anderes Problem vorhanden: Das Fahrverbot für LKW. Es ist nicht möglich, wenn man den ganzen Pfingstsonntag das Benzin verkauft hat, noch vor Ende des Pfingstmontags neues zu bestellen. Ebenso steht am Ferienanfang und -Ende, wie jeden Tag, nur eine begrenzte Anzahl von Tanklastern zur Verfügung, die durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen behindert werden und durch die vielen Autofahrer öfter gerufen werden müssen. In beiden Fällen wird für den Tankstellenbetreiber die Verfügbarkeit von neuem Kraftstoff eingeschränkt oder ganz verhindert. Wir bleiben aber für das Beispiel bei hier beim Pfingstwochenende:

Der Tankstellenbetreiber steht nun vor einer veränderten Situation. Für zwei Tage bietet sich ihm nur eine feste Menge an Kraftstoff, die er verkaufen kann. Wenn er den meisten Profit daraus holen will, dann bringt es nichts viel für wenig zu verkaufen, sondern er muss die begrenzte Menge für den höchstmöglichen Preis los werden. Ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, er sorgt damit dafür, dass Ihr Auto nicht auf der Autobahn liegen bleibt. Betrachten wir vier Szenarios:

  1. Ihr Tank ist knapp 3/4 voll. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,50€ steht.
  2. Ihr Tank ist knapp 3/4 voll. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,20€ steht.
  3. Ihr Tank ist nahezu leer. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,50€ steht
  4. Ihr Tank ist nahezu leer. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,20€ steht.

In Szenario 1 werden nahezu alle Fahrer weiterfahren. In Szenario 2 jedoch ergibt sich die interessante Möglichkeit schnell mal für den günstigen Preis aufzufüllen. Wer weiß wann er wieder kommt. Szenario 3 und 4 sehen anders aus. Sie brauchen Benzin, Sie haben einen akuten Mangel und laufen Gefahr liegen zu bleiben. Im Fall 4 ist es Ihr Glückstag, aber auch bei Nr. 3 wären Sie bereit zu tanken. Der Kraftstoff ist Ihnen 1,50€ wert.

Steigt der Preis an Feiertagen, allein wegen der Absicht der Betreiber Profit zu machen, werden all jene vom Tanken abgehalten, die mit ihren Reserven auch locker bis zum nächsten Werktag kommen. Die durch das Gesetz künstlich verknappte Menge an Kraftstoff im Land, wird nur, oder zumindest hauptsächlich, an die Autofahrer ausgegeben, die wirklich in diesem Moment auf den Kraftstoff angewiesen sind. Durch die Voraussagbarkeit dieser Verknappungen (Feiertage kommen ja nicht überraschend) und der resultierenden Preissteigerungen, erhöht sich die Motivation der Autofahrer entweder an diesen Tagen weniger zu fahren, also die knappe Ressource nicht weiter zu verbrauchen, oder an den Tagen davor, an denen wegen der Tanklaster kein wirklicher Mangel besteht, bereits die Reserven aufzufüllen.

Die „Profitgier“ des freien Marktes schafft es auf diese Art und Weise ein knappes Gut so in der Bevölkerung zu verteilen, dass jene es erhalten, die ihm in diesem Moment den höchsten, subjektiven, Wert zusprechen. Nun kann ein findiger Politiker den üblichen Ärger über Benzinpreise nutzen und folgendes Gesetz erlassen: An Sonn- und Feiertagen darf der Preis von Kraftstoff nicht mehr als 5 Cent über dem Durchschnitt der vorangegangenen 30 Tage liegen. So will der Politiker die „Ausbeutung“ der armen Autofahrer verhindern. Es gibt nur zwei mögliche Folgen einer solchen Politik. Entweder werden die Tankstellenbetreiber den Preis auch an Werktagen geringfügig erhöhen um die geringfügig niedrigeren Preise an Feiertagen auszugleichen, oder aber sie halten den Preis auch an Feiertagen niedrig. Letzteres Szenario hätte zur Folge, dass an Tagen an denen der Kraftstoff knapp ist mehr Leute als üblich tanken. Gegen Ende zweier Feiertage wie an Pfingsten, Ostern oder Weihnachten, ist dann zu erwarten, dass spätestens am Abend die ersten Zapfsäulen trocken liegen und Autos vor ihnen parken, die nicht genug Benzin haben um zur nächsten Tanke zu kommen.

Vergleichbare Szenarien sehen wir überall in der Wirtschaft. Wird ein Gut oder eine Dienstleistung knapp, dann steigt ihr Preis. Dies sorgt einerseits dafür, dass für die Dauer des Mangels weniger Menschen versuchen dieses Gut oder diese Dienstleistung zu erwerben und diese somit denen zukommen, die ihnen den höchsten subjektiven Wert zuschreiben. Andererseits motiviert es andere wirtschaftliche Akteure dazu in die jeweilige Branche zu investieren und langfristig so den Mangel zu lindern, was dann mit einer Preissenkung einhergeht. Staatliche Interventionen haben dies an vielen Punkten erschwert oder gar unmöglich gemacht. Nahezu jede Preissteigerung in einem bestimmten Bereich wird inzwischen mit dem Ruf nach dem Eingriff der Regierung beantwortet. Das aktuellste Beispiel ist die Mietpreisbremse. Jeder Vermieter, der eine Wohnung neu vermieten will, muss jetzt mindestens den Gegenwert von einem Drittel des Neubaus investieren, bevor er die Miete um mehr als 10% erhöhen darf. Dies gilt für angespannte Wohnungsmärkte, ein Label, dass Landesregierungen verteilen. Das dies Investitionen gerade in den angespannten Wohnungsmärkten abhält ist eigentlich mit gesundem Menschenverstand zu erkennen, aber die selbe Regierung hat ja auch einen Mindestlohn beschlossen. Gerade in Gegenden, in denen Mangel herrscht, also eine besonders hohe Nachfrage (ergo wollen dort viele Menschen gerne wohnen), können hohe Preise Investoren anlocken, die zu Neubauten und Modernisierungen bereit sind. Da die Mieter, die in der Lage sind diese Preise zu bezahlen, natürlich nicht aus dem Obdachlosenheim kommen, sondern bereits selbst Mieten oder besitzen, macht dies Kapazitäten in solchen Wohngegenden oder Gebäuden frei, die per Definition geringer nachgefragt sind als die neuen Wohnungen. Diese sinken im Preis, was sie für weniger wohlhabende Mieter erschwinglich macht. Diese Prozesse, vor allem die neuerdings sogenannte Gentrifizierung, sind kein Versagen des Marktes, sondern ein ganz normaler, keineswegs neuer, Vorgang. Die Präferenz für bestimmte Stadtviertel hat sich schon immer in beide Richtungen massiv verschoben und mit ihr die Preise.

Die Reaktion des freien Marktes auf Mangel ist Investition, die Reaktion des Staates ist die Schaffung neuen Mangels!

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