Monat: Juni 2015

Vertrauen, Frieden & Freiheit – Danke liebe Nation

Glaubt man dem allgemeinen Zeitgeist, dann haben wir die Nation überwunden. Wir befinden uns im post-nationalen Zeitalter, in dem überstaatliche Gebilde, wie die EU, uns endlich von dem veralteten Gesellschaftsmodell erlösen, dass doch so viele Kriege und so viel Leid über die Welt gebracht hat. Das geschieht in einer völligen Verkennung der historischen Tatsachen, willentlich oder durch Unwissen und mit totaler Rückendeckung der Politik, der Medien und der akademischen Eliten. Dies ist ein Plädoyer für den historisch einmaligen Garanten von Frieden, Freiheit und Sicherheit, den Nationalstaat!

Haben marodierende Horden heute Ihr Haus niedergebrannt? Bald steht eine Wahl an, haben Sie schon Vorräte angelegt und einen Bunker gebaut? Haben Sie Angst um ihr Leben, wenn Sie in ein anderes Bundesland reisen? Hat ein wütender Mob aus Protestanten ihre Fronleichnamsprozession angegriffen? Nein? Dann danken Sie schleunigst den Vätern (ja es waren fast nur Väter) des Nationalstaates.

In den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte haben sich alle Menschen in einer oder anderen Art und Weise versucht zu identifizieren. Vermutlich war die Familie, beziehungsweise der Clan, die früheste Form einer solchen Identifikation. Aus den Clans wurden die Stämme. Mit dem Aufstieg der großen Zivilisationen und deren Eroberungszüge weit über die Stammesgrenzen hinaus wurde für viele Jahrtausende eine Doppelidentität zur Realität. Man identifizierte sich einerseits als Untertan eines Fürsten oder Königs, andererseits als Anhänger einer (oft Staats-)Religion.

So blieb es lange, so lange, dass dieses Identitätskonstrukt zu einer absoluten Selbstverständlichkeit wurde. Wie bei so vielem, dass wir als selbstverständlich hinnehmen (Steuern, der öffentlich rechtliche Rundfunk, Günther Jauch, die CDU), wurde es genau deswegen nicht hinterfragt. Es lohnt sich also eine kurze Retrospektive:

  • Der Untertan ist ein fatales Identitätskonstrukt. Einerseits bindet es die Untertanen an eine einzelne Person. Dem König nicht Folge zu leisten ist in diesem System nicht nur gefährlich, es wirft den freiheitsliebenden Menschen auch in eine echte Identitätskrise. Nur die fundamentalsten Werte stehen im Zweifelsfall über der Loyalität zum Herrscher, nur wenn das Wohl der Familie, oder der Glauben direkt im Widerspruch zur Politik stehen, kann so etwas wie Widerstand aufkommen. Selbst dann handelt es sich um eine extrem individualisierte Form des Freiheitsstrebens. Wer hilft schon seinem Nachbarn in einer zu 99% zum Scheitern verurteilten Rebellion, weil irgendein Prinz dessen Tochter entehrt hat, oder ähnliches.
  • Hinzu kommt der Krieg. Identifiziere ich mich mit einem Anführer, muss ich mich mit seinen Zielen gemein machen, oder ihnen zumindest nicht widersprechen. Wenn also der Fürst von Hintertupfingen gegen den Graf von Vordertupfingen Krieg führt, dann habe ich als Untertan dies zu erdulden, im Zweifelsfall habe ich selbst zu kämpfen. Es gibt keine grundsätzliche philosophische Rechtfertigung dafür, ihm die Rechtmäßigkeit dieses Krieges abzusprechen, nicht nur in der Wahl des Gegners, sondern überhaupt durch die unbedingte Unterordnung unter den Herrscher.
  • Die Religion dominierte zu weilen die die Authorität des Adels, was dieser aber schnell dadurch kompensieren konnte, dass sich die jeweiligen Authoritäten zum fidei defensor, also zum Verteidiger des Glaubens ausriefen. Bedeutsam wurde die Glaubensidentität erst in der frühen Neuzeit, nach der Reformation. Kriege unter Herrschern, Aufstände von religiösen Minderheiten, etc. erreichten 1618-48 im Dreißigjährigen Krieg ihren traurigen Höhepunkt. Nicht der Nationalgedanke, sondern Konfessionen innerhalb Deutschlands töteten (prozentual gesehen) mehr Menschen als der erste und der zweite Weltkrieg zusammen.

Und dann kam die Französische Revolution und mit ihr eine echte Identitätskrise. Nachdem man den König geköpft hatte, war es nicht mehr möglich sich als Untertan zu identifizieren. An seine Stelle trat eine neue Idee, die der Nation. In Frankreich war das Gemenschaftsgefühl vor allem durch die Identifikation mit den revolutionären Idealen gegeben. Auf welch unsanften Beinen dieses Denken noch stand wurde mit der schnellen, aber nur zeitweiligen, Rückkehr des Untertanendenkens unter Napoleon deutlich.

Und dann? Die alte Welt lag in Trümmern. Weite Teile Europas hatten die neue Idee der Nation kennengelernt und formten ihre eigenen Gedanken. In Deutschland führten die Burschenschaften ab 1815 diese Bewegung an. Es ist kein Zufall, dass man von Nationalliberalen spricht, dass Freiheit und Nation gleichzeitig auf die politische Bühne traten. Was machte den Nationalstaat so attraktiv?

  • Der Nationalstaat identifiziert sich automatisch durch die Masse, entweder alle Angehörige der Kulturgruppe oder den Einwohnern eines bestimmten Gebietes. Die unbedingte Anerkennung eines Herrschers über dieses Gebiet ist nicht zwingend (auch wenn sie in der Praxis immer wieder anerkannt wurde). Es ergibt sich automatisch die Frage, warum die Volksgemeinschaft nicht an der Regierung beteiligt sein sollte, man ist ja nun nicht mehr nur z.B. Untertan des deutschen Kaisers, sondern Deutscher. Um diese Regierungsbeteiligung zu gewährleisten muss es Freiheiten geben, da eine Massenpolitik ohne Versammlungs-, Presse- und Meinungsfreiheit nicht möglich ist. Der Nationalstaat gerät somit zwingend in den Konflikt mit der authoritär herrschenden Klasse. Die Geschichte hat gezeigt, dass sich im Westen immer der Nationalstaat durchgesetzt hat, an manchen Orten früher, an manchen später.
  • Die innere Freiheit ist in einem viel höheren Ausmaß gewährt. Zunächst dehnt sich in der Regel die Nation auf ein größeres Territorium aus, als die vorhergegangenen Einzelstaaten. Nur wenige Nationen waren auch vor ihrer Staatwerdung ein zusammenhängendes Territorium. Es fallen somit nicht nur viele Herrscher weg, die potentiell Krieg gegeneinander führen könnten, es entfällt auch jedwede Feindschaft, die mit der Loyalität zu diesen Herrschern einher gehen könnte. Auch andere Unterschiede glätten sich mit jeder Generation zunehmend. Die einigenden Eigenschaften, die ein Nationalvolk zunächst identifizieren, müssen zwingend auf nahezu alle Bürger zutreffen. Also bei den Deutschen zum Beispiel die gemeinsame Sprache und der Kanon auf dem diese basiert. Je mehr Menschen sich mit der Nation identifizieren, statt mit Dingen wie Religion, Konfession oder Heimatort, desto mehr Menschen nehmen sich gegenseitig als Brüder und Schwestern wahr, gegen die sie dann per Definition ein grundsätzliches Vertrauen aufbauen. Dieses Vertrauen schafft inneren Frieden, senkt die Notwendigkeit von Interventionsmaßnahmen des Staates (erhöht somit die Freiheit) und ist auch Grundlage einer florierenden, überregionalen Wirtschaft.
  • Auch nach Außen ist der Nationalstaat entgegen seines Rufes ein starkes Werkzeug für den Frieden. Zunächst einmal ist zu Bedenken, dass fast alle Nationalstaaten sich in den letzten 200 Jahren zu Demokratien entwickelt haben. Noch nie haben zwei Demokratien gegeneinander Krieg geführt. Dies wird der Demokratie oft als großer Verdienst gewertet, dem Nationalstaat erkennt man aber den Verdienst die Demokratie hervorgebracht zu haben meist ab. Auch fallen die internen Rechtfertigungen für Kriege vielfach weg. Ein König konnte noch für Ruhm, Reichtum oder Erbansprüche Kriege führen, Nationalstaaten können diese Kriege nicht so rechtfertigen, zumindest nicht im Rahmen des Nationalgedankens. In schmerzhaften Kriegen haben sich die westlichen Staaten konsolidiert, die in fast jedem Fall durch das vorherige Ignorieren der Wünsche nach nationalstaatlicher Einheit (mit-)ausgelöst wurden. Heute sind die Staatsgrenzen der westlichen Welt fast immer identisch mit den Volksgrenzen, wenn dies auch teilweise mit Zwangsumsiedlungen erreicht wurde. Es gibt heute zwischen den Staaten Europas kaum Kriegsgründe, die durch den Nationalstaat gerechtfertigt werden könnten und selbst da wo sie existieren, wirkt die Demokratie mildernd.

Also Danke lieber Nationalstaat. Bayern und Preußen sind vor 200 Jahren noch regelmäßig in Kneipen aufeinander los gegangen, Evangelische und Katholiken haben noch in der Nachkriegszeit auf dem gemeinsamen Schulhof ihrer getrennten Schulen riesige Prügeleien angezettelt. Heute ist davon nichts als Folklore übrig. Es hat einige Generationen gebraucht und schmerzliche Erfahrungen um dies zu erreichen. Und nun versucht man genau das wieder kaputt zu machen. Durch Multi-Kulti, der Aufspaltung unserer Kultur zurück in viele kleine Gruppen. Durch das stetige in den Dreck ziehen des Nationalstaates und damit der Suche nach neuen Identifikationsmöglichkeiten. Durch die forcierte europäische Integration, die einerseits nicht nur nicht aus dem Volk kommt, sondern erneut den Glättungsprozess (sollte er in einem europäischen Gebilde möglich sein) an den durchaus gewalttätigen Anfang zurücksetzt und dank völlig schwammiger Definitionen „Europas“ tatsächlich wieder neue Kriegsgründe liefert, auch für Dritte. Davor sollten wir Angst haben

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Die Homo-Ehe – eine Machtdemonstration

Man konnte es wirklich nicht übersehen. In den USA ist die Homo-Ehe vom Verfassungsgericht legalisiert worden. Die Reaktionen aus der ganzen westlichen Welt waren enorm. Auf Facebook kann man sein Profilbild mit einem Regenbogenfilter ausstatten, das weiße Haus war in Regenbogenfarben angestrahlt, die Facebookseite des Freistaates Thüringen hat ihr Wappen mit Regenbogenfarben unterlegt und während ich hier tippe hat mir auch WordPress ungefragt ein Regenbogenbanner an die Spitze der Seite gesetzt. Es scheint als feiert die Welt. Analysiert man diese Ereignisse etwas näher sind sie doch nichts als die erschreckende Machtdemonstration einer Elite, die viel mehr ändert als die Ehe, und das Hinterherhecheln nützlicher Idioten.

 

Stellen wir zunächst eines klar: Die Homo-Ehe ist kein Sieg für die Freiheit, sondern für die Gleichheit. Die rechtliche Gleichstellung ist vergleichbar mit der Ausweitung des Mindestlohns von bestimmten Berufsgruppen auf alle Arbeitnehmer. Das Privileg vom Staat als Paar anerkannt zu werden, entsprechende Steuervorteile und so weiter zu erhalten ist an sich freiheitsfeindlich. Tatsächlich handelt es sich bei zum Beispiel den Steuervorteilen um die gezielte Beeinflussung der Lebensplanung der Bürger, in diesem Fall um sie in die staatlich gewünschte Lebensform der Ehe zu bringen. Da die Ehe in unserer Kultur zu Recht als etwas Positives angesehen wird, gibt es dagegen keinen Widerspruch. Dreht man die Sache im Kopf um und denkt sich Steuervorteile für Alleinstehende, wird man sich der Problematik bewusst. Dieses Privileg nun auf eine weitere Gruppe auszuweiten, ist kein Sieg für die Freiheit. Der tatsächliche Sieg ist schon länger her, er war die Dekriminalisierung der Homosexualität.

Was hier eigentlich passiert ist die totale Änderung unserer Normen. Die Homoehe mag in dem Fall noch relativ unkontrovers sein, zumindest in den letzten Jahren, aber sie ist einer von vielen Schritten. Und diese Schritte werden nicht zufällig gemacht. Grundlage ist das „progressive“ Denken, das in Deutschland seit dem frühen 20. Jahrhundert existiert, aber erst in der 68er Kulturrevolution wirklich in den Mainstream gelangte. Unwissenschaftlich wird hier, ursprünglich ausgehend vom Geschichtsbild Karl Marx‘, ein deterministisches Weltbild postuliert, in dem die Gesellschaft sich permanent und fortschrittlich vom Schlechten zum Guten wendet. Zum Beispiel hielt man früher Sklaven, heute nicht mehr. Retrospektiv mag so eine Ansicht durchaus Sinn machen, wenn man einen bestimmten Sachverhalt wie die Sklaverei über die Geschichte hinweg betrachtet. In dieser, kulturmarxistischen, Ansicht aber ist dies ein ehernes Naturgesetz. Die Menschheit entwickelt ihre Gesellschaft stetig gerechter, früher war alles ungerechter usw. Dies wird selten offen so formuliert, es steckt aber subtil in unserer Kultur. So bezeichnet man Leute mit unbequemen Ansichten nicht selten als „ewig-gestrig“ und diskreditiert damit eine Idee ausschließlich auf Grund der Tatsache, dass früher so gedacht wurde, heute nicht mehr.

Diese Art zu denken und vor allem zu argumentieren ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug für jeden, der an den fundamentalen Werten der Gesellschaft rütteln will. Da diese Werte ja per Definition schon lange gelten, wird ihre Erodierung oder Abschaffung automatisch als das Neue, deswegen Bessere verkaufbar. Warum sollte aber jemand an eben diesen Werten rütteln wollen? Nun es gibt viele Gründe, gute oder schlechte. Schaut man aber auf jene, die hier die Homo-Ehe fördern und fordern, ergibt sich ein fatales Bild. Es handelt sich, schon von Beginn an, um eine Bewegung linker, sozialistischer Gruppen und Individuen, wie sie in der aktuellen Generation der SPD, aber vor allem bei den Grünen und der Linkspartei zu finden sind. Und sie sind nicht nur Politiker, sie sind vor allem auch Journalisten, Professoren, zuweilen Pfarrer. Meinungsbildende Leute. Das geistige Umfeld in dem sie existieren und aus dem sie ihre Ideen ziehen, das steht in der Tradition von 1968, auch wenn die meisten nicht selbst aktive 68er waren. Dieses Denken wiederum entstammt der Frankfurter Schule, einer marxistischen Denkfabrik. Ihr wohl größter Beitrag zur heutigen Kultur ist der Kulturmarxismus. Ausgehend von der frustrierenden Erkenntnis, dass die Arbeiter und Bauern im 1. Weltkrieg lieber ihre Nation gewählt und aufeinander geschossen haben, anstatt sich im Klassenbewusstsein zu erheben und auf die Herrscher und Kapitalisten zu schießen, analysierten sie die Grundlagen für die westliche Aversion gegen den Kommunismus. Ihr Befund: Die Menschen brauchen die Versprechungen des Sozialismus nicht, weil es ihnen zu gut geht. Sie haben volle Märkte, stabile Häuser und vor allem ein Wertesystem (Disziplin, Tradition, Glaube, Familie, Nation etc.), dass dem Sozialismus zu stark entgegensteht. Es muss also zunächst dieses Wertesystem zerstört oder stark geschwächt sein.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Sozialisten sich Themen wie der Homo-Ehe verschrieben haben, genauso wie es kein Zufall ist, dass sie sich auch in Richtung der Legalisierung von Pädophilie bewegen. Wenn Politiker, wie zum Beispiel Hillary Clinton sagen, dass man das ganze Dorf braucht um ein Kind zu erziehen, und heute Politiker eine Ganztagsbetreuung von frühester Kindheit fordern, dann zerstören sie damit Stück für Stück die Idee der traditionellen Familie, in der die Kinder ihre Werte von den Eltern erhalten. Dies produziert nämlich zu viele verschiedene Ideologien. Ist der Staat die prägende Figur in der Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen, dann schafft er einerseits ein relativ uniformes Meinungsbild und andererseits hat er die Möglichkeit jede Ideologie zu propagieren, die er für richtig hält. Damit dies möglich ist, muss die traditionelle Familie ein geschwächter oder toter Wert sein. Ist der gesamtgesellschaftliche Konsens tatsächlich oder augenscheinlich so, dass die Familie nicht zwingend der einzig wahre Ort für ein Kind ist (weil Mutti arbeiten soll, weil so viele Ehen geschieden werden, weil da Missbrauch droht etc.), dann werden solche Maßnahmen toleriert und das ist bei uns schon weit fortgeschritten. Und damit kommen wir zur Homo-Ehe, einer von vielen Ideen, die für sich genommen vielleicht harmlos wirken, aber große Auswirkungen haben können. In diesem Fall wird der Begriff der Ehe entleert, er wird ein Stück beliebiger, er verliert an Wert. Ist das eine große sozialistische Verschwörung? Sicher nicht, die Träger dieser Ideologie werden nur in den seltensten Fällen bewusst so handeln. Vielmehr ist es den ursprünglichen Denkern, vornehmlich der Frankfurter Schule, dank des Marsches durch die Institutionen gelungen ihr Gedankengut zum selbstverständlichen Kanon zunächst linken und dann allgemeinen Denkens zu machen. Es gibt katholische Nonnen, die ihren Glauben stärker hinterfragen als Linke ihre Ideologie.

Die Reaktionen auf die Homo-Ehe in den USA ist bezeichnend. Die Welt scheint zu feiern als wäre bis gestern Homosexualität noch mit der Todesstrafe belegt gewesen. Der einmalige Vorgang, dass das Weiße Haus in Regenbogenfarben angestrahlt ist etc., dass zahlreiche Kommentarspalten in Zeitungen nicht etwa die Homo-Ehe an sich, sondern die erwartete Frustration der „bigotten Homophoben“ feiern, ist eine öffentliche Machtdemonstration. Die Machtdemonstration einer, vornehmlich linken, Elite, die klar gestellt hat, dass sie die Macht haben Normen, Werte und Moral selbst zu ändern, und die seit heute den perfekten Präzedenzfall für jede weitere Aushöhlung traditioneller Werte hat. Der Progressivismus gibt ihnen das Feigenblatt, dank dem man nicht einmal mehr fragen muss warum man solche Entscheidungen anstrebt wie die Homo-Ehe. Es wird für selbstverständlich hingenommen, als gäbe es irgendwo eine große Liste mit den Ungerechtigkeiten der Welt, die auf dem Weg zum Paradies abgeschafft werden müssen. Die Erkenntnis, dass es diese Liste nicht gibt wirft automatisch die Frage auf wer wann wo und vor allem warum es anstrebt und vor allem so feiert. Wenn wir uns das gefallen lassen, wird es nicht der letzte Sieg sein.

Gut gemeint – Der Staat schafft Mangel

Das Pfingstwochenende ist noch nicht zu lange her und so manchem wird aufgefallen sein, dass über die beiden Feiertage eine deutliche Steigerung der Benzinpreise zu sehen war. Das ist nicht ungewöhnlich, tatsächlich ist es allgemein bekannt, dass zu Feiertagen, verlängerten Wochenenden und zum Ferienanfang und -Ende immer einige Cent aufgeschlagen werden und es führt auch regelmäßig zu Empörung seitens der Autofahrer, Interessensverbände und immer wieder auch der Politiker. Klar, denkt man sich, die wissen, dass die Leute an den Tagen fahren müssen, also Benzin kaufen müssen, sie nutzen die Notlage der Menschen aus und verdienen sich eine goldene Nase. Tatsächlich ist es aber so, dass die hohen Benzinpreise der verlängerten Wochenenden eine soziale Funktion erfüllen. Selbst dann, wenn der Tankstellenbetreiber tatsächlich nur von Geldgier motiviert ist.

hier zu sehen: Ein simple Lösung eines komplizierten Systems

hier zu sehen: Ein simple Lösung eines komplizierten Problems

Wir gehen davon aus, dass ein Tankstellenbetreiber, wie jeder Unternehmer, darauf aus ist mit seiner vorhandenen Ware möglichst viel Geld zu verdienen. An einem normalen Werktag bleiben dem Unternehmer mehrere Möglichkeiten: Entweder verlangt man einen hohen Preis und verdient viel an den kleinen Mengen Benzin, oder man verlangt wenig und verdient wenig an großen Mengen Benzin. Beides hat seine Vorteile. In der Regel wird ein Mittelweg eingeschlagen. Es besteht grundsätzlich die Motivation im Wettbewerb mit anderen Tankstellen, durch einen geringfügig niedrigeren Preis, Kunden abzuwerben und somit durch Quantität die kleinere Gewinnmarge auszugleichen. Dies drückt die Preise allgemein unter ein Niveau, dass sich der Verkäufer wünschen würde. Möglich wird dies dadurch, dass bei einem niedrigeren Preis und der dadurch höheren verkauften Menge an Benzin, im Zweifelsfall nachbestellt werden kann. Dann kommt ein Tanklaster vom Mutterkonzern, füllt die Tanks auf und die Strategie kann weiter geführt werden.

An einem Feiertag ist aber in Deutschland ein ganz anderes Problem vorhanden: Das Fahrverbot für LKW. Es ist nicht möglich, wenn man den ganzen Pfingstsonntag das Benzin verkauft hat, noch vor Ende des Pfingstmontags neues zu bestellen. Ebenso steht am Ferienanfang und -Ende, wie jeden Tag, nur eine begrenzte Anzahl von Tanklastern zur Verfügung, die durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen behindert werden und durch die vielen Autofahrer öfter gerufen werden müssen. In beiden Fällen wird für den Tankstellenbetreiber die Verfügbarkeit von neuem Kraftstoff eingeschränkt oder ganz verhindert. Wir bleiben aber für das Beispiel bei hier beim Pfingstwochenende:

Der Tankstellenbetreiber steht nun vor einer veränderten Situation. Für zwei Tage bietet sich ihm nur eine feste Menge an Kraftstoff, die er verkaufen kann. Wenn er den meisten Profit daraus holen will, dann bringt es nichts viel für wenig zu verkaufen, sondern er muss die begrenzte Menge für den höchstmöglichen Preis los werden. Ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, er sorgt damit dafür, dass Ihr Auto nicht auf der Autobahn liegen bleibt. Betrachten wir vier Szenarios:

  1. Ihr Tank ist knapp 3/4 voll. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,50€ steht.
  2. Ihr Tank ist knapp 3/4 voll. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,20€ steht.
  3. Ihr Tank ist nahezu leer. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,50€ steht
  4. Ihr Tank ist nahezu leer. Sie fahren an einer Tankstelle vorbei, an der Super gerade auf 1,20€ steht.

In Szenario 1 werden nahezu alle Fahrer weiterfahren. In Szenario 2 jedoch ergibt sich die interessante Möglichkeit schnell mal für den günstigen Preis aufzufüllen. Wer weiß wann er wieder kommt. Szenario 3 und 4 sehen anders aus. Sie brauchen Benzin, Sie haben einen akuten Mangel und laufen Gefahr liegen zu bleiben. Im Fall 4 ist es Ihr Glückstag, aber auch bei Nr. 3 wären Sie bereit zu tanken. Der Kraftstoff ist Ihnen 1,50€ wert.

Steigt der Preis an Feiertagen, allein wegen der Absicht der Betreiber Profit zu machen, werden all jene vom Tanken abgehalten, die mit ihren Reserven auch locker bis zum nächsten Werktag kommen. Die durch das Gesetz künstlich verknappte Menge an Kraftstoff im Land, wird nur, oder zumindest hauptsächlich, an die Autofahrer ausgegeben, die wirklich in diesem Moment auf den Kraftstoff angewiesen sind. Durch die Voraussagbarkeit dieser Verknappungen (Feiertage kommen ja nicht überraschend) und der resultierenden Preissteigerungen, erhöht sich die Motivation der Autofahrer entweder an diesen Tagen weniger zu fahren, also die knappe Ressource nicht weiter zu verbrauchen, oder an den Tagen davor, an denen wegen der Tanklaster kein wirklicher Mangel besteht, bereits die Reserven aufzufüllen.

Die „Profitgier“ des freien Marktes schafft es auf diese Art und Weise ein knappes Gut so in der Bevölkerung zu verteilen, dass jene es erhalten, die ihm in diesem Moment den höchsten, subjektiven, Wert zusprechen. Nun kann ein findiger Politiker den üblichen Ärger über Benzinpreise nutzen und folgendes Gesetz erlassen: An Sonn- und Feiertagen darf der Preis von Kraftstoff nicht mehr als 5 Cent über dem Durchschnitt der vorangegangenen 30 Tage liegen. So will der Politiker die „Ausbeutung“ der armen Autofahrer verhindern. Es gibt nur zwei mögliche Folgen einer solchen Politik. Entweder werden die Tankstellenbetreiber den Preis auch an Werktagen geringfügig erhöhen um die geringfügig niedrigeren Preise an Feiertagen auszugleichen, oder aber sie halten den Preis auch an Feiertagen niedrig. Letzteres Szenario hätte zur Folge, dass an Tagen an denen der Kraftstoff knapp ist mehr Leute als üblich tanken. Gegen Ende zweier Feiertage wie an Pfingsten, Ostern oder Weihnachten, ist dann zu erwarten, dass spätestens am Abend die ersten Zapfsäulen trocken liegen und Autos vor ihnen parken, die nicht genug Benzin haben um zur nächsten Tanke zu kommen.

Vergleichbare Szenarien sehen wir überall in der Wirtschaft. Wird ein Gut oder eine Dienstleistung knapp, dann steigt ihr Preis. Dies sorgt einerseits dafür, dass für die Dauer des Mangels weniger Menschen versuchen dieses Gut oder diese Dienstleistung zu erwerben und diese somit denen zukommen, die ihnen den höchsten subjektiven Wert zuschreiben. Andererseits motiviert es andere wirtschaftliche Akteure dazu in die jeweilige Branche zu investieren und langfristig so den Mangel zu lindern, was dann mit einer Preissenkung einhergeht. Staatliche Interventionen haben dies an vielen Punkten erschwert oder gar unmöglich gemacht. Nahezu jede Preissteigerung in einem bestimmten Bereich wird inzwischen mit dem Ruf nach dem Eingriff der Regierung beantwortet. Das aktuellste Beispiel ist die Mietpreisbremse. Jeder Vermieter, der eine Wohnung neu vermieten will, muss jetzt mindestens den Gegenwert von einem Drittel des Neubaus investieren, bevor er die Miete um mehr als 10% erhöhen darf. Dies gilt für angespannte Wohnungsmärkte, ein Label, dass Landesregierungen verteilen. Das dies Investitionen gerade in den angespannten Wohnungsmärkten abhält ist eigentlich mit gesundem Menschenverstand zu erkennen, aber die selbe Regierung hat ja auch einen Mindestlohn beschlossen. Gerade in Gegenden, in denen Mangel herrscht, also eine besonders hohe Nachfrage (ergo wollen dort viele Menschen gerne wohnen), können hohe Preise Investoren anlocken, die zu Neubauten und Modernisierungen bereit sind. Da die Mieter, die in der Lage sind diese Preise zu bezahlen, natürlich nicht aus dem Obdachlosenheim kommen, sondern bereits selbst Mieten oder besitzen, macht dies Kapazitäten in solchen Wohngegenden oder Gebäuden frei, die per Definition geringer nachgefragt sind als die neuen Wohnungen. Diese sinken im Preis, was sie für weniger wohlhabende Mieter erschwinglich macht. Diese Prozesse, vor allem die neuerdings sogenannte Gentrifizierung, sind kein Versagen des Marktes, sondern ein ganz normaler, keineswegs neuer, Vorgang. Die Präferenz für bestimmte Stadtviertel hat sich schon immer in beide Richtungen massiv verschoben und mit ihr die Preise.

Die Reaktion des freien Marktes auf Mangel ist Investition, die Reaktion des Staates ist die Schaffung neuen Mangels!